Politik | Skischaukel

Langtaufers, es ist ein Nein

Die Landesregierung hat das Projekt zur Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal abgelehnt. Der Nachweis für die positive sozioökonomische Entwicklung fehle, so Kompatscher.
Langtauferer Berge
Foto: Südtirolfoto/Othmar Seehauser

Das Aufatmen unter den Journalisten ist beinahe hörbar. Endlich hat sich die Landesregierung durchgerungen, eine Entscheidung zur skitechnischen Verbindung zwischen dem Langtauferer Tal und dem Nordtiroler Skigebiet Kaunertaler Gletscher zu fällen. Nach monatelangem Hinalten war es am heutigen Dienstag soweit.

Eine Kabinenbahn soll die Skifahrer vom idyllischen Langtauferer Tal auf das 3.108 Meter Höhe gelegene Karlesjoch bringen, wo die Bergstation des Gletscherskigebietes Kaunertal liegt. Über 26 Millionen Euro sollen investiert werden. So die Pläne der Oberländer Gletscherbahn AG, die im Februar 2016 zur Verwirklichung des 30 Jahre alten Traums ins Leben gerufen wurde. Ein Jahr später, der erste Bremser. Der Umweltbeirat des Landes verfasst ein negatives Gutachten zu dem Vorhaben. “Schwere landschaftliche Eingriffe bis an die Bergspitze” sowie “Probleme mit dem Wasservorrat” nannte Maria Theresia Pernter, die für den Dachverband für Natur- und Umweltschutz im Umweltbeirat sitzt, ausschlaggebend für das negative Gutachten.
Die Oberländer Gletscherbahn AG um Geschäftsführer Paul Jakomet gab sich nicht geschlagen, machte eine Eingabe und legte weitere Unterlagen vor, um die negativen Argumente zu entkräften. Das war im Juli 2017. Seither hieß es warten, warten und nochmals warten. Man wolle es sich “nicht einfach” machen, rechtfertigte Umweltlandesrat Richard Theiner das Zögern der Landesregierung, einen Beschluss in Sachen Skischaukel Langtaufers-Kaunertal zu fassen.
Jetzt, wenige Tage vor Weihnachten, ist die Katze aus dem Sack.

 

Wirtschaftliche Argumente wiegen kritische Umweltaspekte nicht auf

“Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal: Landesregierung urteilt negativ.”  Der Satz steht am Ende des Infoblattes, das die Medienvertreter nach der Sitzung der Landesregierung wie üblich auch am heutigen Dienstag ausgehändigt bekommen. Überraschenderweise ist es dann nicht Richard Theiner, aus dessen Ressort das negative Gutachten kommt, der die Entscheidung verkündet. Sondern der Landeshauptmann. Als Wirtschaftslandesrat wählt Arno Kompatscher seine Worte mit Bedacht. Die Ablehnung der Landesregierung sei nicht grundsätzlich als Ablehnung der Skiverbindung zu verstehen. Allerdings hätten es die Promotoren des Projektes verabsäumt, “die positive sozioökonomische Entwicklung” für das Langtauferer Tal und den gesamten Wirtschaftsraum Oberer Vinschgau ausreichend darzulegen. “Denn, wenn bereits kritische Umwelt- und Landschaftsschutzaspekte vorliegen, und man darüber reden soll, ein Projekt trotzdem zu genehmigen, müssen konkrete Vorteile und Nutzen für eine nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftsraumes dargestellt werden. Das ist nur unzureichend passiert”, meinte Kompatscher wörtlich.
Dass eine Skiverbindung zwischen Langtaufers und dem Kaunertal eine positive Entwicklung herbeiführen könnte, habe die Landesregierung “nicht ausschließen können”, aber in dem vorgelegten Projekt sei das “zumindest nicht dokumentiert worden”. Die Argumente für die Fragen “Wozu das Projekt? Was soll es bringen?” fehlten, so der Landeshauptmann. “Daher haben wir das Projekt in dieser Form nicht genehmigt, es ist abgelehnt worden.”

Es hänge nun von den Antragstellern ab, ob nochmals ein Projekt vorgelegt werde, meinte der Landeshauptmann.

 

Lob für die Landesregierung

Die Reaktionen auf den Beschluss der Landesregierung lassen nicht lange auf sich warten. Noch bevor die offizielle Mitteilung aus der Landespresseagentur verschickt wird, nimmt der Dachverband für Natur- und Umweltschutz Stellung. Stellvertretend auch für den AVS, den Heimatpflegeverband begrüßt der Dachverband “diese fachlich kohärente Entscheidung”: “Ausschlaggebend für die Ablehnung dürfte nicht zuletzt das eindeutig negative, ausführlich und gut begründete Gutachten des Umweltbeirates sein. Dieses Gutachten ist im Zuge des Genehmigungsverfahrens von derlei Vorhaben zwingend vorgeschrieben und muss entsprechend der normativen Bestimmungen des Landes auch bei der Entscheidung der Landesregierung berücksichtigt werden. Die heute getroffene Entscheidung ist daher nicht nur konsequent im Sinne der normativen Bestimmungen des Landes, sondern schafft auch Rechtssicherheit, Objektivität und Nachvollziehbarkeit. Nicht zuletzt ist eine Entscheidung der Landesregierung basierend auf Expertengutachten auch politisch konsequent, da Kompatscher und Co. im vergangenen Landtagswahlkampf und noch anfangs der Legislatur immer wieder betont haben – im Gegensatz zu früheren politischen Gepflogenheiten – sich nunmehr an die Gutachten der eigenen Kommissionen halten zu wollen.”

Auch die Grünen zeigen sich zufrieden. “Die heutige Entscheidung ist ein Sieg der Vernunft, der optimistisch stimmt”, schreiben sie in einer Aussendung. “Die Landesregierung hat in diesem Fall nach mühsamem Ringen dem Druck der Betreiber widerstanden und der Sachkompetenz der Ämter Vorrang gegeben. Mit dieser Entscheidung wurde der fachlichen Ebene ebenso Rechnung getragen wie der Naturqualität und dem Entwicklungspotenzial des Tales, das sich in kurzer Zeit zu einem Modell des nachhaltigen Tourismus entwickeln könnte. Viele LangtaufererInnen sehen bereits jetzt einen solchen Weg und fühlen sich nun neu ermutigt; ebenso die vielen UmweltfreundInnen und Organisationen, die seit Langem ihre Stimme erhoben haben.”