Kultur | Baukultur

Ehrennadel in Gold 2022

Wer wissen will, wo es hingeht, muss wissen, wo er herkommt
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
aut. architektur und tirol
Foto: aut. architektur und tirol

In Zusammenarbeit mit der Architekturstiftung Südtirol / in collaborazione con la Fondazione Architettura Alto Adige.

Text: Ingried Tosoni

 

Dieses Jahr wurden von der Kammer der Architekten RLD der Provinz Bozen drei bedeutende Architekten postum geehrt. Hierfür wurde die Ehrennadel in Gold den Familienangehörigen überreicht:

- Arch. Othmar Barth

- Arch. Christoph Mayr Fingerle

- Arch. Carlo Azzolini

Dabei handelt es sich nicht nur um einen Blick zurück, sondern auch um einen Schritt nach vorne. Wer wissen will, wo es hingeht, muss wissen, wo er herkommt.  So ist es auch ihr geistiges und materielles Vermächtnis, das Anstoß für ein zukünftiges Haus der Architektur in Südtirol ist.


 

Arch. Othmar Barth

Wir beschäftigen uns andauernd mit der Fragestellung, was es bedeutet gute Architektur in einem alpinen Raum zu schaffen. Anders als in einem urbanen Umfeld ist der Wirkungsgrad einer Bebauung im alpinen Raum unglaublich hoch.

Othmar Barth hat sehr früh seine Fähigkeit und den Mut bewiesen, vorhandene provinzielle Bebauungstypologien zu brechen, um eine strikte Moderne in unseren alpinen Kontext zu bringen.

So sind seine Projekte ausschlaggebend für die Entwicklung der zeitgenössischen

Architektursprache in Südtirol.

Geboren 1927 in Brixen beginnt sein beruflicher Werdegang zunächst mit der Tischlerlehre in der Werkstätte des Vaters Johann Barth.
1947 zieht es den jungen Barth an die Technische Universität nach Graz, wo er - wie er selbst sagt - das Bauen als Handwerk zu verstehen begonnen hat.
1952 beendet er sein Diplomstudium in Graz bei Friedrich Zotter und Karl Raimund Lorenz.
1946-1953 lernt er im Büro von Architekt Wilhelm Weyhenmeyer in Bozen.

Anschließend arbeitet er für 3 Jahre in Rom im Planungszentrum des Olympischen Komitees und wirkt dort in der Planung des Olympiastadions im Atelier von Annibale Vitellozzi mit. Neben seiner Mitarbeitet an diversen Planungen für die Olympiabauten besucht er Vorlesungen von Pier Luigi Nervi.

Nach seinem Rom-Aufenthalt und gerüstet mit diesen bedeutenden Einflüssen auf internationalem Niveau, eröffnete er 1955 in seiner Heimatstadt Brixen sein eigenes Büro.
Othmar Barths Markenzeichen sind die Logik in der Assoziierung von Material und Struktur, die Liebe zum Detail und der Baustoff Beton.

1971 wird er an die Universität Innsbruck berufen, wo er 1975 seine Professur am Institut für Raumgestaltung und Entwerfen erhält. Professor bis 1993 wird er zum Mentor einer ganzen Generation. Er lehrt seinen Studenten Probleme zu erarbeiten und selbstständig Lösungen zu suchen.

Neben anderen Preisen erhält er 2006 den Ehrenpreis für sein Lebenswerk – Neues Bauen in den Alpen.

Seine Frau Gretl Barth wird als Ideenlieferantin und größte Kritikerin beschrieben.

Mit ledigem Namen Gretl Schödelbauer, studiert sie vorerst selbst auch Architektur. Kurz vor ihrem Abschluss jedoch, beschließt sie mit der Geburt der ersten Tochter ihr Studium zu beenden.

Frau Barth kann heute aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein.

Die Cusanus-Akademie ist in der Liste der Baudenkmäler in Brixen eingetragen.

