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SVP

Kampf der Töchter

Julia Unterberger und Renate König treten gegeneinander um den SVP-Senatssitz in Rom an. Ihre Väter sind seit Jahrzehnten ein eingespieltes Duo.
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Die Entscheidung wird diese Woche fallen.
Dann ist klar, ob es im SVP-Bezirk Burggrafenamt anlässlich der Parlamentswahlen ein Stechen zwischen zwei prominenten Frauen gibt: Julia Unterberger gegen Renate König.
Es ist kein Zufall, dass es zu einem weiblichen Stechen kommt. Laut Wahlgesetz aber auch nach dem eigenen Statut muss die SVP bei den Parlamentswahlen mindestens zwei Frauen aufstellen. Beide haben auch die besten Chancen wirklich nach Rom zu kommen. In der Kammer gilt die amtierende Eisacktaler Abgeordnete Renate Gebhard als gesetzt. Weil im Senat mit dem designierten Berger-Nachfolger Meinrad Durnwalder im Osten ein Mann antritt und der Senatswahlkreis Bozen-Unterland einem italienischen PD-Kandidaten vorhalten wird, soll auch im Westen für den Senat ein Frau ins Rennen gehen.
Schon vor Wochen hat die Meraner SVP die Wirtschaftsberaterin Renate König als Kandidatin vorgeschlagen.  Kurz vor Weihnachten folgte dann eine zweite prominente Kandidatur. Die ehemalige Meraner SVP-Landtagsabgeordnete und -präsidentin Julia Unterberger will ihr politisches Comeback geben.
 
König, Renate

Meraner Senatskandidatin Renate König„Entscheide in diesen Tagen“.

Meine Kandidatur passiert nicht aus heiterem Himmel“, sagte Unterberger vor zwei Wochen im Salto-Interview.ich wurde mehrmals von Parteigremien und Parteifunktionären gefragt. Jetzt habe ich definitiv zugesagt.
 

Die Vorwahlen

 
Julia Unterberger schränkt aber ein: „Zunächst muss ich mich den parteiinternen Vorwahlen stellen.
Denn laut SVP-Statut müssen bei den Parlamentswahlen in den Einmannwahlkreisen parteiinterne Vorwahlen stattfinden. Der politische Fahrplan dafür wurde kurz vor Weihnachten abgesteckt.
Bis zum 10. Jänner 2018 müssen die Ortsgruppen für die Wahlkreise Meran und Brixen (Kammer und Senat) sowie für die Listenspitze im Verhältniswahlrecht ihre Nominierungen einreichen. Am 21. Jänner werden die SVP-Mitglieder dann landesweit zur Vorwahl ihrer Kandidaten schreiten.
Im Senatswahlkreis Meran werden sich dabei zwei Frauen zur Wahl stellen. Obwohl sich auch einige Männer - wie etwa der Lananer Bürgermeister Harald Stauder - an der Vorwahl beteiligen wollen, dürfte am Ende eine weibliche Siegerin herauskommen.
Dabei wird es spannend werden, wer sich im Stechen zwischen König und Unterberger durchsetzt. Denn beide Frauen haben eine überaus interessante familiäre Verbindung.
 

Die Väter

 
Julia Unterbergers Vater Siegfried Unterberger braucht nicht mehr lange vorgestellt zu werden. Der Bauingenieur, Multiunternehmer, Schachspieler, Durnwalder-Freund und langjährige Meraner SVP-Chef galt jahrzehntelang als einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Strippenzieher in diesem Land. Erst in den letzten Jahren ist es um den 76jährigen Meraner Ingenieur in der Öffentlichkeit etwas ruhiger geworden.
Siegfried Unterberger hatte und hat aber bei fast allen seinen Unternehmungen einen engen Mitstreiter und Verbündeten: Manfred König.
Der 75jähriger Meraner Wirtschaftsberater hat eine der größten und renommiertesten Kanzleien in der Passerstadt. König betreut öffentliche, institutionelle Kunden wie auch private Unternehmen. Seit gut 40 Jahren ist das Duo Manfred König und Siegfried Unterberger berufliche wie auch privat eng verbunden. So war und ist Manfred König nicht nur der Wirtschaftsberater der Unterberger-Gruppe, sondern er ist auch Geschäftspartner in mehreren Unternehmen. Etwa in Leipzig.
 
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Manfred König: Enger Freund und Mitstreiter Unterbergers.

Vor allem aber traten König und Unterberger viele Jahre lang als Gespann auf. Nicht nur in der Meraner SVP. Auch in der Südtiroler Sparkasse, wo Unterberger als Verwaltungsrat und König als Aufsichtsrat lange ein Gegengewicht zur Bozner Phalanx um Gerhard Brandstätter & Co waren. Oder bei den Meraner Thermen, wo Unterberger als Planer und König als Präsident des Verwaltungsrates tätig war. Oft hat man dabei die Leitlinien zur Vermeidung von Interessenskonflikten bewusst vergessen.
Das Ergebnis: Die engen Freund König und Unterberger haben sehr viel in diesem Land gemeinsam bewegt. Nicht zu ihrem persönlichen Nachteil.
 

