Economy | Transformation

IDM und Handelskammer mit im Boot?

Südtirols Netzwerk für Nachhaltigkeit hat sich mit wichtigen Stakeholdern zu umweltbewusstem Wirtschaften ausgetauscht. Sie betonen auch die Rolle der Konsument:innen.
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Foto: Elaine Casap on Unsplash
Im Juli hat sich Südtirols Netzwerk für Nachhaltigkeit dem Thema Müll gewidmet. Neben zahlreichen Posts auf Social Media zur Müllvermeidung aus der Sicht der Haushalte hat die Kerngruppe des Netzwerks mit der Handelskammer und IDM Südtirol Kontakt aufgenommen, um die Wirtschaft mit ins Boot zu holen. Die „Zukunftswerkstatt Kreislaufwirtschaft“ des WIFI (Service für Weiterbildung und Personalentwicklung der Handelskammer Bozen) und das von IDM Südtirol initiierte Netzwerk „Regenerative Leaders“ der nachhaltigen Unternehmen im Bereich Food&Wellness stärken die Hoffnung auf ein anderes Wirtschaften in Südtirol.
„Viele in unserem Kreis von 130 Vereinen und Partner:innen auf future.bz.it haben zur Wirtschaft eine Hassliebe“, erklärt Judith Hafner als Koordinatorin von Südtirols Netzwerk für Nachhaltigkeit. „Einerseits würden wir umweltschädliches, transportintensives Wirtschaften als Treiber des Klimawandels am liebsten radikal verbieten und die Unternehmen zur Verantwortung ziehen, gleichzeitig brauchen wir sie, um in ein umweltbewusstes Wirtschaften zu finden, bevor es zu spät ist.“
Wenn wir als neue Gewohnheit wertvolle Produkte konsequent nicht nur für uns selbst, sondern für uns und unseren Freundeskreis einkaufen, gestalten wir Wirtschaft um - Judith Hafner

Wirtschaften ohne Müll?

 
Lebensmittelverschwendung, Müllvermeidung und geschlossene Kreisläufe sind drei wichtige Hebel für ein zukunftsfähiges Wirtschaften. Ein Dutzend Unternehmer:innen haben sich am 20. Juli in der Naturbackstube Profanter dazu ausgetauscht. „Die Unternehmer:innen selbst haben diese Themen gewählt“, betont Manuela Irsara, die als Leiterin von Food&Wellness Innovation bei IDM Südtirol das Netzwerk der „Regenerative Leaders“ betreut.
Oft sind es leider die Kund:innen, die für Hochzeiten und Feste auf Wegwerf-Deko nicht verzichten wollen - Peter Sölva
Der Austausch von Erfahrungen, Lernschritten und Kontakten zwischen innovativen Wirtschaftstreibenden beschleunigt ein Umdenken und inspiriert zu konkreten Schritten - so das Credo des Netzwerks. Wer im eigenen Unternehmen schon ökologisch wirtschaftet und von anderen Unternehmen lernen möchte, kann sich bei [email protected] diesem Unternehmer-Netzwerk anschließen.
 
 
„Bei der Führung durch die Naturbackstube Profanter habe ich gestaunt über die ehrliche Bereitschaft zum Umdenken und die gegenseitige Unterstützung der anwesenden Unternehmer:innen aus der Lebensmittelbranche und der Hotellerie“, gibt Judith Hafner zu. „Auch habe ich verstanden wie komplex es ist, ein Unternehmen nachhaltig zu führen und wie viel der Kunde mitgestalten kann.“
 

Kollektive Verantwortung

 
“Oft sind es leider die Kund:innen, die für Hochzeiten und Feste auf Wegwerf-Deko nicht verzichten wollen”, erklärt beispielsweise Peter Sölva von dem Cateringunternehmen Condito. Auch im Umgang der Gäste mit Trinkwasser sei noch viel Aufklärung nötig, berichten die Hoteliere vom Steineggerhof, Hotel Tyrol und Bad Schörgau. Oft würden die Gäste nicht einmal wissen, was für gutes Wasser wir hier hätten, so die Hoteliers weiter.
 
