Reinhold Messner
Südtirolfoto/Othmar Seehauser
Advertisement
Advertisement
Bergtragödie

„Im Whiteout hast du keine Chance“

Reinhold Messner über das Drama in den Schweizer Alpen, die absolute Orientierungslosigkeit am Berg und der Wärmeschub kurz vor dem Tod.
Advertisement
Salto Plus

Liebe/r Leser/in,

dieser Artikel befindet sich im salto.archiv!

Abonniere salto.bz und erhalte den vollen Zugang auf etablierten kritischen Journalismus.

Wir arbeiten hart für eine informierte Gesellschaft und müssen diese Leistung finanziell stemmen. Unsere redaktionellen Inhalte wollen wir noch mehr wertschätzen und führen einen neuen Salto-Standard ein.

Redaktionelle Artikel wandern einen Monat nach Veröffentlichung ins salto.archiv. Seit 1.1.2019 ist das Archiv nur mehr unseren Abonnenten zugänglich.

Wir hoffen auf dein Verständnis
Salto.bz

Abo holen

Bereits abonniert? Einfach einloggen!

Advertisement
Advertisement

Kommentar schreiben

Kommentare

Bild des Benutzers Christoph Moar
Christoph Moar 02.05.2018, 14:02

Herr Franceschini, zwei Präzisierungen erscheinen mir nötig:

1.
"Ist es nicht absurd, dass man 100 Meter von einer Schutzhütte weg stirbt. Mit Handy und GPS im Rücksack?"

Vorab - noch habe ich keine Primärquelle gehört, die bestätigen sollte, dass (mehrere) Personen GPS Geräte dabei haben sollten. Möglich ist, daß nur der Guide eines hatte, und der hat sich ja alleine auf dem Weg zur Hütte gemacht, als die Gruppe insgesamt nicht mehr weiterkam. Möglich ist aber auch, dass manche nur ein GPS Gerät haben, aber keinen (aktuellen) Track für die Route von der Cabane des Dix zur Cabane des Cabane des Vignettes geladen haben. Bei Nullsicht im Gletschergebiet ist ein GPS ohne aktuellen Track (annähernd) genauso nutzlos wie kein GPS. Die Truppe war laut Berichten in einem Eishang blockiert, der Guide sei beim Versuch, die Hütte zu erreichen, abgestürzt. Wenn du "blind" von A nach B kommen willst, hilft dir das GPS nicht, wenn es dir nur deine aktuelle Position und das Ziel B anzeigen kann. Chancen tun sich - im Notfall - auf, wenn du bis auf wenige Meter genau einen in der Vergangenheit erfolgreich gegangenen Track folgen kannst. Der gekonnt sämtliche Spalten, Blankeisstellen und Kletterpartien umgeht.

2.
""Ist es nicht absurd, dass man 100 Meter von einer Schutzhütte weg stirbt."

Sie waren mutmaßlich nicht 100 Meter von der Schutzhütte entfernt. Sie waren ca. 100 Höhenmeter (!) von der Schutzhütte entfernt. Eine präzise Angabe über die räumliche Entfernung liegt meines Wissens noch nirgends vor, das können (und sind wahrscheinlich) auch Kilometer Entfernung gewesen. Eine (sehr grobe) Indikation über den Unglücksort findet man hier (https://f3.blick.ch/img/incoming/origs8326601/8526363129-w644-h960/20180...).

Wenn man die Streckenführung kennt (ich war dort schon mal) kann man anhand der Höhenlinie von 3270mt ungefähr abschätzen, wo sie waren (https://www.gaiagps.com/datasummary/track/0b9b7ecf0f48781e58ed5a42938b95...). Das sind über den Daumen gepeilt eher 1km Entfernung zur Hütte. Eine unvorstellbare Entfernung im Whiteout.

--

Herr Messner hat aber insgesamt natürlich Recht. Fakt ist, Unfälle am Berg basieren meist auf eine Kette von Problemen, von denen eines zum anderen führt, bis die Situation unlösbar wird. Was hier genau vorgegangen ist, aus welchem Grund der Bergführer die (mutmaßliche) Handlungsoption "Gruppe zurücklassen und alleine zur Hütte gehen" wählte, mit der Folge, dass die Gruppe auf einem vereisten Hang Biwakieren musste, wissen wir Stand heute noch nicht. Ob das Bauen einer Schneehöhle unmöglich war (weil: Eis oder Steine sind kein Schnee) oder bloß von niemandem beherrscht wurde, wissen wir auch nicht. Wir können nur vermuten, dass die Ausrüstung dafür (Schaufel) natürlich vorlag. Kein Skitourengeher geht ohne die klassische Lawinenausrüstung (Schaufel, Sonde, Artva) auf die Haute Route. *Falls* die Umgebungsvoraussetzungen gegeben waren (wir wissen es jetzt noch schlicht nicht) wäre es natürlich nochmal tragisch, wenn niemand, auch nicht der Bergführer, die Anweisungen dafür gegeben und umgesetzt hätte. Angesichts der vielen Tragödien der letzten Tage ein zu betrauernder Tag, heute.

Advertisement
Advertisement
Advertisement