Culture | Salto Weekend

Humor ist, man wird trotzdem nass

Wenns bei keiner der großen Freilichtspiel-Premieren des Sommers geregnet hat, muss das Wasser über Brixen fallen. Die Io.Co Show im Tschumpus zeigt sich wasserfest.
Io.Co.Show:
Foto: Privat
Nach einer halben Stunde hatte der Regen nachgelassen, die Bühne war getrocknet und die Regenschirme standen bereit. Das - für Presse-Aussendungen, so scherzt man selber - zweisprachige Kabarett mit italienischer Schlagseite und Quoten-Ladinisch mixte Lokalkolorit, italienische Hauptabend- und amerikanische Latenight-Shows. Klar, dass es in Anlehnung an letztere eine Band braucht, welche für den Gastgeber Gianluca Iocolano die Bühne aufheizt: Die „Ossoboogies“ (Roberto Tubaro - Gesang, Keyboard und Effekte; Stefano Nicli - Gitarre und Gesang; Matteo Dallapé - Schlagzeug; Matteo Cuzzolin - Tenor Saxophon; Marco Pisoni - Bariton Saxophon; Christian Stanchina - Trompete) spielen im Gegenlicht in den Fenstern des alten Gefängnis blaues Schattentheater. Durch den Rest des Abends kam man eher trotz statt mit der Technik, auch wenn Iocolano und die alternde, nie um einen Kommentar verlegene „Velina“ Patrizia Solaro von Mikrophonproblemen sprachen, als seien sie ein gewünschter Effekt und ein Feature der Show, das erhalten bleibt. Man kann technische Probleme mit einem Witz überbrücken, aber lösen kann sie Humor nicht.
 
 
Kaum hatte man sich über das Wetter und die Berichterstattung der „Dolomiten“ amüsiert, lies man eine Bombe platzen, die auch in redaktionsinternen Kreisen noch News war. Mit einigen, verhältnismäßig flachen Pointen über Thomas Widmann kündigte man an, dass gerade am Buch „Freunde im Edelweiss 2“ geschrieben wird, in dem unter anderem enthüllt werden würde, wie es zum Ausbruch der Pandemie gekommen sein soll: Durch eine Geschäftsreise Daniel Alfreiders nach Wuhan, wo er einen Chinesen gezwungen haben soll, eine Fledermaus zu essen. Wohl bekomm’s. Hier zwei Beispiel aus dem Gedächtnisprotokol für den Humor des Abends, der am besten saß: Wie sagt man das auf Deutsch? Essen ein Bat Mensch. Und wie heißt der Passo di Pennes auf deutsch? Pensplan.
Bad- oder Lost-in-Translation-Jokes lassen sich allerdings nur schlecht verschriftlichen, sie stehen und fallen mit dem Wie sie erzählt werden. Es mag hier bei der Lektüre schwer fallen das zu glauben, aber sie haben gesessen. Überstrapaziert wurde hingegen ein Listenformat mit zehn großen Streaming-Serien, die man für besser hielt, wenn sie in Südtirol spielen würden und welches direkt auf eine Ausschweifung zum Bild Südtirols das in Film- und Fernsehen folgte, ausgehend vom „Bozen Krimi“ und  „Un passo dal cielo“.
Platz genommen haben auf nassen Stühlen zwei Gäste der Show, welche sichtlich lieber gestanden wären: Die erfolgreiche Brixner Schwimmerin Laura Letrari und der Theologe und Seelsorger Don Paolo Renner. Zugegebenermaßen beides keine Gäste mit großer Starpower, hätte doch eigentlich der terminlich anderweitig verpflichtete Luis Durnwalder kommen sollen, aber beide steuerten auch ihres zum Humor des Abends beisteuerten, besonders Hochwürden, der seinen Regenponcho gleich bei Betreten der Bühne damit kommentierte, dass er eher Pink Panther als Peppa Pig Fan sei. Und auch später gab es Applaus, als zum Thema der Segnung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen zwar mit dem Alter und der Langsamkeit des Wandels in der Kirche abgewiegelt wurde, aber Renner auch erklärte, dass er privat Beziehungen segne. Tubaros Gesang Comedy, durch welche beiden Gästen ein Ständchen gesungen wurde, war dagegen etwas flach. 
 
 
Noch etwas Werbung für den Beruf des Priesters, einen Papstwitz und eine Quiz-Einlage, bei welcher die Gäste Fragen zum jeweils anderen beantworten mussten (gewonnen hat Letrari) später, schon näherte man sich dem Ende eines kurzweiligen Abends. Da saßen nicht alle Witze, doch aber die Kostüme und Frisuren ausgesprochen gut, auch weil sich niemand, auch etwa Georg Kaser nicht zu schade war, die Bühne als Schirmhalter zu betreten. Die Stimmung war ausgelassen, man hat erfolgreich dem Wetter getrotzt und tat es zur Musik der „Ossoboogies“ noch etwas länger. Wenn alle mit anpacken ist das Kleinkunst.