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Schule/Uni

Braucht Südtirol die Österreicher-Quote?

Die STF setzt sich für die Beibehaltung der Quote bei Aufnahmeprüfungen für das Medizinstudium ein und übersieht dabei das eigentliche Problem.
Community-Beitrag von Oliver H. (gesperrt)25.08.2016
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Derzeit gibt es eine Quotenregelung für das Auswahlverfahren an den medizinischen Universitäten Österreichs. Dabei sind 75% der Studienplätze für Österreicher und Südtiroler reserviert. Diese Regelung wird von der EU kritisiert und steht auf der Kippe. Die Südtiroler Freiheit setzt sich mit einem Beschlussantrag für eine Beibehaltung der Quote ein und begründet das damit, dass es sonst zu wenige Südtiroler gäbe, die in Österreich studieren könnten. Ich halte diesen Gedankengang aus mehreren Gründen für unsinnig:

1. Wenn unsere Maturanten wirklich so schlecht sind, dass sie sich in einem freien Auswahlverfahren nicht gegen ihre deutschen Kollegen durchsetzen können, so wirft das mehrere Fragen auf: Sind unsere Maturanten wirklich nicht konkurrenzfähig? Wie können wir vor der eigenen Haustüre kehren und unsere Maturanten besser vorbereiten?

2. Es gibt nicht nur deutschsprachige Universitäten in Österreich. Mit einem guten Maturaergebnis, kann man problemlos an Universitäten in Deutschland Medizin studieren. Sogar in Ungarn gibt es deutschsprachige Universitäten – wenngleich dort Studiengebühren zu bezahlen sind.

3. Wenn die Abschaffung der Quote ein Nachteil für die Südtiroler Maturanten bei der Aufnahmeprüfung wäre, heißt das indirekt, dass die Südtiroler Maturanten schlechter als andere Maturanten naturwissenschaftiche und logische Zusammenhänge erkennen und anwenden können. Dann stellt sich die grundsätziche Frage, ob das die richtigen Menschen sind, um in Zukunft in Südtiroler Krankenhäusern zu arbeiten.

Anstatt zu jammern, sollten wir vor der eigenen Tür kehren und daran arbeiten, unsere Schüler so gut wie möglich auf die Zukunft vorzubereiten. Leider fördert unser Schulsystem nicht Leistung und Eigenverantwortung, sondern Leistungsverweigerung und Duckmäusertum. Je weniger Stoff man durchbringt, desto weniger wird abgeprüft. Wenn ein Arbeitsauftrag nicht verbessert wurde, darf er nicht abgeprüft werden. Dadurch ensteht schon allein durch das Prüfungssystem ein Anreiz für Leistungsverweigerung. Ich habe selbst miterlebt, wie Schüler zehn Minuten lang mit dem Lehrer darüber verhandelt haben, ob zwei zuätzliche Seiten im Buch auch noch zum Test kommen oder nicht. Peinlicher geht es fast nicht mehr, doch in 13 Schuljahren erlebt man so einiges.

Wenn Schüler in einer Maturaklasse ohne gemeinsames Durchgehen mit dem Lehrer nicht wissen, ob sie eine Aufgabe richtig oder falsch gelöst haben bzw. nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Aspekten eines Themas unterscheiden können, liegt der Verdacht nahe, dass der „Matura“ ihr ursprünglicher Sinn abhanden gekommen ist.

Das sollte man angehen, anstatt bei der EU-Kommission um die Beibehaltung einer protektionistischen Quote zu betteln.