 
Um kurze Kreisläufe bemühen sich die Hotels ebenso wie Profanter, Pur Südtirol und Condito durch einen ehrlichen Kontakt zu den Lieferanten. Auch neue Ideen brauchen ehrliche Rückmeldung, Leidenschaft und Zeit, erklärt Peter Sölva, der die Pandemie nutzte um nachhaltige Produkte zu entwickeln. Die Konsument:innen können mitgestalten, ob gute Produkte in größeren Mengen in Umlauf kommen.
„Wenn wir als neue Gewohnheit wertvolle Produkte konsequent nicht nur für uns selbst, sondern für uns und unseren Freundeskreis einkaufen, gestalten wir Wirtschaft um“, ist Hafner überzeugt. Wann immer sie vom Bauern ihr Gemüse abholt, beliefert sie Freundinnen mit. Das ist ein kleiner Schritt in eine andere Art des Wirtschaftens, der jedem zugänglich ist.
 
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Josef Fulterer Sun, 07/31/2022 - 07:12

Um den Nachfahren nicht einen Lebensraum zu hinterlassen, in dem in vielen Gegenden eine landwirtschaftliche Produktion nicht mehr möglich ist und das Wohnen schwierig wird, braucht es deutlich mehr wie das bewusste Einkaufen und "das Alibi-Argument von der Nachhaltigkeit."
Die Verschwendung / Verbrennung der fossilen Brennstoffe muss "Welt-weit" auf den Stand vor 70 Jahren zurück gefahren werden.
Über viele der heutigen Lebensgewohnheiten muss ernsthaft nachgedacht werden.

Sun, 07/31/2022 - 07:12 Permalink
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Lorena Ruaz Sun, 07/31/2022 - 17:45

Es steht ausser Frage, dass Betriebe und Wirtschaftakteur*innen, welche von sich aus ihr Wirtschaften der ökologischen Nachhaltigkeit verpflichten und dabei eine Vorreiterrolle einnehmen, absolut lobenswert sind. Die Politik hinkt derweilen in allem nach und hinterher, organisiert Festivals statt konkrete Gesetze zu erlassen. Einzig die immer wiederkehrende Aussage, dass die Konsumenten*innen ihre schwindende Kaufkraft in diesen Sinne bitteschön nutzen sollten, eben auch nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen, ist nach wie vor aktuell und eigentlich eine Frechheit. Denn so funktioniert das System nicht, es sind nicht die Konsumenten die die Rahmenbedingungen für das nachhaltige Wirtschaften schaffen können oder müssen. Als Konsumentin die nachhaltige Lebensmittel sehr wohl zu schätzen weiss, muss ich den Ball an Handelskammer, Landesregierung & Co. emtschieden zurückspielen.

Sun, 07/31/2022 - 17:45 Permalink
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Kurt Resch Mon, 08/01/2022 - 23:20

In reply to by Josef Fulterer

Da muss ich wiedersprechen, ich bin in mehreren Arbeitsgruppen bei der IDM und dort wird sehr zielstrebig an Maßnahmen gearbeitet, die für den Klimaschutz wichtig sind. Die IDM macht eine sehr gute Arbeit und es freut mich immer wieder zu den ganzen Treffen und Arbeitsgruppen zu gehen. Alles dauert halt seine Zeit. Auch wir haben für unseren Betrieb jahrzehnte gebraucht um ihn so naturnah zu bewirtschaften wie es für uns möglich ist und wir haben noch einen langen Weg vor uns. Das wird anderen Betrieben nicht anders gehen.

Mon, 08/01/2022 - 23:20 Permalink
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Kurt Resch Mon, 08/01/2022 - 23:11

In reply to by Lorena Ruaz

Das sehe ich nicht so, denn Konsumenten gibt es viele und sie haben die Macht etwas zu verändern. Kauft aus Protest niemand mehr Nestle Produkte, wird sich Nestle ändern müssen, oder Nestle wird scheitern.
Erst sobald sich viele Konsumenten z.B. für Umweltschutz einsetzen, wird die Politik reagieren. Bis die Politik eine Änderung in Richtung Umweltschutz beschlossen hat und diese umsetzten kann, vergeht viel Zeit und die haben wir nicht. Da ist der Konsument viel schneller, er kann von heute auf morgen seine Essgewohnheiten umstellen und sich möglichst regional oder vegan ernähren. Bis die Politik es schafft in ihren Mensen, Kindergärten oder Schulen etwas umzustellen, vergeht zu viel Zeit, hat mit Eltern zu kämpfen die das nicht wollen, muss Ausschreibungen bei den Lieferanten machen usw.
Daher hat der Konsument viel mehr Macht, die Frage ist dann eher: will der Konsument sich ändern, denn der Klimawandel ist noch in zu wenigen Köpfen vorgedrungen. Warum sich ändern, wenn alles gut läuft. Fliegen vom Bozner Flughafen ist komod, gleich wie Fertigprodukte, Autofahren...

Mon, 08/01/2022 - 23:11 Permalink