Economy | Tourismus

Neue Rekorde und großes Fragezeichen

Die Südtiroler Tourismusbranche hat neue Rekordzahlen aufzuweisen: 7,7 Millionen Gäste und 33,6 Millionen Übernachtungen. Doch die Corona-Krise wirft ihren Schatten.
Touristen am Karersee
Foto: Othmar Seehauser

Nun liegen die Zahlen zum vergangenen Tourismusjahr vor. Es sind, wie gewöhnlich, neue Rekorde, die 2018/19 in Südtirol erzielt wurden. 7,7 Millionen Ankünfte (+2,5% zum Vorjahr) und 33,6 Millionen Nächtigungen (+1%). Insbesondere die Monate April, Juni und Oktober haben einen deutlichen Anstieg der Gästezahlen verbucht. “Das ist auch auf die beweglichen Feiertage zurückzuführen”, erklärt das Landesstatistikinstitut ASTAT, das den detaillierten Tourismusbericht vorgelegt hat – just an dem Tag, an dem Tag, an dem die deutsche Bundesregierung die Reisewarnung aufgrund der Corona-Situation für die ganze Welt bis 14. Juni verlängert hat. Eine bisher einmalige Entscheidung. Eine solche Reisewarnung ist ein “dringender Appell” an die deutsche Bevölkerung, von Reisen in ein Land oder eine bestimmte Region abzusehen. Für den Südtiroler Tourismus wäre das Ausbleiben deutscher Gäste der Todesstoß. Denn auch laut der Bilanz des Tourismusjahres 2018/19 machen Gäste aus Deutschland mit 16,4 Millionen (+1,3%) fast die Hälfte der Übernachtungen aus. Die Nächtigungszahl der inländischen Gäste hingegen sinkt um 1,9% auf 10,2 Millionen.

 

Zugleich steigt die einheimische Nachfrage stark. 2018/19 werden 440.000 Nächtigungen von Südtirolern in heimischen Betriebern registriert. Das sind 4,3% der Inlandsübernachtungen und ein Plus von 4% im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere im Winter machen immer mehr Südtiroler Urlaub im eigenen Land.

 

“Die mittlere Aufenthaltsdauer pendelt sich bei 4,4 Tagen ein”, meldet das ASTAT. Je 100 Einwohner wurden 2018/19 täglich 17,3 Übernachtungen gezählt. Am höchsten ist dieser Index der Tourismusintensität in den Bezirksgemeinschaften Pustertal (34,2) und Salten-Schlern (32,2).

 

Der Index der Bettenauslastung hingegen errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen den Übernachtungen und den zur Verfügung stehenden Betten. 2018/19 standen den Gästen in Südtirol 224.532 Betten in 10.365 gastgewerblichen und nicht gastgewerblichen Betrieben zur Verfügung. Das sind 87 Betriebe und 487 Betten mehr als im Vorjahr.
Diese Betten waren im Durchschnitt zu 41% ausgelastet.

 

Und schließlich verweist das ASTAT noch auf den Gesamtindex des Tourismus, der vier der wichtigsten Indikatoren der Tourismuskonzentration umfasst: Übernachtungszahl, Beherbergungsdichte, Tourismusintensität und Bettenauslastung. An der Spitze der sich daraus ergebenden Rangliste steht auch im Tourismusjahr 2018/19 wieder das Pustertal (meiste Übernachtungen und höchste Tourismusintensität). Es folgen Salten-Schlern (überdurchschnittliche Tourismusintensität und Beherbergungsdichte) und das Burggrafenamt (zweithöchste Nächtigungszahl und überdurchschnittliche Bettenauslastung).

 

Es wird für einige Zeit, aber zumindest für ein Jahr, das letzte Mal sein, dass Südtirol solche Rekordzahlen verbuchen kann. Aufgrund der Corona-Krise, samt Reisewarnungen und Grenzschließungen, steht weiterhin ein großes Fragezeichen hinter dem Zugpferd Tourismus. Außerdem steht bisher noch nicht fest, wann Beherbergungsbetriebe wieder öffnen können und welche Auflagen sie einhalten müssen.
Bei Land, IDM und HGV setzt man unter anderem auf eine massive Marketingkampagne. “Unsere Kampagne ist startbereit”, erklärt Tourismuslandesrat Arnold Schuler, “und wir arbeiten schon an Projekten, die den Tourismus in unserem Land wieder ankurbeln. Das Risiko sind nämlich nicht die Touristen an und für sich, sondern die Dichte der Menschen. Wir brauchen im Moment der Öffnung ein Besucherlenkungskonzept, um die Situation unter Kontrolle halten zu können”.