Culture | Zeitgeschichte

Ein Stück Meran

Die Urania Meran und das jüdische Museum haben in mehreren Veranstaltungen die jüdische Geschichte Merans aufgearbeitet. Salto.bz bringt die Videodokumentation dazu.
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Foto: upi
Im Dezember 2016 und im Jänner 2017 fanden in Meran auf Initiative der Volkshochschule Urania und in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum verschiedene Veranstaltungen statt, die sich mit der Geschichte und der Gegenwart der Juden in Meran beschäftigen.
Höhepunkt der Veranstaltungsreihe war am 20. Dezember 2010 ein Vortragsabend mit dem Titel „Alle Opfer? Meran und seine Juden“ im Alton-Saal der Urania Meran. Es ging dabei in erster Linie darum, die Geschichte der Juden in Meran vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis herauf in unsere Tage kennen zu lernen und Anknüpfungspunkte für eine neue Erinnerungskultur zu finden.
Meran war und ist Heimat von Juden. Ohne ihre wirtschaftlichen Investitionen und geistig-kulturellen Impulse ist die Entwicklung Merans vom „Kuhstädtchen“ zum internationalen Kurort und zur liberalen Kulturstadt nicht vorstellbar.
1931 hatte die jüdische Kultusgemeinde über 300 Mitglieder. In den 30er Jahren zogen zahlreiche jüdische Glaubensgenossen zu, die aus Deutschland und Österreich flüchten mussten. Nach dem Erlass des faschistischen Rassenmanifests 1938 mussten viele das Land binnen 6 Monaten verlassen, jüdische Kinder wurden aus den Schulen ausgeschlossen, zahlreiche Häuser, Villen und Sanatorien zu Billigstpreisen an neue Besitzer verkauft.
Die verbliebenen Meraner Juden wurden am 12. September 1943 auf Befehl des SS-Brigadeführers Karl Brunner in die Konzentrationslager des Deutschen Reiches deportiert. Nach dem Krieg kamen einige Überlebende und ihre Familien wieder zurück, die meisten Restitutionsverfahren verliefen jedoch negativ, die jüdische Kultusgemeinde geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste das Sanatorium verkaufen. Daraufhin verließen viele jüdische Bürger und Bürgerinnen wieder die Stadt. Heute bemühen sich die wenigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die Erinnerungskultur zu bewahren und die Zukunft für die kleinen Glaubensgemeinschaft zu sichern.
 
 
Bürgermeister Paul Rösch hat am 20. Dezember in der Urania nicht nur Grußworte gesprochen, sondern er hat im offziellen Namen der Gemeindeverwaltung auch um Vergebung für die schrecklichen Verbrechen an der jüdischen Kultusgemeinde gebeten.
Die Stadtgemeinde Meran hat eine Video-Dokumentation des Abends in Auftrag gegeben und finanziert. Diese Dokumentation wird salto.bz in den nächsten Tagen in mehreren Folgen bringen.
Zu sehen und zu hören snd dabei Joachim Innerhofer, Sabine Mayr, Arnaldo Loner, Federico Steinhaus, Mirko Wenter, Marko Feingold, Hanno Loewy und Leopold Steurer. Moderiert wird das Ganze von Markus Lobis.
 

Bürgermeister Paul Rösch, sindaco: Ich bitte um Vergebung | Chiedo perdono

 

Anmerkung des Filmteams: Leider hat ein Besucher während der Rede des Bürgermeisters das Stativ von Kamera 1 verschoben, sodass die entscheidenden Passagen der Bürgermeisterrede nur mit Kamera 2 festgehalten werden konnten. Wir bedauern dies.
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Markus Lobis Wed, 02/22/2017 - 11:02

Was möchte uns der anonyme Oberlehrer damit sagen? Das klingt schon arg hanebüchen und auch reichlich deplaziert.
Aber, ja! Wenn man genau schaut, ist der Herrgott an allem schuld. Hätter er Adam und Eva nicht erschaffen...

Wed, 02/22/2017 - 11:02 Permalink