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Foto: upi
Politica | Fratelli d'Italia

Meloni startet durch

Giorgia Meloni präsentiert sich im Mailänder Kongresspalalst als zukünftige Spitzenkandidatin für das Regierungsamt. Daran lässt sie keine Zweifel offen.

Die Tageszeitung La stampa wertet ihren Auftritt als "prova da premier". In der Tat hat Giorgia Meloni auf der Convention ihrer ultrarechten Partei Fratelli d´Italia im riesigen Mailänder Kongresspalast nichts dem Zufall überlassen: 4600 Delegierte aus ganz Italien sorgten für den nötigen Enthusiasmus. Das Bild erinnerte stark an die jüngste Convention der konservativen Partei in Florida, an der die Vorsitzende der Fratelli d`Italia letzthin teilgenommen hat. Von den übrigen Parteien hatte man zur conferenza programmatica nur die Fraktionsvorsitzenden geladen. Vorrangiger Zweck der perfekt organisierten Grossveranstaltung war es, den Verbündeten Lega und Forza d`Italia unmissverständlich vor Augen zu führen, dass es im nächsten Wahlkampf nur eine Kandidatin für das Amt des zukünftigen Premiers geben könne - sie selbst. Diesen Anspruch hat sie in ihrer Schlussrede am Sonntag noch deutlicher unterstrichen: "Crediamo che questo sia il tempo delle donne." Gab es in ihrer Rede nicht den geringsten Zweifel an der internen Fehde gegen die Verbündeten Matteo Salvini und Silvio Berlusconi, fehlte jeder Hinweis darauf, wer ihre Mitkämpfer im Partito dei Conservatori sein werden, mit denen sie einen Sieg bei den nächsten Parlamentswahlen anpeilt. In 70 Minuten Redezeit schaffte sie das Kunststück, ihre aktuellen Verbündeten mit keinem Wort zu erwähnen. Der gängige Begriff centrodestra schien ausgelöscht. In ihrer bis aufs letzte Wort gefeilten Rede räumte sie gründlich auf mit dem "Gender-Geschwätz" und dessen Ziel - "la scomparsa della donna in quanto madre." An grossen Sprüchen liess es Meloni nicht fehlen.

Unklar blieb dagegen, was sie im Fall ihrer Wahl in den ersten Monaten ihrer Amtszeit verwirklichen will.  Sie begnügte sich mit Schlagworten wie dem "fallimento della globalizzazzione und der "ipotesii mondialista", zog gegen die "mostruosità dell´utero in affitto" zu Felde, äusserte Skepsis gegen die svolta green, sprach sich für "un`Europa confederale e non dei burocratici" aus und für einen "pugno di ferro contro l`immigrazione clandestina." Fast schien es so, als könne Meloni sogar die gewohnten parlamentarischen Unsitten abstellen - kaum bestieg sie das Rednerpult, löste sich die  Sprizz- und Caffè-Szene an der Bar schlagartig auf und alle strömten flugs in den riesigen Saal.

In aktuellen Umfragen liegen die Fratelli d`Italia mit 21,2 Prozent an der Spitze - gleichauf mit dem Partito democratico. Es folgen die Lega mit 15,7 %, die Fünf-Sterne-Bewegung mit 13,2 und Forza Italia mit 8,6 Prozent.

 

Die Veranstaltung glich einer Aufforderung, das Alte über Bord zu werfen - vom saluto romano bis hin zu den uralten faschistischen Slogans der ultradestra. Dabei bot der technologisch perfekte und gigantische Kongresspalast in Mailand eine geeignete Kulisse. Einer der Slogans, die Melonis aus ganz Italien angereiste Anhänger auf ihren Spruchbändern forderten, war besonders oft zu sehen und zu hören: "Basta con i dinosauri". 

In ihrer bis aufs letzte Wort gefeilten Rede räumte sie gründlich auf mit dem "Gender-Geschwätz" und dessen Ziel - "la scomparsa della donna in quanto madre."

Wen sie damit meinte, war nicht unbedingt klar. Denn Meloni ist seit ihrem 1998 erfolgten Einzug ins Provinzparlament von Rom für Alleanza Nazionale  ein Vierteljahrhundert in der Politik. Salvini, der 1993 in den Gemeinderat von Mailand gewählt wurde, noch fünf Jahre länger. Auch Berlusconis Einstieg in die Politik liegt drei Jahrzehnte zurück. Doch wie man weiss, leben Dinosaurier eben länger. Durchaus reizvoll auch Melonis Appell: "Trasformiamo un´epoca infame nel nuovo risorgimento." Wie das funktionieren soll, blieb freilich offen.