Society | Athesia

Zensur im Tod

Die Feindschaft der mächtigen Ebner-Brüder geht über den Tod hinaus. Eine unglaubliche Geschichte über die Zensur in einer Todesanzeige für Rudi Rimbl.

Offiziell nennt man sich ein „christliches Verlagshaus“. Das mag daran liegen, dass auch heute noch kirchliche Institutionen oder deren Würdenträger einen guten Teil des Aktienpaketes der Athesia AG halten.
Wie die „christliche Nächstenliebe“ im mächtigen Ebner-Verlag aber in der Praxis aussieht, kann man derzeit an einem konkreten Fall beobachten.

Der Feind

Am vergangenen Wochenende starb in Bozen der renommierte Wirtschaftsberater Rudolf Alois Rimbl. Rimbl war der Wirtschaftsberater, der die Athesia AG maßgeblich zu dem florierenden Unternehmen gemacht hat, das es heute ist.  Der 1938 geborene Lananer war schon unter Toni Ebner Senior in den Verlag gekommen und hatte das leicht angestaubte Verlagsschiff in die Neuzeit geführt.
Rudi Rimbl hatte ein Aktienpaket geerbt und er hat seine Beteiligung am Verlagshaus kontinuierlich ausgeweitet, so dass er jahrelang der größte private Aktionär der Athesia war. Mit der Machtübernahme der Gebrüder Michl und Toni Ebner begann der Wind am Weinbergweg aber zu drehen. Rudi Rimbl wusste zu viel über die geschäflichen Zusammenhänge im Medienkoloss. Damit war er der geplanten Aktienübernahme durch die Familie Ebner eindeutig im Weg.
2004 trennten sich die Wege der langjährigen Partner. Rudi Rimbl hat mit seinem Austritt aus der Athesia viel Geld verdient. Doch wer ihn kannte, weiß, dass er daran gelitten hat, sein „Kind“ in den Händen dieser neuen Herren am Weinbergweg zu wissen. Im persönlichen Gespräch machte er daraus auch niemals einen Hehl. Öffentlich hielt er sich zurück.
Aber nicht nur geschäftlich waren die Familien Ebner und Rimbl verbunden. Auch familiär war man sich durchaus nahe. Michl Ebner ließ es sich deshalb nicht nehmen, Rudi Rimbl, als Paten für seinen Sohn Georg „Jörg“ Ebner anzuwerben. Rimbl übernahm die Patenschaft.

Totschweigen

Im Tagblatt der Südtiroler ist es eigentlich üblich, dass jeder Revierleiter nach seinem Tod einen halbseitigen Nachruf bekommt. Zum Tod von Rudi Rimbl stand bisher in der gesamten Athesia-Presse keine Zeile. Von einem Nachruf für den langjährigen Mitstreiter ganz zu schweigen. Wohl kaum ein Zufall.
„Wer nicht nach der Pfeife der Ebners tanzt, wird diffamiert oder totgeschwiegen“, artikuliert der Ebner-Kritiker Reinhold Messner seit Jahren die Strategie des Verlagshauses. Der Fall Rudi Rimbl ist dafür ein Musterbeispiel.
Die Athesia verdient nebenbei am Tod von Rudi Rimbl ordentlich. Fast zwei Seiten Todesanzeigen wurden allein am Mittwoch im Tagblatt abgedruckt. Wer die Preise kennt, weiß, dass so etwas insgesamt rund 15.000 Euro kostet.

Zensurierte Parte

Wie eiskalt die Brüder Ebner aber im Umgang mit ihren ehemaligen Freuden oder Feinden sind, zeigt ein kleines Detail in diesen Anzeigen.
Die Familie Rimbl schaltete sowohl in der Tageszeitung wie auch in den Dolomiten dieselbe halbseitige Anzeige. Sie wurden zugleich und absolut identisch von demselben Bestattungsinstitut aufgegeben. In der Tageszeitungs-Parte findet sich unter den Trauernden die Zeile: „Deine Patensöhne: Christian Troger und Georg Ebner“.
In den Dolomiten findet sich dieselbe Zeile, aber mit einer entscheidenden Änderung. Dort ist nur mehr von einem Patensohn die Rede. Und es fehlt der Name Georg Ebner. Der Name des Sohnes des Athesia-Direktors wurde eigenmächtig und ohne Rücksprache mit den Auftraggebern in der Dolomiten-Redaktion gestrichen.
Wer die Hierarchie am Weinbergweg kennt, weiß, dass so etwas nur Toni und Michl Ebner gemeinsam veranlassen können.

Diese Zensur in einer Todesanzeige wirft ein bezeichnendes Licht auf die menschliche Größe im Hause Ebner. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Abbild der moralischen (Verlags)Anstalt Athesia.

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kurt duschek Thu, 04/03/2014 - 08:40

...der Rudi war eine Persönlichkeit, die ich schätzen gelernt habe. Er erzählte mir viele Dinge seines Lebens und auch beim Golfspiel konnte ich einiges von ihm lernen. Gestern machte ich allein eine Runde Golf in Lana und habe dabei seiner gedacht. Ciao Rudi !

Thu, 04/03/2014 - 08:40 Permalink
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Alfonse Zanardi Thu, 04/03/2014 - 15:11

Daß man die in Todesanzeigen von Kunden und Ex-Geschäftspartnern hineinredigiert ist schon ziemlich bizarr und zeigt eine vermutlich sehr "unchristliche" Diesseitsversessenheit bis ins Detail.
Eigentlich nur traurig.

Thu, 04/03/2014 - 15:11 Permalink
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Willy Pöder Fri, 04/11/2014 - 11:19

Die eigenmächtige und auftragswidrige Entfernung eines der beiden Patenkinder in der Anzeige des hauseigenen "Todesboten" der Dolomiten ist schon ein starkes Stück. Anderseits ist es so, dass nicht tot ist, dessen Zustand als solcher nicht durch eine Todesanzeige in den Dolomiten beurkundet ist. Das zumindest die sinngemäße Aussage des mittlerweile zum Onorevole avancierten Journalisten, Florian Kronbichler. Bedenkt man, dass mit den Millionen, die alljährlich für Todesanzeigen durch den Papierwolf geschickt werden, jeweils ein stolzes Altenheim gebaut werden könnte, dann stellt sich automatisch die Frage nach der Vernunft solchen Handelns. Willy Pöder

Fri, 04/11/2014 - 11:19 Permalink