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Kommentare

komischerweise wird meine Formatierung nicht übernommen...
Aber wenn Südtiroler Maturanten gute Noten haben, sagen wir mal die gleich guten wie die Deutschen oder Österreicher, erhöht es ihre Chancen ungemein wenn sie um die 75 % der Plätze konkurrieren können anstatt mit dem Rest der Nicht-Österreicher um die 25 %. Und für Österreich sind Quoten zwingend notwendig. Man bezahlt dort keine Studiengebühren und oft gibt es keine Aufnahmebeschränkungen, dadurch kommen sehr viele Deutsche mit schlechter Matura die dann auch noch auf Staatskosten studieren. Im Sinne eines europäischen Gedankens könnte man das ja akzeptieren, aber im Gegenzug sollten dann auch Österreicher in Deutschland gratis studieren dürfen bzw. der Deutsche Staat für die Leistungen aufkommen.
Das stimmt nur bedingt. Beim Aufnahmetest in Österreich muss man eine Leistung erbringen und die Schulnoten bzw. die Maturapunktezahl zählt nicht. In Deutschland wird bei der Reihung rein nach Numerus Clausus - also nach Maturanote vorgegangen. Die Kosten sind ein anderes Thema und die STF bezieht sich auch nicht darauf, aber du hast natürlich Recht. Man muss aber auch gegenrechnen, dass Studenten ein Wirtschaftsfaktor sind. Durch Mieten und Konsum kommt Geld in die Region. Moderate Studiengebühren wären meiner Meinung nach durchaus sinnvoll und auch in keiner Weise sozial ungerecht, da einkommensschwache Menschen ja ohnehin unterstützt werden.
Hallo Oliver, Du machst es Dir in Deinem Artikel zu einfach, wenn Du sagst, unsere Maturanten wären wohl zu schlecht, wenn sie eine Quote brauchen. Oder Du hast nicht nachgerechnet. In Österreich treten jedes Jahr ungefähr gleich viele Deutsche wie Österreicher zum Aufnahmetest an. Selbst wenn die Südtroler Maturanten genauso gut wie die Deutschen abschneiden, kommt durch die reine Statistik nur noch ein Bruchteil ins Studium. Der Numerus Clausus ist für uns Südtiroler wegen unseres 100er Notensystems eine nahezu unschaffbare Hürde. Ein kleines Beispiel: In Deutschland bekommst Du mit 91% richtig gelösten Aufgaben eine 1,0. Wenn Du aber in Südtirol 91 Punkte bei der Matura schaffst (und das ist schon ziemlich gut) dann hast Du umgerechnet ins deutsche Notensystem erst eine 1,7. Du brauchst also einen 100er um den Medizin-NC zu knacken. Fazit: Wir brauchen diese Quote unbedingt, weil unser Notensystem verhindert, dass wir in Deutschland studieren können und der Numerus Clausus die österreichischen Universitäten mit deutschen Bewerbern flutet.
Du beachtest einige wichtige Faktoren nicht: 1. Deine Annahme für die Aufnahmeprüfung gilt nur, wenn das Abschneiden der Südtiroler Maturanten bei der Aufnahmeprüfung nur vom Zufall abhinge. Dann wäre es eine Normalverteilung. Doch durch Wissen hat man einen Vorteil. Aus meiner Schulklasse sind vier Leute in Graz angetreten und drei sind ins Studium gekommen, obwohl statistisch betrachtet (so wie du es machst) nur einer eine Chance gehabt hätte. Es geht nicht darum, gleich wie die Deutschen zu sein, sondern besser zu sein, dann haben wir auch keine Probleme damit, Studienplätze zu bekommen. Das haben wir auch unserem engagierten Biologie/Chemie-Lehrer zu verdanken. 2. Wenn du bei der Matura 91% richtig löst, bekommst du 100 Punkte. Für eine Note 9 bei schriftlichen Arbeiten sind 15 Punkte (Maximum) vorgesehen. Außerdem verschaffen die 5 möglichen Bonuspunkte den Südtirolern beim NC einen deutlichen Vorteil. Deine Notenumrechnung beruht auf der bayrischen Formel, die aber nicht immer angewandt wird. So kenne ich mehrere Medizinstudenten, die mit 93 Punkten problemlos in Deutschland Medizin studieren.
