Politics | Verkehr

Alles verkehrt? Denkste!

Für Chr. Gartner, Bgm. von Gais, bleibt der Lkw-Verkehr so lange ein notwendiges Übel, solange Breitband und Glasfaser weder Bananen noch Karotten transportieren können.

 

Die Umfahrung Vintl, unterteilt in drei Baulosen, beginnt bei der Mühlbacher-Klause und mündet nach rund 5 km östlich von Obervintl wiederum in die alte Staatsstraße. (wpz)

Was wurde doch darum diskutiert und gestritten, ob das Pustertal nun denn eine Schnellstraße nach dem Vorbild der Mebo bräuchte, oder ob es eine sparsame Begradigung der Talstraße von Mühlbach bis Winnebach auch tun würde. Insbesondere der stark belastete Streckenbereich zwischen Mühlbach und Bruneck war stets Gegenstand der Auseinandersetzungen. Die Diskussionen wurden teilweise mit sehr harten Bandagen geführt. Gänzlich verstummt sind sie bis heute nicht. Im Gegenteil: Speziell durch die neu geplante Abbiegung ins Gadertal westlich des Sonnenburghügels wurde sie neu entfacht.

Obervintl: Ist die Umfahrung erst einmal für den Verkehr freigegeben, dann ist das für die dortigen Bewohner genau die Lösung, welche dieser Lkw als Botschaft auf der Plane transportiert: Optimum Solution (wpz). 

Irgendwann erlosch allerdings die Vision zur Schnellstraße. Im Gegenzug lichtete der Dunst den Schleier und öffnete so die Sicht auf Sanfteres. Das Pustertal, es bräuchte keine Schnellstraße, war nun die Erkenntnis. Ein sanfter Ausbau würde es auch tun. Niemand wusste so genau, was man darunter zu verstehen hatte. Erst mit dem Bau der Südumfahrung in Bruneck, die 1988 in Betrieb genommen wurde, ließ das im Hinterstübele geschmiedete Verkehrskonzept lesbare Konturen einer Umfahrungsstragegie mit schrittweiser Verschweißung der Teilstrecken erkennen.

Wer sonst - außer Fercam - sollte die neue Straße vorweg schon mal testen dürfen... (wpz)

Auf die Südumfahrung von Bruneck, an der übrigens beinahe so lange gewerkelt und gemergelt wurde wie beim Arlbergtunnel, der allerdings um ein Vielfaches länger ist, folgte die Dorfumfahrung von Mühlbach. Sie weist eine Länge von rund 3,5 km auf. Sie beginnt nördlich des Bahnhofs und reicht bis zur Mühlbacher-Klause. Eröffnet wurde sie 1994. Welsberg zog 2003 und Niederdorf 2005 nach. Die beiden weiträumig angelegten Dorfumfahrungen im oberen Pustertal kosteten zusammen in etwa 40 Mio. Euro.

Nebst Fercam wollte offensichtlich auch diese Familie die Fahrtauglichkeit der neuen Straße prüfen (wpz)

In der Folge machten sich die Straßenplaner an Vintl heran. Die Strecke von der Mühlbacherklause bis km 18+250 östlich von Obervintl wurde in drei Baulose eingeteilt. Zunächst galt es im Bereich „Lodenwirt“ die Rienz zu verlegen. Damit wurde 2006 begonnen.  Drei Jahre später, im August 2009, wurden die Wasser ins neue Bett umgeleitet. Zugleich wurde die Bautätigkeit am Streckenabschnitt 'Mühlbacherklause – Lodenwirt' aufgenommen. Im Juni 2011 konnte dieser Abschnitt für den Verkehr freigegeben werden.  Der Teilbereich verschlang, einschließlich der Bachverlegung, um die 32 Mill. Euro.

Die Umfahrung 'Obervintl' erforderte den Bau mehrere Über- und Unterführungen. Im Bild die neue Getzenbergbrücke, ganz rechts die Straßenunterführung (wpz)

Im Frühjahr 2014 war dann das dritte und letzte Baulos der „Umfahrung Vintl“ an der Reihe. Damit ist man mittlerweile an einem guten Punkt angelangt, sodass der im Frühjahr geplanten Freigabe für den Verkehr eigentlich nichts im Wege stehen sollte. Die Schallschutzdämme sind über weite Strecken bereits aufgebaut und begrünt. Die beiden Fahrbahnen (je 3,50 m breit) sind streckenweise schon asphaltiert. Die wegen der Umfahrung notwendig gewordene Verlegung des Sportplatzes in Obervintl ist ebenfalls schon vollzogen. Noch zu bewerkstelligen ist der Zusammenschluss der Teilstrecken 'Untervintl – Obervintl' im Bereich Lodenwirt sowie die Fertigstellung des Teilstückes Getzenbergbrücke – Einmündung Staatsstraße. Hinsichtlich der Kosten spricht man im Zusammenhang mit dem Baulos 'Obervintl' von 22 Mio. Euro.

