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KaminkehrerInnen gesucht

Kaminkehrer Richard Schupfer über seine berufliche Leidenschaft, warum es dringend Nachwuchs bei den schwarzen Fegern braucht und woher das Glück eigentlich kommt.

Früher – da war es einfach. Heute – ist vieles kompliziert geworden. Doch eines ist immer noch dasselbe. Das Glückbringen.

„Die Deutschen, die sind da ja ganz versessen drauf. Wenn die mich sehen, wollen sie mich entweder küssen, ein Foto machen – aber das verrückteste...“ Richard Schupfer hält inne und schmunzelt. „Das Verrückteste war, da hat mir eine Deutsche Touristin auf den Pullover gespuckt. Sie meinte, bei ihnen tut man das so.“

Seit über 30 Jahren ist der Naturnser mit schwarzer Bekleidung unterwegs. Putzt Kamine, aber längst nicht nur mehr das. „Ein Kaminkehrer muss heute vieles machen. Wir werden ja schon auf die Baustellen gerufen, müssen schauen ob die Abstände bei den Kaminen stimmen, auch Lüftungsanlagen in Klimahäuser reinigen wir, bei Kaminbränden werden wir zu Rate gezogen.“ Schupfer blickt zurück. „Als ich mit meinem Vater angefangen habe, da war ich  14 Jahre alt. Mit der Vespa, einer Lambretta, sind wir herumgefahren, ich hatte hinten, auf dem Rücken, den Staubsauger oben. Ja, da ging es noch hauptsächlich ums Kamine putzen.“

Richard Schupfer Anno 1970 ca. mit seinem Vater unterwegs zum Kaminkehren

Und die Jungen?

Anpassen müsse man sich an neue Zeiten und Gegebenheiten, weiß der Kaminkehrer aus Leidenschaft, er ist auch Obmann im LVH. Und dass die Bürokratie allen, auch den schwarzen Fegern über die Köpfe wächst, ist Schupfer hinlänglich bekannt. Etwas aber, das schmerzt ganz besonders:„Was hierzulande ein großes Manko ist“, sagt er, „das ist, dass wir seit gut zehn Jahren keine Schule mehr haben für unsere jungen Kaminkehrer. Es muss ein Mindestanzahl von acht Lehrlingen zusammen kommen. Und das schaffen wir kaum.“

So geht es für die jungen Schwarzen ab nach Innsbruck in die Berufsschule. Für einen spezifischen Unterricht, was die italienischen Bestimmungen betrifft, setzt sich Schupfer schon länger ein. „Die Materie lernen die Schüler nach österreichischem Recht." Etwa drei bis vier Abgänger gibt es pro Jahr, „das ist verdammt wenig“, sagt der Obmann. „Viele Jugendliche studieren heute und ja, wer will schon Kaminkehrer werden...?“ Schupfer hält inne. Auf der einen Seite sagt er, geht es um den fehlenden Nachwuchs, auf der anderen Seite, werden den Betrieben immer mehr Steine in den Weg gelegt. „Mit den Lehrlingen gehen die Betriebe immer stärker auf Sparflamme. Waren früher zwei bis drei Lehrlinge pro Betrieb zu finden, ist es jetzt vielleicht einer.“

Die Frauen ziehen langsam nach. barfuss it. hat mit Katrin Staubach gesprochen. Eine von drei KaminkehrerInnen Südtirols.

Aufhören mit den Auflagen!

Strenge Auflagen der Arbeitssicherheit und des Jugendschutzes mache es allen schwer. Ein Kaminkehrer aus dem Pustertal bringt es auf den Punkt: „Neulich ist ein Lehrling gekommen. Er hatte einen Ordner voll mit Unterlagen. Was alles zu berücksichtigen ist.“ Schupfer erklärt: „Von der Arbeitssicherheit sind so viele Auflagen dazu gekommen. Ruß wird ja als krebserregender Stoff eingestuft, der evtl. gefährlich ist. Das fällt dann in den Jugendschutz rein, und teilweise durften Lehrlinge nichts machen, bevor sie nicht 18 Jahre alt waren. Das haben wir jetzt zumindest auf 16 Jahre wieder heruntersetzen lassen können. Wie soll denn jemand mit 18 das noch alles lernen, wenn er davor jahrelang nur daneben stehen durfte.“

Traditionen sind wichtig, im September steht ein Kaminkehrertreffen alljährlich auf dem Programm.