Ich weiß nicht wie oder was Du rechnest, aber wenn sich gleich viele Südtiroler zuerst auf 75% der Plätze bewerben und dann auf 25%, wird die Chance gedrittelt, weil die Anzahl der sich bewerbenden Personen für beide Kategorien ca. gleich groß ist und deutsche und österreichische Maturanten ca. gleich gut sind. Deine Annahme würde nur zutreffen, wenn Österreicher nachweislich besser abschneiden würden als die Deutschen. Auf den Aufnahmetest vorbereiten kann sich jeder. Und schließlich und endlich kommt es auf die Vorbereitung an, die Schule bestimmt lediglich wie viel Zeit jemand in die Vorbereitung investieren muss. Und hier noch ein Vorteil der Deutschen: Deren Abi ist wesentlich früher fertig als unseres, weshalb diese ein Vielfaches an Vorbereitungszeit haben. Es wäre zwar wünschenswert, dass südtiroler Maturanten besser sind als alle anderen, aber warum sollte das so sein? In Deutschland kannst du Fächer abwählen und auf andere Fächer einen Schwerpunkt legen. Wenn ein deutscher Schüler seine Fächer geschickt belegt, kannst du als Südtiroler schon rein wegen der Schulstundenanzahl kaum besser sein, wenngleich in dadurch wahrscheinlich eine bessere Allgemeinbildung vermittelt werden kann. Die bayrische Formel wird sehr wohl angewandt. Mit 93 Punkten kommst du vielleicht in eine kleine, nicht sonderlich beliebte Uni. In den größeren Unis (Berlin, München...) liegt der NC bei 1,0. Und nein, mit alles 9ern in der Matura bekommst du keine 100. Wo kommt denn solch eine Annahme her? Und 5 Punkte Bonus kannst du nur mit 70 erarbeiteten Punkten in der schriftlichen und mündlichen eventuell bekommen. Zuletzt möchte ich Dich noch auf eine Kleinigkeit hinweisen: die italienische Matura verlangt von den Schülern, alle Fächer zu lernen, wobei Schüler bis zum letzten Moment nicht wissen, welche Fächer geprüft werden. In Detuschland wissen die Schüler schon Monate vorher, welche 3 Fächer sie für das Abi vorbereiten müssen.
Meine Annahme besagt, dass ein Südtiroler Maturant unabhängig von der Quote einen Studienplatz bekommt, wenn er genug Qualität hat. Die Quote ist eine protektionistische Maßnahme, welche Geburtsrecht (Staatsbürgerschaft) vor Leistung stellt. Ich bin gegen solche Bevorzugungen. Bei der schriftlichen Matura bekommt man für eine 6 mindestens 10 von 15 Punkten und in der mündlichen mindestens 20 von 30 Punkten (Quelle: Deutsches Schulamt). Dementsprechend hat die Kommission Spielraum beim Notenschlüssel. Man braucht keine perfekte Leistung, um aus eigener Kraft 100 Punkte zu erreichen. Meine Annahme beruht auf a) Gesprächen mit Lehrern b) meiner eigenen Matura und c) Gesprächen mit anderen Maturanten. Was NC angeht: Ich kann mich nur auf meine Erfahrungen berufen und bis vor einigen Jahren war es auf jeden Fall problemlos möglich, mit 93 Punkten in München Medizin zu studieren. Vielleicht hat sich das inzwischen geändert, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Mir geht es darum, nicht über eine Abschaffung einer Quote zu jammern, sondern selbst aktiv zu werden, um die Chancen für Südtiroler Oberschüler auf gute Studienplätze zu erhöhen.
"Meine Annahme besagt, dass ein Südtiroler Maturant unabhängig von der Quote einen Studienplatz bekommt, wenn er genug Qualität hat. Die Quote ist eine protektionistische Maßnahme, welche Geburtsrecht (Staatsbürgerschaft) vor Leistung stellt. Ich bin gegen solche Bevorzugungen." Dann hättest Du diese Sätze in den Artikel schreiben sollen. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, das ist Deine Meinung. Im Artikel schreibst Du aber von "Leistungsverweigerung" und "Drückmäußertum", was ein völlig haltloser und unbegründeter Vorwurf ist. Du tust gerade so, als wollten die Südtiroler ohne Test in das Medizinstudium. Deine eigenen Erlebnisse in Deiner Schule sagen nichts über die Allgemeinheit aus.
