Environment | Elektormobilität

Turbo für E-Cars

Mit Prämien für E-Cars und Ladestationen startet das Land eine Offensive für die Elektromobilität. Nun muss sich zeigen, wie smart die Südtiroler beim Autokauf sind.
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Foto: LPA/Roman Clara

Wenn gleich zwei Landesräte und der Landeshauptmann eine Pressekonferenz bestreiten, geht es meist um große Ziele. Als solches kann das Projekt, Südtirol zu einer Modellregion für nachhaltige Mobilität zu machen, getrost bezeichnet werden. Wie man dabei vorgehen will,  versuchten Arno Kompatscher, Energie- und Umweltlandesrat Richard Theiner und Mobilitätslandesrat Florian Mussner am Donnerstag neben dem Radweg vor dem Bozner Museion zu skizzieren. #smartunterwegs lautet der Slogan für ein Maßnahmenpaket zur Green Mobility, an dem eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe seit eineinhalb Jahren gearbeitet hat. Mit dabei bei der Ausarbeitung waren neben verschiedenen Landesabteilungen auch der Gemeindenverband, der Südtiroler Energieverband, das Wasserstoffzentrum IIT, Alperia, die Südtiroler Transportstrukturen AG STA und die Organisation Carsharing. Verkehr vermeiden, verlagern und verbessern sind die drei wichtigsten Vorhaben, auf die sich die beschlossenen Maßnahmen herunterbrechen lassen. In den kommenden drei Jahren wurden dafür je 10 Millionen Euro pro Jahr bereitgestellt.

Vermieden werden soll Individualverkehr beispielswiese über eine nachhaltige Raumordnung, die kurze Wege und eine kompakte Siedlungsweise zum Maßstab erhebt, oder eine verbesserte Vorprüfung von Straßenbauprojekten hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den PKW-Verkehr. Verlagern will man ihn vor allem über die weitere Förderung der Fuß- und Radmobilität sowie des öffentlichen Nahverkehrs. Die wichtigste Maßnahme zur Verbesserung des Verkehrs wurde dagegen am Donnerstag in den Mittelpunkt der Pressekonferenz vor dem Bozner Museion gestellt. Vor der Kulisse von zwei Elektroautos, einem E-Motorroller im Retro-Look sowie einer Elektro-Ladestation verkündete der Landeshauptmann, wie man den noch zögerlichen Absatz von E-Cars und anderer elektrischen Fahrzeuge beschleunigen will: mit teils großzügigen Förderungen für Private wie für Unternehmen.

4000 Euro Skonto erhalten private Käufer wie Unternehmen ab Mai beim Kauf eines reinen Elektroautos. Dazu zählen sowohl Elektrofahrzeuge mit Batterien also auch Brennstoffzellenfahrzeuge mit Wasserstofftank. Die Hälfte der Preisermäßigung kommt aus dem Steuertopf, die andere stellen die Konzessionäre, über die der Skonto zumindest für Private ganz unbürokratisch in Anspruch genommen werden kann, wie Kompatscher unterstrich. Für sogenannten Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge, die auch über einen Verbrennungsmotor geladen werden können, sinkt die Preisermäßigung auf 2000 Euro. Doch auch die Ladestationen für die Elektrofahrzeuge können ab dem Frühjahr bzw. für Private ab dem Sommer von der öffentlichen Hand bezuschusst werden: Wer künftig eine Heimladestation oder eine betriebsinterne Ladestation ankauft, erhält dafür bis zu 1000 Euro Förderung. Betriebe erhalten darüber hinaus auch Förderungen für Kleinmofas und Lastenfahrräder mit Elektroantrieb.

Mit diesem Anschub lassen sich die höheren Anschaffungskosten von Elektrofahrzeugen zumindest bei regelmäßigem Gebrauch im Laufe ihrer Lebenszeit wieder hereinholen, meinten E-Mobility-Experten gestern am Rande der Pressekonferenz. Immerhin muss man bei Mittelklassewägen mit einem Neukaufpreis von mindestens 23.500 Euro rechnen; bei vergleichbaren Modellen wird grob gerechnet von einer Preisdifferenz in Höhe von rund 7000 bis 8000 Euro zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ausgegangen. Doch im laufenden Betrieb verursachen die E-Fahrzeuge dann nicht nur wegen der bereits bestehenden fünfjährigen Befreiung von der Autosteuer weniger Kosten. Darüber hinaus ist auch Strom billiger als Benzin oder Diesel sowie die laufende Wartung viel günstiger, weil viele Verschleißteile fehlen, wie von den E-Mobiliy-Promotoren unterstrichen wurde.

Mit dem Förderpaket hofft man die Zahl an Elektrofahrzeugen in den kommenden Jahren kontinuierlich  nach oben zu treiben. Gerade einmal 275 Elektrofahrzeuge sind heute in Südtirol immatrikuliert. Zählt man Fahrzeuge von Leasingbetrieben dazu, werden es laut Harald Reiterer, Green-Mobility-Koordinator bei der STA, aber zumindest über 600. Die Hoffnung, dass es bald mehr werden, ist auch mit der Gründung einer eigenen E-Mobility-Tochter der Energiegesellschaft Alperia gestiegen. Dort wurde die Aufbauarbeit von Etschwerken und SEL in dem Bereich erst einmal auf einen einheitlichen Standard gebracht. Nun positioniert sich Alperia E-Mobility als starker Player auf dem Markt, der nicht nur den Ausbau der aktuell 32 öffentlichen Ladestationen im Land zügig vorantreiben will.  Generaldirektor Johann Wohlfarter versprach gestern auch ein umfangreiches Servicepaket mit verschiedenen Angeboten für Ladestationen, maßgeschneiderten Tarifsystemen und Auflademöglichkeiten sowie Pannenhilfe oder einem Callcenter. „Die wesentlichen Hemmschwellen für die Elektromobilität waren bisher Preis, Infrastruktur und Reichweite“, sagte Wohlfarter.

Die ersten beiden Bremsen würden nun durch die Prämien von Land und Konzessionären sowie den Ausbau des Versorgungsnetzes durch die Alperia beseitigt. Sei dies erst einmal geschehen, sei auch die Reichweite kein großes Thema mehr, meinte der Alperia-Generaldirektor. Je nach Modell ermöglichen die Batterien heute Distanzen von 200 bis mehr als 400 Kilometer zu überwinden. Bei Alperia, aber auch in der öffentlichen Verwaltung scheint dies für eine Verkaufsentscheidung auszureichen. Beim Land gilt laut Landesrat Richard Theiner beim Ankauf von Fahrzeugen die Umkehrbeweislast. Sprich: "Wenn kein E-Fahrzeug angeschafft wird, muss dies ausdrücklich begründet werden“, so Theiner. Die Energiegesellschaft Alperia hat dagegen bereits festgelegt, dass künftig die Hälfte ihres 350 Fahrzeuge starken Fuhrparks elektrisch sein soll.

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manfred wachter Fri, 03/03/2017 - 09:47

Sehr gut. Endlich ein Entscheid der in die richtige Richtung führt. Hoffentlich wird das Angebot von vielen Autokäufern angenommen.

Fri, 03/03/2017 - 09:47 Permalink