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Christina Canaval

Theater

Theaterrezension "Romys Pool" der Vereinigten Bühnen Bozen

Für eine komödiantischen, ja, schwankartigen Zugang zum Thema Altern und Alzheimer entschieden sich Autor Stefan Vögel und Regisseur Claus Tröger mit dem Stück "Romys Pool" - Kammerschauspielerin Julia Gschnitzer war der einzige Lichtblick im Studiosaal der Vereinigten Bühnen Bozen.
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Der Titel des Stücks und das Thema – das Alter bzw. Alzheimer – ließen Erwartungsneugier aufkommen. Schließlich bringt der Autor Stefan Vögel, der das Stück als Auftragswerk für das Salzburger Landestheater, die Vereinigten Bühnen Bozen und das Stadttheater Bruneck geschrieben hat, zwei Themen zusammen, die in unserer demographisch alternden Gesellschaft große Beachtung finden. Wir werden immer älter und wir wollen dabei gut aussehen, uns nicht vorwerfen lassen, wir hätten etwas versäumt.

Doch vordergründig geht es zuerst einmal um die zunehmenden Gedächtnisaussetzer der Hauptfigur. Anna Schneider (Julia Gschnitzer) ist achtzig und verwitet. Sie lebt allein auf dem Land in ihrer ehemaligen Pension, die sich ihr Sohn Gottlieb (Georg Clementi) unter den Nagel reißen, renovieren und wiedereröffnen will. Er will die scheinbar an Alzheimer erkrankte Mutter ins Pflegeheim abschieben, doch Anna denkt nicht im geringsten daran. Mit Unterstüzung der verständnisvollen Pflegerin Ines (Britta Bayer) verwirklicht sie ihren großen Traum von einem Swimmingpool, „grad so wie Romy ihn hatte“ und nimmt sogar Schwimmstunden bei Bademeister Reini (Florian Eisner).

Die Regie hat der Salzburger Claus Tröger übernommen, ein Spezialist für Theaterthemen die Fingerspitzengefühl erfordern, wie er schon viele Male bewiesen hat. Doch dieses Mal nicht. Es kann an der Vorlage liegen; Stefan Vögels Text vergibt eine Chance nach der anderen, das Thema Altern und Demenz auf seriöse und doch humorvolle Weise anzupacken. Er legt den Figuren die abgedroschenesten Phrasen in den Mund und zeichnet ihre Charakter eindimensional und äußerst klischeehaft. So ist Sohn Gottlieb stets der kalt berechnende Egoist, den das Wohlergehen seiner Mutter nicht im mindesten interessiert, die Enkelin Michelle (Jasmin Mairhofer) das unbeschwerte Girlie, das die Erbschleicherei ihres Vaters grauenhaft findet. Die einzigen beiden Figuren, die einen Wandel durchmachen, sind die Pflegerin und der Bademeister. Doch hier hat die Regie wenig feinfühlig agiert. Zu abrupt entpuppt sich Schwester Ines als geldgieriger Vamp, die in „raffiniert“ verdeckter Zusammenarbeit mit Bademeister Reini ebenfalls auf Geld und Haus der alten Dame spitzt.

Die einzige die den Theaterabend doch noch zu einem Erlebnis macht, ist Julia Gschnitzer, Grande Dame des österreichischen (und ein wenig Südtiroler) Theaters, vielmals ausgezeichnete Kammerschauspielerin und mit ihren 81 Jahren sprühend vor Vitalität. Sie spielt die Anna mit Leichtigkeit und Charme, schlurft zur Urne des verstorbenen Gatten Walter, wenn sie die alte demente Mutter sein soll und schreitet beschwingt im hübschen Kleid, nachdem sie ihren Swimmingpool durchgesetzt hat.

Zum Ende hin erhält jeder und jede die gerechte Strafe, keine wirklich böse, aber die Machenschaften sind aufgedeckt, die Lächerlichkeiten offenbart.

 

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