Ich habe meine Wortwahl sehr wohl begründet. Du hingegen behauptest Dinge, ohne sie zu belegen. In Italien bekommt man mit 91% gelösten Aufgaben nicht nur 91 Punkte, sondern weitaus mehr. Mit Notendurchschnitt 9,1 hat man vor der mündlchen bereits 67 Punkte. Man bräuchte dann bei der mündlichen Prüfung nur mehr 25 Punkte, was etwas weniger als 8 entspräche. Diese Annahme gilt, sofern wir als Notenschlüssel eine lineare Gleichung heranziehen, die durch den vom Schulamt vorgegebenen Punktewert für eine positive Note (6) und dem Maximalpunktewert für die Maximalnote (10) annehmen. Das ist das schwerste Szenario, das laut den Regeln überhaupt möglich ist und dennoch kann man ohne 91% der Aufaben korrekt zu lösen und ohne auf die Bonuspunkte zurückzugreifen auf 91 Punkte kommen. Das heißt selbst bei ungünstigst möglichen Notenschlüssel brauchst du beim Notendurschnitt nur 90% und bei der Matura 96% korrekte Antworten. In Wirklichkeit wird der Notenschlüssel kulanter ausgelegt. Hast du jemals mit einem Lehrer gesprochen, der in einer Maturakommission gesessen hat?
Ich glaube Du solltest Deinen "Artikel" nochmal lesen. Punkt 1 und Punkt 3 beinhalten denselben falschen Rückschluss: Die Beschwerde, dass eine Quote aufgehoben wird, welche die Chancen auf einen Studienplatz erhöht, hat nichts mit der Qualität von Maturanten zu tun, sondern mit der Fähigkeit festzustellen, dass dadurch die Chancen gemindert werden. Punkt, aus. Begründung fehlt in beiden Punkten. Punkt 2 besagt dann: Es gibt ja nicht nur Österreich. Vielen Dank, für diesen Hinweis. Weil es in Deutschland ja einfacher ist, einen Studienplatz zu bekommen, gehen 1000e Deutsche nach Österreich, weil sie den Kick des Aufnahmetests genießen wollen. Danach versuchst Du in Stammtischmanier, von persönlichen Erlebnissen und Eindrücken auf eine Allgemeinheit zu schließen. Was die Notenvergabe angeht: Schick mir doch bitte ein offizielles Dokument, in dem steht, dass man mit 91% Richtigkeit, das Recht auf 15 Punkte hat. Dann werde ich nämlich in meine Schule gehen und noch ein Paar Punkte abholen. http://www.skuola.net/maturita/diploma-maturita/voto-punteggio-maturita.html Auf die schnelle habe ich jetzt diese Tabelle gefunden: 9 = 13,75 Punkte. Also wirds wohl nichts mit den 67 vor der mündlichen Prüfung.
Lies meinen letzten Beitrag nochmal und finde den Fehler in deiner Argumentation. 90% sind für die volle Punktezahl beim Schulguthaben notwendig und 96% als Durchschnitt bei der Matura selbst, um aus eigener Kraft 100 Punkte zu erreichen. Es gibt keinen offiziellen Notenschlüssel, sondern nur die Regel, dass eine positive Leistung mit mindestens 10 bzw. 20 Punkten honoriert werden muss. Die von dir verlinkte Tabelle ist nur ein Vorschlag. Dennoch bestätigt sie meine Rechnung von oben.
So Oliver, das wird meine letzte Antwort sein, ich werde mich danach nicht mehr mit dir um 90% und 91% herumstreiten. Beim Notenschnitt von 9,1 (91%) gibts entweder 7 oder 8 bzw. 8 oder 9 Punkte. Macht 22-25. Bei einer Matura mit reinen 9ern bekommst du 3*13,75+27,5 Punkte = 68,75 Punkte. Das sind insgesamt 90,75-93,75 Punkte. Bonuspunkte bekommst du für diese Leistung keine (68,75<70). Numerus Clausus nicht bestanden. In Deutschland bist du bei einer glatten 1,0. Und ob der Notenspiegel nun kulanter ausgelegt wird oder nicht, kannst Du in einer statistisch relevanten Studie untersuchen, wenn Du magst. Aber was Dein Lehrer Dir sagt, was Maturanten behaupten und Du selber empfindest, sind keine haltbaren Argumente. Ich habe erlebt, dass Lehrer bei Top-Leistungen eine 8 vergeben und bei einem Schnitt 9,3 eine 9 ins Zeugnis schreiben. Aber egal: Ich habe in Deinen Kommentaren stichhaltige Aussagen gelesen. Im Artikel leider nicht.
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