 

Arch. Christoph Mayr Fingerle

Er war Architekt, Vermittler, Ausstellungsgestalter, Kurator, Herausgeber und öffentliche Person. Arch. Christoph Mayr Fingerle hat in seinem weitgefächerten Wirkungsfeld die Architekturkultur Südtirols in den knapp vier Jahrzehnten seines Schaffens erheblich mitgestaltet.

Erforschung und Offenlegung der Bautraditionen waren sein Grundstein für eine neue alpine Architektur. Durch sein Schreiben und seine rege Ausstellungstätigkeit zeigt er uns, dass Neues nur entstehen kann, wenn man die Geschichte kennt.

Christoph Mayr Fingerle studiert Architektur an der Technischen Universität Innsbruck und schließt sein Studium 1978 ab. 1981 gründet er sein eigenes Architekturbüro in Bozen. 1982 studiert er bei Prof. Raimund Abraham, aus New York, an der Akademie in Salzburg. Von 1983 – 1986 arbeitet er in der Bürogemeinschaft in Bozen mit Bernhard Kieser und Zeno Bampi als Baukanzlei Mayr Fingerle / Kieser / Bampi.

Von 1982-1992 ist er Kulturreferent der Architektenkammer. Er fördert in dieser Zeit den Aufbau der Kulturarbeit in der Architektenkammer mit zahlreichen Ausstellungen und Vorträgen und schafft es namhafte Referenten wie Herzog & De Meuron, Peter Zumthor und Achille Castiglioni nach Südtirol einzuladen.

1985 wird er Gründungsmitglied des Kunstvereins AR/GE Kunst – Galerie Museum in Bozen, deren Präsident er bis 1992 ist. Ab 1989 kuratiert er verschiedene Ausstellungen und Publikationen zum Thema "Alpine Architektur" und den Architekturpreis "Neues Bauen in den Alpen" der in Sexten vergeben wurde. Mit diesem Architekturpreis gelingt er einen Grundstein zu legen für ein neues Bewusstsein der spezifischen Qualitäten und Potenziale der alpinen Landschaft zur Entwicklung einer neuen zeitgenössischen Architektur im Alpenraum. Er hält zahlreiche Vorträge über Architektur und Stadtplanung, unter anderem in Wien, Zürich und London. Im Jahr 2005 gründete er das Institut für Alpine Architektur IFAA in Bozen. Von 2013 bis 2018 ist er Vorsitzender des Gestaltungsbeirates des Landes Tirol (Innsbruck).

In seinem Einsatz für die Stadtentwicklung Bozen machte es sich Christoph Mayr Fingerle zur Aufgabe Kollegen, die Bevölkerung und besonders auch die zuständigen Institutionen für die Zukunft der Stadt zu sensibilisieren. Er fand, dies der Gesellschaft schuldig zu sein, und scheute hierfür keine Konfrontation und Niederlagen.

In einem sehr liebevollen Nachruf des Südtiroler Künstlers Manfred Alois Mayr, von 2020 wird seine Suche nach Qualität so beschrieben:

„Christophs Kompromisslosigkeit in allem, was Architektur betraf, konnte sogar dazu führen, dass er als Gast gedeckte Tische „versetzte“ und sie im Raum nach seinem Gutdünken neu positionierte. Dabei bemerkte er nicht, dass er für den Gastgeber eine Grenze überschritt, denn Grenzen existierten für ihn nicht. Wenn schon wollte er sie abtasten auf der Suche nach Perfektion und Stimmigkeit.“

 

Arch. Carlo Azzolini

Nasce a Vipiteno nel 1948
Si laurea nel 1972 presso l’istituto Universitario die Architettura di Venezia con il prof. Giancarlo De Carlo.
Lavora a Bolzano con Klaus Kompatscher dal 1974, dove presto è entrato a far parte dello Studio Kompatscher come partner. In questo periodo sono nati edifici importanti realizzati per diversi comuni e la provincia, come per esempio il centro di formazione professionale die Bolzano, e l’istituto tecnico commerciale ad Ortisei. In seguito ha potuto dimostrare la sua versatilità con il centro educativo della "Claudiana" all'ospedale di Bolzano.

