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Achillesferse Erreichbarkeit

Auch abseits der Flughafendiskussion bleibt die Erreichbarkeit die Achillesferse des Südtiroler Tourismus, wurde auf der diesjährigen HGV-Vollversammlung deutlich.
Verkehr A22
Foto: Sueditrol foto

Mobilität und Fachkräftemangel zählen zu den größten Herausforderungen, vor denen Südtirols Tourismusindustrie derzeit steht. In der Raumordnung hat man sich in den vergangenen Monaten dagegen erfolgreich gegen eine zu starke Beschneidung der Entwicklungsmöglichkeiten für Tourismusbetriebe zur Wehr gesetzt, gab auf der Jahresversammlung des Hoteliers- und Gastwirteverbandes nicht nur HGV-Präsident Manfred Pinzger zu verstehen. „Ich habe Manfred Pinzger zuletzt öfter gesehen als meine geschätzte Gemahlin“, gestand auch Arno Kompatscher ein. Das Ergebnis der vielen Treffen zum Thema Raumordnung kann sich laut dem Landeshauptmann und Wirtschaftslandesrat  jedoch sehen lassen. Es werde weiterhin ein System geben, in dem es unabhängig von der Lage der Betriebe Entwicklungsmöglichkeiten gibt, versprach Kompatscher den HGV-Mitgliedern. „Vor allem wenn es um Leitideen geht, wird es unter  bestimmten Voraussetzungen auch künftig möglich sein, neue Betriebe zu schaffen“, so der Wirtschaftslandesrat. „Doch die Weiterentwicklung bestehender Betriebe wird noch stärker Vorrang haben als bisher.“

Neben aktuellen Problemen wie der Abschaffung der Voucher oder - in manchen Orten - immer noch zu langsamen Internetverbindungen stellte der HGV-Präsident bei der diesjährigen Vollversammlung vor allem zwei Themen in den Vordergrund: den Fachkräftemangel und den Dauerbrenner Erreichbarkeit. Durch den neuerlichen Konjunkturaufschwung und die Wiedererreichung der Vollbeschäftigung habe sich das Problem, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, weiter verschärft. „Der Fachkräftemangel stellt für viele Betriebe im Land ein großes Problem dar“, meinte Pinzger. Bisher habe man bei HGV dafür erste kleine Lösungen gefunden – wie das von manchen mit Misstrauen beäugte Pilotprojekt mit der Hochfachhochschule in Palermo oder ein Rahmenabkommen mit der Hotelfachschule Luzern. Mittelfristig gelte es aber die Berufe im Gastgewerbe auch durch entsprechende Ausbildungen attraktiver zu machen, räumte auch Kompatscher ein. „Wir brauchen für unseren Tourismus die besten Leute und müssen entsprechende Angebote schaffen“, erklärt er.

Beim Kapitel Mobilität blieb der Dauerbrenner Flughafen diesmal sehr im Hintergrund. Tatsache sei allerdings, dass Südtirol nicht nur auf dem Luftweg ein Erreichbarkeitsproblem habe, führte HGV-Präsident Pinzger aus. „Fast jeden Tag erleben wir in Südtirol eine Überlastung auf den wichtigsten Verkehrsachsen“, sagte er und wies nicht zuletzt auf die bereits öfters kritisierte schlechte Koordination und Planung von Instandhaltungsmaßnahmen hin. Dass der Tourismus generell ein Mobilitätsproblem habe, hat auch die Landesregierung im Blick, versicherte Kompatscher. „Wenn unsere Gäste bei der Anreise sechs bis sieben Stunden im Stau stehen, hilft es auch nichts, wenn Sie sich noch sehr ins Zeug legen, um das wieder wettzumachen – vor allem wenn dann als letztes Urlaubserlebnis bei der Rückreise der nächste Stau wartet“, sprach der  Landeshauptmann die Gastwirte an. Ausweg könne nur ein konsequenter Ausbau von Alternativen zur Straße sein, die teilweise bereits im Mobilitätskonzept beschlossen und nun auf die Schiene gebracht werden, meint der Wirtschaftslandesrat.

 

