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Großes Familienglück – k(l)eine Pension?

Die Wechselwirkungen zwischen Familiengründung und Rentensystem – und die Probleme, die sich dabei ergeben, thematisiert die Allianz für Familie.
Kinder & Renten
Foto: Screenshot/Youtube

Was haben Kinder mit dem Rentensystem zu tun? Die Antwort ist naheliegend: Klar, sie werden in Zukunft unsere Pension bezahlen – je mehr Kinder, desto besser also. So einfach ist die Rechnung aber nicht, wie die Allianz für Familie am Donnerstag Vormittag aufzeigte: “Obwohl Eltern einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt und zum Funktionieren des Rentensystems leisten, bringt dieses System vor allem Frauen im Alter finanziell besonders in Bedrängnis.”

“Großes Familienglück – k(l)eine Pension”, so der Titel der Pressekonferenz, bei der die Allianz für Familie, in der sich der Arbeitskreis Eltern Behinderte, die Initiative für Vereinbarkeit von Beruf & Familie in Südtirol, das Forum Prävention, der Landesbeirat der Eltern, der Katholische Verband der Werktätigen, die Südtiroler Plattform für Alleinerziehende, der Südtiroler Verein kinderreicher Familien, der Verein Väter aktiv und die “Frauen Nissà” zusammengeschlossen haben, zwei konkrete Forderungen auf den Tisch legten. “Trotz unzähliger politischer Ankündigungen” ziehe sich die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen “wie ein roter Faden durch die Generationen”, lautete die mahnende Botschaft.

Tatsächlich erhalten Frauen bei gleicher Qualifikation für dieselbe Arbeit noch immer 17 Prozent weniger Lohn als Männer – was dazu führt, dass Frauen auch im Alter weniger Rente erhalten als Männer. “Anstatt diese Situation zu verbessern, wird sie durch die staatliche Rentenreform noch weiter verschärft”, bemängelt man bei der Allianz für Familie. Für alle, die nach 1995 ins Arbeitsleben eingetreten sind, bemesse sich die Rente ausschließlich anhand der eingezahlten Beiträge. Dazu kommt, dass die Mindestrente abgeschafft wurde und wer familienbedingt pausiere oder kürzer trete, “hat nicht nur unmittelbar ein geringeres Einkommen, sondern wird im Alter mit großen Renteneinbußen bestraft”, so der Tenor auf der Pressekonferenz.

Kurzum: “Im Jahr 2018 gilt immer noch: Wer Zeit und Engagement in die Familie investiert und Erziehung und Pflege leistet, ist stärker denn je von Altersarmut bedroht”, warnt die Allianz für Familie. Dort weiß man: “Von Jahr zu Jahr kündigen immer mehr junger Mütter, um Arbeitslosengeld zu bekommen und weil sie glauben, dass es eine gute Möglichkeit ist, sich abzusichern.”
Dabei wüssten viele Frauen nicht, dass es die Möglichkeit gibt, sich freiwillig weiter zu versichern. Wie? “Indem die Rentenbeiträge an das INPS vorgestreckt und um Rückvergütung bei der ASWE (Agentur für wirtschaftliche und soziale Entwicklung) angesucht wird.” Aber: “Eltern, die wenig oder gar nicht arbeiten, haben das Geld oft nicht, um diese Beiträge vorzustrecken.”

Zwei Forderungen an die Politik und zwei Ratschläge an (werdende) Eltern präsentierte die Allianz für Familie am Donnerstag Vormittag:

  • Ein weiteres Jahr freiwilligen Wartestand für alle Eltern in der Privatwirtschaft (nach der fakultativen Elternzeit), die sich das wünschen.
  • Direkte Renteneinzahlungen an das INPS durch die öffentliche Hand (aus bereits bestehenden Fonds der ASWE) für alle Eltern in der Privatwirtschaft, die sich im Wartestand und in Teilzeit befinden. Dadurch kann die Situation der Eltern in der Privatwirtschaft an die Situation von Eltern im öffentlichen Dienst angenähert werden.
  • Allen Eltern rät die Allianz für Familie, sich noch vor der Geburt des ersten Kindes in den Patronaten umfassend beraten zu lassen “und sich nicht auf kursierende Gerüchte und Aussagen vom Hörensagen zu verlassen”. Die Lebens- und Arbeitssituation einer jeden Familie ist sehr individuell und lässt sich nicht auf andere übertragen.
  • Wenn auch die Väter Erziehungszeiten beanspruchen (Elternzeit, Wartestände und Teilzeit) kann die Pensionslücke zwischen den Geschlechtern wirkungsvoll verkleinert werden.
In einem dreiminütigen Kurzfilm erklärt die Allianz für Familie: Was haben Kinder mit dem Rentensystem zu tun?

 

 

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Michael Bockhorni Mon, 05/28/2018 - 08:29

der Gender Pay Gap ist ein Family Pay Gap. Ein Großteil des Lebenseinkommensunterschieds zwischen allen Männern und Frauen (der Unterschiede bei gleicher Arbeit und Qualifikation ist ein viel geringerer) in unserer Gesellschaft geht auf die ungleiche Verteilung der Familienarbeit zurück. Die geringeren Lohnhöhen in sog. Frauenberufen (mit mehr Teilzeitmöglichkeiten), das niedrigere Einkommen bei Teilzeit und der Karriereknick durch Teilzeit und Berufsunterbrechung treffen Frau und Mann gleichermassen, wenn sie sich entscheiden ihre zeitliche Verfügbarkeit für Familie gegenüber dem Beruf zu erhöhen. Was sich ja auch ganz deutlich bei den Lohnvergleichen in der Altersgruppe 15-25 Jahre erkennen lässt. Übrigens ist der Gender Pay Gap in Ländern mit geringer Frauener(teilzeit)werbsquote niedriger als in jenen mit hoher (Italien 6,7 % Gender Pay Gap bei 47,1% Frauenerwerbsquote gegenüber Deutschland mit 22,4% gegenüber 68% (Quelle EUROSTAT 2012). Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit einer Kampagne für mehr Teilzeit von Männern wie in der Schweiz? (http://www.teilzeitkarriere.ch/teilzeitmann.html)

Mon, 05/28/2018 - 08:29 Permalink