Vicino ai molti progetti realizzati si dedica con grande passione ad incarichi istituzionali. Per citarne solo una parte:
Nel 1979 diventa membro effettivo per la consulta per i beni culturali.
Dal 1993 al 1999 diventa socio rappresentante della Provincia di Bolzano all’EURAC.

Il suo impegno per il nostro gruppo professionale era instancabile, il che mostrava prima attraverso i suoi ruoli nel consiglio dell’ordine degli architetti per più di 10 anni come segretario e vicepresidente e come presidente dal 1982 al 1984.

Poi, dal 2011 al 2015 Carlo Azzolini è stato Presidente della Fondazione Architettura Alto Adige.

E´ stato per i colleghi dell’Ordine, della Fondazione e della Redazione turris babel una figura di riferimento. Per questo motivo vorrei citare alcuni suoi colleghi:

Chiunque conoscesse Carlo e quanto si godesse la vita, quanto appassionatamente potesse godere della bellezza della vita, quanto forte potesse parlare, festeggiare, ridere e cantare, difficilmente avrebbe potuto immaginare quanto serio e coscienzioso potesse essere nei suoi studi e nelle sue ricerche di architettura, studi e indagini. Oswald Zoeggeler

Carlo è stato per i colleghi dell’Ordine, della Fondazione e della Redazione una figura di riferimento, persona gentile, sensibile e colta.

Anche se di tanto in tanto trovava parole e atteggiamenti decisi, aveva sempre un'osservazione spiritosa pronta a raddrizzare qualsiasi irritazione della sua controparte trasformandola in umorismo con la necessaria autoironia. Wolfgang Piller

Le sue visite guidate attraverso la Città Vecchia e la Città Nuova di Bolzano non erano solo lezioni di urbanistica e architettura, erano anche un tentativo di integrare le persone per capirsi meglio.

La sua profonda conoscenza delle vicende urbanistiche e architettoniche della città di Bolzano e dell’intera Provincia lo aveva trasformato in una sorta di insostituibile memoria storica che trasmetteva e comunicava con numerose visite guidate o curando ricerche e mostre come l’ultima sua mostra, alla Galleria Civica: «Soldati, turisti e viaggiatori». Alberto Winterle

«Lavorare con lui significava risolvere ogni dubbio, sulla storia, l’urbanistica, sulle infinite trasformazioni del territorio. Una bella persona, ecco cos'era...» Alberto Winterle

 

Ein gutes neues Jahr 2023

 

Zusammen mit der Prämierung von Oswald Zoeggeler für sein Lebenswerk beim diesjährigen Architekturpreis Südtirol könnte man meinen, dass ein nostalgisches Jahr zu Ende geht. Doch mögen man es viel mehr als Aufbruch verstehen, als Grundlagenermittlung und Neuformierung. Ein starkes und fundiertes Fundament, auf das sich die Architekturszenen in Südtirol stützen kann, welches es jedoch gilt, zu bewahren und weiterzuentwickeln. Fußstapfen, denen man folgen kann, ohne jedoch die Wege zu wiederholen.

In diesem Sinne wünschen wir frohe Weihnachten, besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 

Die Kammer der Architekten RLD, die Architekturstiftung Südtirol und die arch.academy

 

 

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Josef Fulterer So., 18.12.2022 - 13:36

Trotz des ehrenamtlichen Einsatzes von Arch. Christoph Mayr Fingerle, ist es uns nicht gelungen das alte Schulhaus von Seis vor dem Abbruch zu retten.
Der gespürlose Bürgermeister Colli in seiner Gier nach persönlichen Denkmälern, hat dem Gemeinderat den Abbruch des architektonisch sehr wertvollen Gebäude von Seis aufgedrängt.
Die Landesregierung hatte recht leichtfertig, schon wieder einmal viel zu reichlich Geld in Aussicht gestellt, um das Naturpark-Haus "neu" zu bauen, obwohl das alte von der Gemeinde vernachlässigte Schulhaus, mit deutlich weniger Kosten, weitaus besser die Natur-Park-Aktivität und die Bibliotek gelöst hätte.

So., 18.12.2022 - 13:36 Permalink