Detailliertere Überlegungen in diese Richtung werden auch in einer umfangreichen Tourismusstudie angestellt, die auf der diesjährigen HGV-Vollversammlung vorgestellt wurde. „Zukunft Tourismus Südtirol 2030“ heißt die vom Eurac-Institut für Regionalentwicklung im Auftrag von HGV und WIFO erarbeitete Studie, die laut Institutsvorstand Harald Pechlaner als Wegweiser bzw.  Kompass für die nähere Zukunft der Südtiroler Tourismusbranche gesehen werden kann. 20 verschiedene Maßnahmenbündel werden darin auf Basis von Trendforschung und dem Status quo von Südtirols Tourismus nahegelegt; eines davon ist der Mobilität gewidmet. „Der Individualverkehr ist sicherlich eine der spürbarsten Belastungen des Tourismus“, heißt es darin unter anderem. Südtirol werde nicht umhin kommen, den Umstand anzugehen, dass heute immer noch 90 Prozent der Gäste mit dem Auto anreisen, meinte Harald Pechlaner. Für sie müssten schon allein deshalb Alternativen geschaffen werden, da es in Zukunft immer mehr Menschen ohne Führerschein und eigenes Auto geben wird. Die Lösung kann nur heißen, die Angebote abseits der Straße massiv auszubauen – von Seilbahnprojekten über optimierte Taktsysteme bis hin zu neuen Lösungen für die „letzte Meile“ in Täler und zu Beherbergungsbetrieben, erklärte der Studienautor. Vieles davon wird laut HGV-Direktor Thomas Gruber auch heute bereits angedacht. „Es schwebt vieles herum, doch was bisher fehlt, ist vor allem eine konkrete Prioritätensetzung, was realistisch und politisch machbar ist und von wem es finanziert werden soll“, so die Kritik des HGV-Direktors.

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Sigmund Kripp Mon, 05/29/2017 - 16:55

Ich bin am Sonntag von Meran nach Österreich bzw. Ungarn gefahren. Ich habe von der Töll bis Kufstein tausende Autos in der Hitze im Stau stehen gesehen. Ich bin im klimatisierten Zug an ihnen vorbei gefahren. In 8:37 h war ich in Györ in Ungarn.....
Liebe Touristiker: wann endlich entdeckt Ihr den Zug??

Mon, 05/29/2017 - 16:55 Permalink
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Der Da Tue, 05/30/2017 - 10:41

Aktive Mobilität und hybride Mobilität werden zukünftig im Tourismus eine wichtige Rolle spielen. Für vieles wurden in Südtirol bereits die Weichen gestellt, aber teilweise doch etwas halbherzig! Dabei geht es nicht alleinig um Infrastruktur, denn eine Änderung des Mobilitätsverhaltens erfordert auch eine neue Kultur der Mobilität – und hier müssen die Einheimische vor Ort auch Vorbild für die Gäste sein. Sonst wird es nicht funktionieren.

Tue, 05/30/2017 - 10:41 Permalink
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martin hilpold Wed, 05/31/2017 - 13:33

Ein Hotel in einer Fussgängerzone ist mit dem Auto immer schwer erreichbar und trotzdem sind Stadthotels meist gut ausgelastet. Straßen in Tourismushochburgen sind während der Anreise- und Abreisezeit immer überlastet- im Stau stehen gehört für viele zum Urlaub dazu. Warum sollte dies in Südtirol anders sein?
Die Unerreichbarkeit mit dem Auto ist für einige Betriebe ein Vorteil und eine Marktnische: das 5 Sterne Hotel am Vigiljoch schreibt: "Kein Auto, kein Lärm, kein Stress. Einfach nur Stille und Natur. Ankommen, nach einer kurzen Fahrt mit der Seilbahn. Keine Straße führt zum Vigiljoch und die Luft schmeckt nach Lärchen und Freiheit. Hier schmiegt sich das vigilius mountain resort an die Natur, wird mit ihr eins, so einfach und gleichzeitig so ästhetisch und klar."
HGV-Präsident Pinzger „Fast jeden Tag erleben wir in Südtirol eine Überlastung auf den wichtigsten Verkehrsachsen“ Ja dann setzten Sie sich doch dafür ein, dass der ländliche Raum nicht mit noch mehr Gewerbezonen vollgestopft wird und LKWs den Verkehrsfluss in die Seitentäler behindern. Oder setzen Sie sich für die Verlagerung des Warentransports von der Autobahn auf die Schiene ein!

Wed, 05/31/2017 - 13:33 Permalink
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Sigmund Kripp Tue, 06/06/2017 - 14:21

In reply to by martin hilpold

@M.Hilpold: nur nicht das Kind mit dem Bade ausschütten! Gewerbezonen in den Dörfern sind aktive Verkehrsberuhiger! Klingt unlogisch? Ist es aber nicht! Angenommen, alle Gewerbezonen der Periferie würden z.B. in Bozen konzentriert, müssten alle perifer wohnenden Menschen täglich nach Bozen pendeln, weil ohne Menschen funktioniert eine Gewerbezone halt auch nicht. Das gäbe dann den täglichen Megastau. Nein: ein LKW, der Material zur Produktion in ein Dorf bringt und nachher das Produkt von dort abholt, ist weit weniger staubildend, als wenn hunderte Arbeiter aus- und einpendeln. Gleichzeitig müssen aber die Öffis verbessert werden, damit nicht täglich trotzdem noch Zigtausende von der Periferie in die Zentren autopendeln, wie es heute geschieht. Allein die Landesverwaltung zieht tausende Auto-PendlerInnen an...

Tue, 06/06/2017 - 14:21 Permalink