Environment | Bilanz

Dicke Luft

Südtirols Luftqualität bleibt besonders entlang der A22 ein Problem. Und führt laut Landesrat Richard Theiner zu zunehmenden Reibereien mit Rom.
Luftverschmutzung
Foto: Suedtirolfoto.com / Othmar Seehauser

Er klang zwar noch nicht ganz wie Fritz Gurgister, doch als Vertreter des  Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz hätte Richard Theiner am Montag Vormittag glatt durchgehen können. Immerhin ließ sich der Umweltlandesrat darüber aus, wie sehr Italien und Deutschland bei Verhandlungen zum Transitverkehr allein den freien Warenverkehr im Auge hätten oder klagte, wie viel Umwegverkehr wegen der italienischen Billigmaut durch unser Land fährt. Das Thema Transit führe zunehmend zu Reibereien, meint Theiner ganz offen. „Denn für uns steht die Gesundheit der Bevölkerung im Vordergrund.“

Führt man sich vor Augen, dass die Luftverschmutzung mittlerweile als das größte umweltbedingte Gesundheitsrisiko in Europa gesehen wird, kann die Landesregierung bei dieser Priorität allerdings wenig Erfolge vorweisen, legen die aktuellen Daten zur Luftqualität im Land nahe. Zwar zeigten die Grafiken, die von Theiner und seinen beiden Amtsdirektoren Georg Pichler und Luca Verdi vorgestellt wurden, gegenüber dem Vorjahr alle tendenziell leicht nach unten. Der Umweltlandesrat selbst räumt allerdings ein, dass dies vor allem den günstigeren Wetterbedingungen im abgelaufenen Jahr zu verdanken sei. Insbesondere bei der Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) entlang der Brennerautobahn (A22) und im Bozner Talkessel seien keine wirklichen Fortschritt zu verzeichnen. Immer noch liegen die Jahresmittelwerte der beiden Messstellen entlang der A22 weit über den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zählt man dazu, dass die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO gar nur bei einer Grenze von 20 Mikrogramm liegt, gibt es diesbezüglich nicht zuletzt in der Landeshauptstadt auch noch einiges zu tun, erklärten die Techniker.

 

Vor allem bei der Emissionsquelle Transitverkehr bleiben der Landesregierung jedoch weiterhin die Hände gebunden, klagte Landesrat Theiner. Ein Maßnahmenpaket der Landesregierung mit substantiellen Mauterhöhungen und Temporeduzierung liegt bekanntlich seit 2014 zur Behandlung in Rom auf. Und würde wohl angesichts der mangelnden Priorität, die dem Thema dort eingeräumt wird, riskieren, für immer in den Schubladen zu verschwinden, wenn Italien von Brüssel nicht ein Vertragsverletzungsverfahren in diesem Bereich drohe, so Theiner. Als positives Zeichen, dass Südtirol am Ende doch noch Spielraum bei der Bekämpfung der Luftbelastung entlang der A22 erhält, sieht Theiner auch die Genehmigung des EU-Projektes BrennerLEC. Seit Herbst 2016 wird auf der A22 zwischen Neumarkt und Mezzocorona die Höchstgeschwindigkeit je nach Güte der Luftqualität angepasst, um einen emissionsarmen Korridor zu schaffen. An diesem Gemeinschaftsprojekt beteiligt sind neben den Provinzen Trient und Südtirol und ihren Umweltagenturen unter anderem die UNI Trient, die A22-Gesellschaft oder IDM Südtirol. Theiner hofft als Druckmittel in Rom vor allem auf die Daten, die im Rahmen der dynamischen Geschwindigkeitskontrolle erhoben werden. Im ersten Jahr wird von der Uni Trient untersucht, welche Auswirkungen eine Senkung der Geschwindigkeit von 130 auf 100 Stundenkilometer hat. „Und man kann davon ausgehen, dass es, wie bereits andere Erhebungen gezeigt haben, sehr wohl einen Zusammenhang gibt“, so Theiner.

 

Besser im Griff hat man im Land mittlerweile die Feinstaubproblematik. Sieht man vom bekannten Negativbeispiel Latsch ab, das bei den PM-10-Werten immer ausschlägt, bleiben die Messwerte hier landesweit deutlich unter den europäischen Grenzwerten. Berücksichtigt man die niedrigeren Richtwerte der WHO muss aber auch dieses Thema weiter im Visier bleiben, meinte der Umweltlandesrat. Vor allem, wenn man die besonders kleinteiligen, und deshalb umso gefährlicheren PM2,5 betrachtet, bei denen die Jahresmittelwerte entlang der Brennerautobahn, aber auch an Messstellen in Bozen, Meran oder Leifers über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation liegen.

Als besonders problematisch hob der Direktor des Amtes für Luft und Lärm Georg Pichler in diesem Jahr einen weiteren Schadstoff hervor: das ebenfalls als krebserregend eingestufte Benzo(a)pyren, das vor allem ein Produkt der rund 70.000 kleinen Heizanlagen im Land ist, da es bei schlechten Verbrennungen entsteht. Hier gäbe es in vielen Landgemeinden eine deutliche Überschreitung des Zielwerts von einem Nanogramm pro Kubikmeter – und somit klaren Handlungsbedarf, warnten der Landesrat und die beiden Amtsdirektoren. Eine Konsequenz wird eine auf drei Jahre angelegte Sensibilisierungskampagne sein, die das Land gemeinsam mit Partnern wie den Kaminkehrern oder dem AFB plant. Der Titel: „Mit Holz heizen...aber richtig“.