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Margareth Kaserer

Neues Werk auf Artstore zum Verkauf: "New Queens in the Making" der Künstlerin Margareth Kaserer. Interessiert? Kontaktieren Sie uns jetzt um das Kunstwerk zu erwerben!
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Foto: Salto Artstore

BAU im Gespräch mit der Künstlerin Margareth Kaserer.

 

salto.bz Artstore: Beschreibe bitte den Arbeitsplatz wo dieses Kunstwerk entstanden ist.

Diese Arbeit nimmt die Wattkarten, die irgendwann während oder nach Napoleon ihren Weg über Bayern zu uns gefunden haben und Teil auch der Südtiroler Volkskultur geworden sind, zum Ausgangspunkt. Drei der Könige auf den Spielkarten werden mit Hilfe von ein paar Mausklicks zu Königinnen. Also ist der Arbeitsplatz zum Einen die Gesellschaft, in der ich lebe, und in diesem Fall konkret mein „Büro“, ein mit allen möglichen Materialien, Büchern, Textilien, Instrumenten angefüllter Raum mit einem „Schreibtisch“, auf dem u.a. ein Laptop steht, Scanner und Kamera gibt es auch.

 

 

Wie würdest du den kreativen Prozess, der diesem Kunstwerk zugrunde liegt beschreiben? Beginnt alles mit einer Idee, die du im Kopf hast und die sich dann in Form einer Arbeit materialisiert oder entsteht der Inhalt beim Arbeiten?

Bei den „Queens“ hatte ich die Idee schon vorher im Kopf und habe dann nur noch nach den passenden Elementen für die Collage gesucht. Ich habe mir die beliebten Wattkarten angeschaut und kaum Repräsentationen von Frauen gefunden, außer ganz klein im Hintergrund. Sie stehen für eine Zeit, in der Frauen, natürlich mit Ausnahmen, auch gesellschaftlich sehr stark eingeschränkt wurden und kaum öffentliche Rollen einnehmen durften. Die Zeiten haben sich zum Positiven geändert, wobei sich einiges definitiv immer noch verbessern muss - und dies wollte ich in dieser Arbeit klar machen: weg mit den selbstgerechten Königen, weg mit den unhinterfragten, patriarchal geprägten Traditionen, her mit den neuen Königinnen, frischen Gemeinschaften und Utopien! Lasst uns ein neues Spiel spielen! Wenden wir gemeinsam das Blatt!

 

 

Deine künstlerische Arbeit New Queens in the Making aus dem Jahr 2016 ist Teil eines Projektes in dem du zusammen mit Simon Steinhauser einen neuen Staat, die Republik der Schafe entwirfst. Es geht um Nationalismus, um das Verhalten des Einzelnen im Kollektiv, dabei bedienst du dich mit Symbolen, die tief in der lokalen Südtiroler Kultur verankert sind und gibst ihnen durch deine künstlerische Intervention einen neue Erscheinung; Machtverhältnisse werden umgekehrt und soziale und geschlechtliche Zuschreibungen aufgelöst. Wer sind diese neuen Königinnen, die im Entstehen sind?

Diese Königinnen sind direkt aus dem Alltag auf den Thron gebeamt und es gibt sie überall schon, nur wissen sie es manchmal noch selber nicht so genau. Eben weil sie aus einer jahrhundertealten Unterdrückung erst aufwachen, und weil sie in der Öffentlichkeit, in den Medien, in der Sprache, immer noch unterrepräsentiert werden, teils sogar versucht wird, sie auszulöschen: warum gibt es immer noch einen „Künstlerbund“ – statt korrekterweise KünstlerInnenbund? Das Blatt „Landwirt“ heißt immer noch nicht „Landwirt*in“?! Bürgermeisterinnen, wo bleibt ihr? Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, come on! Eine indirekte Folge des fehlenden Respekts und unsichtbar Machens ist, krass ausgedrückt, das Töten, das Verletzen und Verstoßen von Frauen durch ihre Partner und Verwandten italien- und weltweit, das endlich ein Ende finden muss.

Die Queens tragen weibliche Attribute zur Schau, so wie eine Frau weiblich sein kann (aber nicht muss) und ein Mann eben auch. Es gibt rechts im Bild eine Mutter in Turnschuhen; links im Bild eine Frau, bei der die Kartensymbole auch gleich neu eingesetzt werden in Form von Herzsonnenbrillen und Schellbrüsten. Sie hat ein Handy auf dem Schoß, das zugeklebt ist mit Glassteinchen, weil sie den Blick nach innen richtet, zwischen ihren Fingern ist ein Joint geklemmt. Die Queen in der Mitte trägt blaue Fingernägel, ein kurzes Kleid und und einen Dildo als Zepter. Lust, Drogen, Macht, Fortpflanzung, Selbstinszenierung usw., alles spannende Themen, die einen wahnsinnigen Wandel durchgemacht haben und entlang deren einige Emanzipationskämpfe ausgetragen wurden und werden. Die Gruppe sitzt eng beieinander auf einer einzigen Karte, sie halten zusammen und sie teilen sich die Macht im Kollektiv auf, das müssen sie nämlich, um stärker auftreten zu können. Sind sie aus einer gemeinsamen WG, bilden sie eine Familie? Fest steht, die neuen Königinnen sind selbstbewusst, sie sind queer, sie kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und Herkunftsländern, und sie sind einfach die Zukunft! Im Hintergrund fliegen die ausgedienten Könige aus Zeiten, wo Macht einfach von heteronormativer Familie zu Familie vererbt wurde, ins Nirwana. Umrahmt wird die Gruppe von einem Batikmuster in königlichem Blau, das den „Republic of Sheep“-Schürzen entnommen ist, einer Serie, die auch in der Ausstellung im Atelierhaus vom Museion in Bozen zu sehen war. Das Ganze ist im Übrigen mit Humor, Hedonismus, Extravaganz und Theatralität ausgestattet, alles was Königinnen eben so auszeichnet.

 

 

MARGARETH KASERER

New Queens in the Making
Druck (Vinyl Klebefolie) auf Dibond 2 mm mit einer Schutzfolie matt (UV und UVB-Schutz, also auch für eine Hängung im Außenbereich geeignet) und Aufhängeschienen.

50 x 50 cm
Edition: 1/3
2016

444 €

(exkl. Steuern / exkl. Versand)

 

Margareth Kaserer (*1983) arbeitet als Bäuerin, Kuratorin, Künstlerin, Autorin und Köchin. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaften in Wien und postgraduale Ausbildung in Performancekunst in Antwerpen. Gründerin und Kuratorin der KünstlerInnenresidenz und des Festivals Hotel Amazonas (seit 2012). Versch. Ausstellungen, Performances und Kollaborationen seit 2010.