Society | Imageaktion

Schönheits-OP mit Makel

Ex-PD-Senatorin, kein Zweisprachigkeitsnachweis, aber die einzige Kandidatin: Francesca Puglisi soll das Image von Südtirol in Italien aufpolieren.
Francesca Puglisi
Foto: Facebook

Sie soll Südtirol schön schreiben: Francesca Puglisi heißt Auserkorene, um das Image Südtirols in Italien aufzupolieren. Denn das ist angekratzt und verzerrt, wie eine eigens in Auftrag gegebene Umfrage ergeben hat. Dabei hat auch die Bestellung von Francesca Puglisi einen Schönheitsfehler.

 

Einzige Kandidatin

Da man intern nicht fündig geworden ist, wurde die Stelle am 19. April öffentlich ausgeschrieben. Die Voraussetzungen, um die “Beauftragung an dem Image von Südtirol auf dem italienischen Staatsgebiet zu arbeiten” – so die offizielle Bezeichnung der Stelle – zu erhalten, waren: ein Universitätsabschluss, die Eintragung in das Berufsalbum der Journalisten, mehrjährige Erfahrung als Journalist im italienischen Sprachraum sowie im Bereich der Kommunikation bei PR-Agenturen oder ähnlichem. Nur zwei Kandidaten haben sich für die Stelle beworben, zum Vorstellungsgespräch erschienen ist nur eine: Francesca Puglisi.

Geboren am 7. Juli 1969 in der Emilia Romagna, saß Puglisi in der vergangenen Legislaturperiode im Senat. Für den PD. Sie hat einen Laureatsabschluss in Handels- und Betriebswirtschaft. 

 

Erfahrung und Empathie

“Frau Dr. Puglisi entspricht den gegebenen inhaltlichen Vorgaben”, liest man im Beschluss, mit dem die Landesregierung die Beauftragung Puglisis am Dienstag abgesegnet hat. Die Wahl sei auf die 48-Jährige gefallen, “weil sie aufgrund ihrer Berufserfahrung über spezifische Kompetenzen verfügt”. Insbesondere zeichne sich Puglisi durch langjährige Erfahrung bei PR-Agenturen aus. Auch ihre jüngste Tätigkeit als Senatorin wird als Pluspunkt erwähnt.

Südtirol kenne Puglisi “aufgrund ihrer Tätigkeit als Parlamentarierin und bei der NGO ‘GVC’, wo sie unter anderem Entwicklungsprojekte betreut hat”, heißt es im Beschluss. “Ihr Lebenslauf, ihre natürliche Empathie sowie ihre Erfahrung und Kompetenz im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit in der italienischen Medienwelt sowie im Kontext der öffentlichen Einrichtungen auch auf staatlicher Ebene zeichnen sie als geeignete Kandidatin für die Besetzung der Stelle zur Verstärkung und Verbesserung des Images von Südtirol in Italien aus”.

 

Schatten über Rom 

Francesca Puglisi wird in der Außenstelle des Landes in Rom arbeiten. Da sie keinen Zweisprachigkeitsnachweis A besitzt, kann sie nicht vom Land eingestellt werden. Puglisi wird demzufolge nicht als Landesbedienstete, sondern als Sachverständige laut Art. 28 des Dekret des Landeshauptmannes 22/2013 angestellt. Sie erhält eine Anstellung mittels Kollektivvertrag für Journalisten. Ihr Auftrag ist befristet, bis 31. Dezember 2018. Der Vertrag kann um weitere zwei Jahre verlängert weren. Im Beschluss sieht die Landesregierung Ausgaben von 73.000 Euro vor: 53.000 Euro für Lohnelemente, 15.000 Euro für Sozialabgaben und 5.000 Euro für IRAP.

Kaum ist die Nachricht von der Beauftragung Puglisis bekannt, bricht auch schon die Polemik los. Carlo Vettori, Gemeinderat der Lega in Bozen, echauffiert sich auf Facebook: “Stiamo assistendo alle ultime concessioni di posti da parte del PD prima del cambio del comando a Roma. Il patentino è una pura formalità quando sei legata sentimentalmente all’agente di collegamento tra SVP e PD.” Denn ein Detail stößt Vettori besonders auf: Francesca Puglisi ist die Lebensgefährtin von Gianclaudio Bressa, der am 4. März im Wahlkreis Bozen-Unterland mit der Unterstützung der SVP für den PD in den Senat gewählt wurde.

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Andreas gugger Thu, 05/31/2018 - 16:27

Manchen Menschen ist auch nichts zu blöd. Die oder der 2te Kandidat für diese Kampagne bekommt vielleicht als Ausgleich einen Listenplatz auf der PD Liste. Die sichere Variante ist die als Agenturfachkraft...besser so, so kann man vielleicht hoffen es kommen nicht noch mehr "Touristen" in unser Land, mit auf diese Weise designierten Fachkräften....

Thu, 05/31/2018 - 16:27 Permalink
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Paolo Zanandrea Thu, 05/31/2018 - 18:10

Da solls einen wundern wenn bei diesen Meldungen die Leute zu Scharen M5S, Lega &Co wählen. Für 75.ooo€ ein solcher Imageschaden, so kurz vor den Wahlen, ist diese "ambasciatrice" und Bressa das wert?

Thu, 05/31/2018 - 18:10 Permalink
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Frei Erfunden Fri, 06/08/2018 - 14:08

weder ortskundig noch zweisprachig, zur Imagepflege einer tourismusgesättigten dreisprachigen Provinz abgestellt und gemästet: svp adieu?

Fri, 06/08/2018 - 14:08 Permalink