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„Ein sehr herzlicher Ort“

Vor Kurzem wurde Stefanie Unterthiner zur neuen Direktorin der OEW ernannt. Im Interview mit Salto.bz spricht sie über ihre Ideen, neue Projekte und Solidarität.
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Foto: oew
Am 1. September hat Stefanie Unterthiner die Geschäftsführung der OEW (Organisation für Eine solidarische Welt) übernommen. Sie tritt damit die Nachfolge von Matthäus Kircher an. Die 31-jährige Unterthiner, die in Brixen lebt, war zuvor für IDM Südtirol in der Abteilung Marketing, unter anderem als Koordinatorin, tätig.
 
Salto.bz: Frau Unterhiner, Sie haben schon jahrelang in der OEW ehrenamtlich mitgearbeitet. Was konnten Sie aus dieser Zeit mitnehmen?
 
Stefanie Unterthiner: Vieles, Unterschiedliches. Ich konnte die OEW als Organisation kennenlernen und habe gemerkt, dass sie ein sehr herzlicher Ort ist, wo jeder und jede willkommen ist und wo immer wieder sehr innovative und kreative Ideen aufkommen. Ich habe die OEW als einen Ort des Austausches wahrgenommen, mit ganz vielen tollen Mitarbeiter:innen und Ehrenamtlichen, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Ich habe sehr viel gelernt, menschlich, aber auch inhaltlich. Dinge, die ich dann in meinem damaligen Job habe einfließen lassen können. Ich habe es als sehr bereichernde Zeit empfunden.
 
In der Pressemitteilung zu Ihrem Amtsantritt stand, dass sie klare Ideen haben. Könnten Sie diese erläutern?
 
In den letzten Jahren hat sich die OEW inhaltlich sowie personell sehr entwickelt. Mittlerweile sind wir ein Team von 15 Personen und vielen weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen. Ein Ziel von mir ist es, die Arbeit, die das Team und mein Vorgänger Matthäus Kircher in den letzten Jahren geleistet haben, weiterzuführen und dieses Wachstum und die Sichtbarkeit, die die Organisation in den letzten Jahren erreicht hat, weiterzuverfolgen. Gerade haben wir die Planung für das nächste Jahr abgeschlossen. Wir haben einen prall gefüllten Jahreskalender erstellt mit zahlreichen Kampagnen, Projekten, Initiativen.
 
Wir haben einen prall gefüllten Jahreskalender erstellt mit zahlreichen Kampagnen, Projekten, Initiativen.
 
Können Sie einige davon nennen?
 
Ein Projekt, dass erst kürzlich entstanden ist und das wir mehr fördern werden, ist das Bildungsangebot über die Materialplattform oew+. Das Bildungsangebot, das wir bei Workshops und in den Schulen präsentieren, gibt es jetzt auch in digitaler Form. Das heißt, Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler, aber auch Interessierte können sich Materialien gratis herunterladen. Wir haben auch nächstes Jahr wieder zahlreiche Aktionswochen geplant. Wochen gegen den Rassismus im März oder die Überdrüberwochen rund um den Erdüberlastungstag im Mai. Nicht zu vergessen die Straßenzeitung Zebra, wo neben der herkömmlichen Ausgabe, die zehn Mal im Jahr erscheint, spezielle Produkte in Planung sind. Außerdem bieten wir wieder zusammen mit unseren Partnern im globalen Süden Praktika und Vorbereitungsseminare für interessierte Freiwillige an.
 
Gibt es ein Projekt, das Sie in ihrer Zeit als Direktorin voranbringen wollen?
 
Wohin es für die OEW in den nächsten Jahren konkret geht, wird sehr eng im Austausch zwischen Vorstand, Team und Geschäftsführung entschieden. Gemeinsam knüpfen wir an der Vision des guten Lebens für alle an und entscheiden, wohin die Reise gehen wird. Ein Thema, das sicher immer aktueller wird und in den Räumen der OEW letzthin immer öfter aufkam, ist die Klimagerechtigkeit.

 

 
Die OEW nennt sich selbst eine „Organisation für Eine solidarische Welt“. Glauben Sie, dass Menschen im Angesicht von so vielen Krisen noch solidarisch sein können oder wollen?
 
Die konkreten Auswirkungen der zahlreichen Krisen, die wir gerade erfahren, sind schwer einzuschätzen. Es ist ja nicht eine Krise, die wir gerade erleben, sondern eine Krise, die sich über die nächste legt. Wir haben den Ukraine-Krieg, die Auswirkungen der Energiekrise, die Inflation, die Klimakrise, die immer akuter wird. Was das alles mit der Solidarität der Menschen machen wird, kann ich schwer abschätzen. Trotzdem glaube ich, dass uns Krisen, und rückwirkend auch die Pandemie, gezeigt hat, dass es den Zusammenhalt umso mehr braucht. Ich glaube schon, dass die Sensibilität von uns allen noch da ist und Solidarität nicht aussterben wird. Auch wenn es eine happige Zeit wird.
 
Es ist ja nicht eine Krise, die wir gerade erleben, sondern eine Krise, die sich über die nächste legt.
 
Es sieht so aus, als würden wir bald von rechten Parteien regiert werden, die mit Slogans wie „prima gli italiani“ oder „stop agli sbarchi“ für Wählerstimmen werben. Sehen Sie die OEW  und die Themen und Werte, wofür die Non-Profit-Organisation steht, in diesen Zeiten besonders in der Verantwortung?
 
Ja, mit Sicherheit. Die OEW hat ja schon damals, in den 1990er Jahren, als sie gegründet worden ist, Ziele verfolgt, die ihrer Zeit voraus waren, weil die Gründer und Gründerinnen sich damals schon dieser Werte und Visionen bewusst waren. Daran werden wir weiterhin festhalten und darauf aufmerksam machen, wenn Missstände da sind. Ein konkretes Beispiel dafür sind die Wochen gegen den Rassismus. Genau solche Aktionswochen, wie sie die OEW veranstaltet, sind dazu da, um in einem Netzwerk mit anderen Organisationen und Partnern auf Themen aufmerksam zu machen, dafür zu sensibilisieren und zum Nachdenken anzuregen.
 
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Karl Trojer Wed, 09/21/2022 - 10:52

Organisationen wie die OEW sind Eckpfeiler einer solidarischen Gesellschaft. Ihre bisherige Arbeit hat viel Gutes bewirkt. Der neuen Direktorin, Frau Unterthiner, wünsche ich Mut, viel Unterstützung von innen und außen und Freude am Wirken !

Wed, 09/21/2022 - 10:52 Permalink