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Kurt Tappeiner

Südtiroler Medienlandschaft

Tageszeitung: Endgültiger Abschied von Franceschini?

Reden will keiner darüber. Doch es sieht alles danach aus, als ob die Neue Südtiroler Tageszeitung eine ihrer renommiertesten Federn verloren hat. Zumindest bis Jahresende ist Christoph Franceschini in Urlaub.
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Beide sind Spürhunde, wenn es darum geht, an Informationen zu kommen, die andere nicht haben. Doch in eigener Sache legen die Tageszeitungs-Redakteure Christoph Franceschini und Arthur Oberhofer nun eine ungewohnte Diskretion an den Tag. „Ich hab momentan nichts zu erzählen“, sagt der Eppaner Journalist, wenn er auf die Gerüchte um sein Zerwürfnis mit der Neuen Südtiroler Tageszeitung  angesprochen wird.  Außer: „Ich bin noch bis Ende des Jahres angestellt, aber in Urlaub. Das heißt, ich werde nichts für die Tageszeitung schreiben.“ Zur Zeit danach kann er nichts sagen, tut ihm leid, sagt Franceschini – und das war’s auch schon. Genauso kurz angebunden, wenn auch nicht ganz so höflich: Tageszeitungs-Chefredakteur Arthur Oberhofer. „Mehr als gesagt worden ist, gibt es nicht zu sagen“, meint er, „und Euch schon gar nicht, denn ihr wartet nur darauf, dass wir ein Ei haben, um Euch dann mit Leidenschaft drauf zu stürzen.“

Auch ohne Leidenschaft ist recht leicht zu erraten, dass „das Ei“ ganz offenbar in einem endgültigen Zerwürfnis eines bereits seit Beginn der Neunziger Jahre kongenialen Duos des Südtiroler Journalismus besteht. Franceschini und Oberhofer hatten zu Beginn der Neunziger Jahre fast zeitgleich beim Wochenmagazin ff ihre journalistische Karriere begonnen; nach der Schwimmbad-Affäre schrieben sie beide für das  Südtirol Profil, um schließlich im Herbst 96 bei der Südtiroler Tageszeitung durchzustarten. 

Spätestens seit Arthur Oberhofer dort vor drei Jahren Heinrich Schwarzer als Chefredakteur abgelöst hatte, scheint die Stimmung zwischen den beiden jedoch gekippt zu sein. Franceschini arbeitete bereits seit längerem nur mehr von zu Hause aus für die Tageszeitung;  eine Wahl,  deren Hintergrund zumindest laut Gerüchteküche in den Konflikten mit Oberhofer  lag. Dort brodeln nun auch die verschiedensten Theorien, was zum definitiven Bruch zwischen den beiden geführt hat. Ob die Blattlinie Oberhofers, der für seine Vorliebe für Sex & Crime und das Boulevardeske bekannt ist, die politische Ausrichtung – Oberhofer wird seit jeher eine  gewisse Nähe zu den Freiheitlichen nachgesagt, Franceschini gilt als ehemaliger Eppaner Bürgerlister eher als Sympathisant der Grünen – oder vollkommen andere Gründe: Klar scheint nur, dass Franceschini seit Anfang November nicht mehr für die Tageszeitung schreibt und das Blatt damit einen schmerzhaften Aderlass erfährt. 

Immerhin ist der Eppaner einer der am besten vernetzten politischen Journalisten des Landes. Eine Qualität, die ihm vor zwei Jahren auch von der Konkurrenz zuerkannt wurde, als ihn die ff in einem Ranking zu einem der mächtigsten Journalisten Südtirols erklärte. Seine Gabe, wie zuletzt auch im SEL-Skandal, mit Insider-Informationen für Scoops zu sorgen, trug zweifelsohne zur Beliebtheit der Südtiroler Tageszeitung bei. Darüber hinaus ist der studierte Historiker und Politikwissenschaftler auch als Dokumentarfilmer tätig und Autor mehrerer Fernsehdokumentationen; darunter die mit Helmut Lechthaler produzierte sechsteilige Serie Bombenjahre, für die er 2005 den renommierten Claus Gatterer-Preis erhielt. 

Ob er künftig tatsächlich als freier Journalist Filme drehen wird, wie in der aktuellen Ausgabe der ff spekuliert wird, oder es doch noch eine Rückkehr zur Tageszeitung geben wird: Sicher ist, dass er in Südtirols Zeitungslandschaft erst einmal fehlen wird.

 

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Kommentare

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Schade, dass Christoph Franceschini die TAZ verlässt, obwohl es verständlich ist; er wird mir aber fehlen. Wie es mit der TAZ weitergehen wird ist fraglich. Ohne Christoph wird sie im Niveau wohl ganz absacken. Politisch sehe ich sie schon seit geraumer Zeit deutlich Durnwalder- und SVP- oder Macht-nahe. Seit die Dolomiten begonnen hat, Durnwalder zu kritisieren, haben Tribus und Oberhofer schnell unterwürfigst das vermeintliche Vakuum gefüllt (z B einige "Exklusivinterviews mit Durnwalder). Die Themenwahl ist zum Teil schändlich und noch schlimmer finde ich oft die Bildwahl. Man kann nur hoffen, dass der Abgang Franceschinis eine Krise auslösen und in der Folge wieder etwas Positives entstehen wird. Ich wünsche dem Christoph Franceschini alles Gute für die Zukunft; vielleicht macht er etwas, an dem auch wir unsere Freude haben werden!
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