Die Töchter

 
Sowohl Siegfried Unterberger wie auch Manfred König sind dabei ihre Unternehmen der nachfolgenden Generation zu übergeben. Mit dem Jahreswechsel geht Manfred König - laut eigenen Angaben - jetzt endgültig in Pension.
Seine Nachfolge wird seine Tochter übernehmen. Die heute 49jährige Renate König ist bereits seit 1996 Partnerin in der Kanzlei „König, Skocir, Kiem“.
Die Meraner Wirtschaftsberaterin bekleidet seit Jahren aber auch Ämter in öffentlichen Gesellschaften. Renate König war Aufsichtsratspräsidentin der „SELnet Gmbh“, Aufsichtsrätin des „Instituts für den Sozialen Wohnbau“ (WOBI), Rechnungsprüferin der Kurverwaltung Meran und Vizepräsidentin der „Etschwerke AG“. Zudem saß sie lange als Ersatz-Aufsichtsrätin in der „Sasa AG“. Derzeit ist König Vorstandsmitglied der „Alperia AG“, sowie Aufsichtsrätin im WOBI.
Ernannt aus dem SVP-Parteikader ist Renate König aber auf dem direkten politischen Parkett eine Neueinsteigerin. 
 
Julia Unterberger

Meraner Senatskandidatin Julia Unterberger: Wieder Lust auf Politik.

Ganz anders als Julia Unterberger. Die Anwältin und Ex-Ehefrau von SVP-Vizeobmann Karl Zeller legte als Frauenrechtlerin unterm Edelweiß einen fulminanten politischen Aufstieg hin.
 Die heute 55jährige Juristin zog 2003 mit einen beachtlichen Vorzugsstimmen-Ergebnis als Rebellin auf der SVP-Liste in den Landtag ein. Fünf Jahre später verpasste die Meraner SVP-Abgeordnete aber überraschend den Wiedereinzug in den Landtag. Nach dem Ausschluss von Christian Egartner rückte Unterberger im Sommer 2010 in den Landtag nach. Sie wurde wenig später zur Landtagspräsidentin gewählt und beendete die Legislatur als Landtagsvizepräsidentin..
Aus Enttäuschung über die Nichtwahl 2008 trat Julia Unterberger bei den Landtagswahlen 2013 - obwohl von der neuen Garde hofiert - erst gar nicht mehr an. Sie hat sich in den vergangenen Jahren auch aus der Parteipolitik zurückgezogen.
 

Das Stechen

 
Jetzt scheint die Politik Julia Unterbeger aber wieder zu reizen. Dass sie dabei ausgerechnete ihren Ex-Mann Karl Zeller im römischen Senat beerben will, dürfte eine ihrer Achillesfersen sein. Diese Konstellation wird ihr von den Gegner - auch SVP intern - in den nächsten Wochen vorgehalten werden.
Für Renate König sollte diese Kandidatur eigentlich ein Spaziergang sein. Nachdem jetzt aber Unterberger als Konkurrentin ins Rennen gestiegen ist, könnte es für die Wirtschaftsberaterin eng werden.
Schon zirkulieren Gerüchte wonach Renate König ihre Kandidatur für die Parlamentswahlen zurückziehen könnte, um dafür bei den Landtagswahlen im Oktober anzutreten. „Die Landtagswahlen stehen derzeit nicht zur Debatte“, sagt Renate König zu salto.bz. Die Wirtschaftsberaterin verweist darauf, dass sie vom SVP-Bezirksausschuss und von der SVP-Wirtschaft nominiert wurde. Renate König: „Ich werden in den nächsten Tagen entscheiden, ob ich die Nominierung annehmen und bei den Vorwahlen antreten werde“.
Dann wird sich auch klären, ob Siegfried Unterberger und Manfred König diesmal zum Zuschauen verdammt sind. In einer Partie, die ihre Töchter gegeneinander spielen.
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Julia Unterberger
Südtirolfoto/Othmar Seehauser
Politik
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Kommentare

Bild des Benutzers Ralph Kunze

Der Titel könnte auch heissen: Vorstadtweiber.
Egal. Die SVP Wahllämmer kreuzen alles an

Bild des Benutzers Elisabeth Anna

Immer der gleiche Tenor: Ressentiments, übelgelaunt, destruktiv, gerne frauenfeindlich, ...

Bild des Benutzers Sell Woll

Schade dass hier die Geschlechtersache hervorgehoben wird, dabei ginge es um ganz andere Bedenken: Der ewig gleiche Zirkel an der Macht und dank skandalösem Wahlgesetz keine echte Wahl. Die Quote schränkt dann diese Wahl noch weiter ein...

+1-13
Bild des Benutzers Martin B.

Richtig, wie auch die anderen Kommentatoren bemerken: dies wäre eigentlich kein Weiberkampf-Roman der Klicks generieren soll und die verstrickten familiären Beziehungen bis ins Detail zerlegt, sondern einer Analyse bedürftig, was schiefläuft im Lande...

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