Der Sportplatz in Obervintl wurde verlegt und mit Kunstrasen ausgelegt. Er ist mittlerweile bereits picobello fertiggestellt. (wpz)

Damit bleiben im Bereich Mühlbach Bruneck noch zwei Straßenbauprojekte von bedeutsamer Tragweite zu realisieren: Die Einfahrt ins Gadertal westlich von St. Lorenzen und die Umfahrung von Kiens. Sind diese beiden Projekte erst einmal verwirklicht, dann dürfte der Verkehr zwischen Bruneck und der A22 in Franzensfeste doch um einiges flüssiger laufen.

Die Umfahrung von Mühlbach wurde 1994 fertiggestellt (wpz)

Das umfahrungswillige Percha soll später auch noch drankommen, während Toblach, gestützt vom eindeutigen Ergebnis einer Volksbefragung, sich mit je einem Kreisverkehr bei der Abfahrt nach Cortina sowie beim Toblacher-Hof begnügen dürfte. Trotzdem ist man in Toblach ob der Nützlichkeit dieser Lösung äußerst skeptisch. Zwei Kreisverkehre in so kurzem Abstand zueinander würden das Problem keineswegs lösen, ganz abgesehen davon, dass die radikale Trennung von Alt- und Neutoblach, verursacht durch die Staatsstraße, dadurch weder gelindert und schon gar nicht verhindert würde. Deshalb werde man weiterhin nach einer besseren Lösung Ausschau halten. 

An den letzten 500 m von der Getzenbergbrücke bis zur Einmündung in die Staatsstraße östlich von Obervintl wird emsig gearbeitet. Der Staub, den die großzügige Umfahrung in manchen Kreisen aufgewirbelt hat, hält sich hartnäckig über das Projekt. Er wird sich so schnell wohl nicht legen. Ganz bestimmt nicht bis zur Eröffnung der Umfahrung im Frühjahr 2016. (wpz)

Eine provisorische Tankstelle für Gas und umweltfreundliches Benzin wurde entlang der neuen Umfahrung ebenfalls bereits eingerichtet, wie das Bild zeigt. Ob die hoch moderne Anlage von der SELGAS oder der SNAM geplant, ausgeführt und künftig auch geführt wird, war vor Ort nicht zu erfahren, da - zum Unterschied vom BBT - in Vintl keine kostenaufwändige Infostelle eingerichtet wurde. (wpz)

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Alex Dariz Sun, 08/09/2015 - 22:37

"Ich würde nicht mehr auf die Umfahrungen setzen. Wir hätten gut getan, eine Art Mebo längs der Rienz bis Bruneck zu bauen." ... Zitat Luis Durnwalders aus der PZ vom 06.08.2015. Es heißt immer "Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung". In diesem Fall kommt sie leider zu spät. Wir könnten allerdings Karotten und Bananen selbst anbauen, anstatt sie über die Umfahrungen einfahren zu lassen. Der Karottenanbau ginge sicherlich problemlos vonstatten und die Bananenzucht in der Bananrepublik wohl sowieso. Keine Frage! Die Häschen würds freuen und die Affen ebenso.

Sun, 08/09/2015 - 22:37 Permalink
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Willy Pöder Mon, 08/10/2015 - 06:38

In reply to by Alex Dariz

Lieber Herr Vizebürgermeister, wir wissen, das Wissen begrenzt ist. Dass dies im Rückblick nun auch der leuchtendste aller Sterne am politischen Firmament erkannt hat, gestattet ihm, Nachsicht von uns für seine Einsicht einzufordern. Im Übrigen hole ich mir gerne die Bananen und die Karotten in Gais, so dort welche im großen Stil herangezogen werden sollten. Vielleicht würde sich die stillgelegte Schottengrube hierfür eignen. Die Erdbeeren hole ich mir ohnehin seit mehreren Jahren schon in Gais - mit dem Auto, versteht sich! Ohne funktioniert die Versorgung auch aus der Nähe nicht. Salüsc wp

Mon, 08/10/2015 - 06:38 Permalink