Environment | Freizeit

Radlose Wege

In Südtirol soll das Mountainbiken in der Natur endlich geregelt werden, fordern Umweltschützer. Sie beklagen Schäden und Konflikte mit den Wanderern.
Radfahrverbot
Foto: Umweltschutzgruppe Vinschgau

Wenn die Temperaturen wie jedes Jahr um diese Zeit ansteigen, zieht es Mensch und Tier wieder in die Natur. Mit dem nahenden Frühlingsbeginn erwacht bei vielen auch die Lust am Sporteln an der frischen Luft. Nicht nur zu Fuß, sondern immer öfters wird die Südtiroler Bergwelt inzwischen auf dem Rad erkundet. Doch was den einen Spaß, Freude an der unberührten Natur und nicht zuletzt Erholung beschert, ruft bei den anderen Sorgenfalten hervor. Die Umweltschützer haben das Mountainbiken “abseits der normierten Alltagswelt” ins Visier genommen. Denn in Südtirol gibt es keine gesetzliche Regelung für das Mountainbiken in der Natur. Ein großes Manko, meint die Umweltschutzgruppe Vinschgau. Ganz unrecht dürfte sie nicht haben, wie eine der wenigen Ausnahmen im Land zeigt, in der man sich für ein Mountainbike-Fahrverbot entschieden hat.

Ausnahme zur Regel machen

Anfang des Jahres wird der so genannte “Stoneman” in Medienberichten als “ein 115 langer Trail durch die Drei Zinnen mit vier Einstiegsspuren” beschrieben. Umgehend verschickt das Amt für Naturparke über das Landespresseamt eine Präzisierung. Man legt Wert “auf die Feststellung, dass auf dem gesamten Hochplateau der Drei Zinnen das Befahren mit Mountainbikes untersagt ist”. Das Fahrverbot, das für insgesamt sieben Wege erlassen wurde, geht auf das Jahr 1999 zurück. Zwei Ziele will man damit verfolgen, heißt es aus dem Amt für Naturparke: “Zum einen soll Konflikten vorgebeugt werden, die sich hin und wieder zwischen Wanderern und Radfahrern auf schmalen Wegen und steigen ergeben. Und zum anderen möchte man Schäden vermeiden, die durch das Mountainbiking auf den mit öffentlichen Mitteln instand gehaltenen Stegen festzustellen waren.” Dieselben Gründe führen die Umweltschützer aus dem Vinschgau in einem offenen Brief an, den sie an den zuständigen Landesrat Richard Theiner geschickt haben, um mit Nachdruck ein Landesgesetz zu fordern, das das Mountainbiking in der Natur regelt. Denn, so schreiben die Umweltschützer um ihre Vorsitzende Eva Prantl: “Diese Sportart bleibt für die Natur nicht ohne Folgen.”

Wegschäden, Erosions- und Vegetationsschäden, Wildstörungen und Konfliktsituationen wie zum Beispiel Unfälle mit Wanderern seien nur einige Belastungsfaktoren, die der Freizeitspaß auf zwei Rädern mit sich bringe, heißt es in dem Schreiben. Das Unverständnis über die bislang fehlende gesetzliche Basis für das Mountainbiken wächst beim Blick über die Provinzgrenzen hinaus: “In Österreich und in der Nachbarprovinz Trient ist schon vor geraumer Zeit das Mountainbiking geregelt worden”, erinnern die Vinschger Umweltschützer. Im Trentino sind seit April 2015 sämtliche Wege, auf denen eine Gefahr für Wanderer bestehen könnte und das Mountainbiking umweltschädlich sein kann, für Mountainbiker gesperrt.
Genau so wie im Naturpark Drei Zinnen.

Getrennte Wege gehen

Um den Schutz von Natur und Wanderern zu gewährleisten, schlägt die Umweltschutzgruppe Vinschgau unter anderem vor, Landkarten mit ausgewiesenen Mountainbike-Routen zu erstellen, behutsam bei der Ausweisung neuer Routen vorzugehen sowie Kontrollen und Strafen bei Übertretungen einzuführen. Auch auf die Frage, welche Wege nun für Mountainbikes geeignet sind und für diese ausgewiesen werden sollen, hat man im Vinschgau eine Antwort gefunden: “Alle Forststraßen, alle Traktor- und LKW-Wege bis zu einem Gefälle von 30 Prozent und kurze Verbindungsstrecken.”

Gegen das Bedürfnis nach unberührter Natur und dem puren Landschaftserlebnis, das Mountainbiker immer wieder als Hauptgrund für ihre Fahrt durch Berge und Wälder angeben, hat man bei der Umweltschutzgruppe Vinschgau nichts – allerdings hat man sehr wohl etwas gegen “Fahrspaß ohne Regeln und Grenzen, ohne Geschwindigkeitslimits und möglichst auch ohne andere Verkehrsteilnehmer”. Daher lautet die Devise im offenen Brief an Landesrat Theiner: “Mountainbiking ja – Wildwuchs nein!”