Ogni anno in Val Vigezzo, Piemonte, la prima domenica di settembre si danno appuntamento oltre un migliaio di spazzacamini. Vengono dal Giappone, Stati Uniti, Canada e anche dall’Europa. Gli italiani sono ancora pochi, eppure qui, a Santa Maria Maggiore, a pochi chilometri dal confine con la Svizzera, ci sono monumenti e musei dedicati a loro.

 "Wir haben Verantwortung"

Drei Jahre dauert die Schule in Innsbruck, Gesellenprüfung danach, dann die Prüfung als Feuerungskontrolleur in Südtirol, zuletzt die Meisterprüfung. Fünf Jahre Ausbildung, dann darf ein Kaminkehrer selbständig durch die Häuser ziehen. „Was die Leute oft nicht sehen: Wir gehen nicht nur schnell irgendwo rein, putzen den Kamin und sind wieder weg. Wir tragen ja die Verantwortung für unsere Arbeit“, erklärt der 55-Jährige. „Sollte es zu einem Kaminbrand kommen oder eine Kohlenmonoxidvergiftung, dann kann das auch auf den Kaminkehrer zurückfallen.“

Was Schupfer bei der Arbeit immer wieder viel Freude macht, ist die Begegnung  mit den Menschen. „Viele kennt man ja schon ewig, das sind Stammkunden sozusagen. Auch wenn durch die Fernwärmewerke immer weniger Bedarf an Kaminkehrern herrscht. Die haben uns viel Arbeit weggenommen.“ Verzagen gilt nicht, ist dennoch die Devise des Kaminkehrers, „man muss sich neue Felder suchen und über den Tellerrand hinausschauen.“ Die Jugend will der Obmann der Kaminkehrer wieder verstärkt ansprechen, bei der Landesmeisterschaft der Handwerker sollen Kaminkehrer ihr Können unter Beweis stellen. Und auf einen wichtigen Handwerkszweig aufmerksam machen.

Wie oft braucht's den Kaminkehrer? Infos der Verbraucherzentrale finden Sie hier.

Das Glück - von oben, von draußen

Hat Kaminkehren aber noch immer Goldenen Boden? „Es ist nicht mehr ganz so wie früher. Da konnte man einfach auf gewisse Kunden zählen. Heute muss nach sieben Jahren immer eine Ausschreibung gemacht werden“, erklärt Schupfer. Was bleibt, ist neben der zunehmenden Zettelwirtschaft, eine Verbundenheit mit den Leuten. Eine Anekdote hat der zweifache Familienvater gleich parat: „Ich bin zu einem Bauernhof gekommen, die Hausfrau war daheim, das wusste ich, aber sie hat mir nicht aufgemacht. Der Hund hat so komisch gebellt, da war mit nicht ganz wohl. Aber ich hab mir gedacht: 'Richard, das packst du jetzt.' Ich bin rein, und die Frau lag auf dem Boden, sie hatte einen Herzinfarkt. Ich hab dann schnell den Notruf gerufen, es ist alles gut ausgegangen, wir konnten sie retten.“

Schupfer schmunzelt: „Ja, da kam wohl wirklich das Glück mit dem Kaminkehrer daher.“

 

 

 

 

 

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Willy Pöder Mon, 09/01/2014 - 19:29

Nicht, um zu eiern, sondern einfach nur der Aktualität zuliebe: Vespa und Lambretta waren zwei völlig unterschiedliche Motorroller. In modernisierter Fassung gibt es sie auch heute wiederum.

Mon, 09/01/2014 - 19:29 Permalink