Alpbach
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Tagebuch aus Alpbach

Über den eigenen Tellerrand blicken

Junge SüdtirolerInnen schreiben über ihre Eindrücke am Europäischen Forum Alpbach. Heute Martina Höllrigl* über zwingende Zukunftsfragen.
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Unglaublich, wie schnell die Zeit verfliegt – bereits Tag 14 in Alpbach und das überwältigende Gefühl, diese innere Spannung, die mich seit der ersten Stunde begleitet, hat mich noch nicht verlassen. Rückblickend erscheint mir die gemeinsame Anreise mit den anderen Stipendiaten aus Südtirol, der erste „Watter“ im Zug und das „Ölsardinengefühl“ inklusive des ersten multikulturellen Zusammentreffens im Bus von Brixlegg in das so friedlich wirkende Bergdorf Ewigkeiten entfernt. Heute, kurz vor Ende des Europäischen Forum Alpbach 2019, stell ich mir die Frage, was ich mir denn eigentlich von diesem Forum erwartet habe. Kultureller Austausch, neue Bekanntschaften – vielleicht sogar Freundschaften, Diskussionen, Abenteuer – ganz klar. Aber Alpbach ist – so schlussfolgere ich jetzt – weit mehr als ich mir erhoffen durfte. Es ist vor allem ein Ort, der einem jeden die Möglichkeit bietet, über den eigenen Tellerrand zu blicken, sich fremden, neuen und zu Beginn oft skurril wirkenden Ansichten und Meinungen zu stellen.

Ich persönlich finde, so sehr ich es mir auch vornehme, viel zu selten die Zeit, mich mit Themen abseits meines Studiums auseinanderzusetzen, meine Konzentration neuen Fragen und Thematiken zu widmen. Alpbach aber hat eine innere Neugierde in mir geweckt, die bis vor kurzem noch dahin schlummerte.

Wärend ich diese Zeilen schreibe, schweift mein Blick Richtung der Nationalflaggen, die sich vor dem Congress Centrum im Wind wenden. Erinnerungen an verschiedene Konversationen der letzten Tage schwirren durch meinen Kopf.

Was denken Studenten in Großbritannien über den Brexit, wie sehr unterscheidet sich der Alltag im Irak von meinem, kann Pflanzenzucht in Zukunft zur Ernährungssicherheit beitragen, vor welchen Herausforderungen steht die Leiterin eines Familienunternehmens in der Ukraine, wie steht es um die Meinungs- und Forschungsfreiheit der Universitäten im deutschen Sprachraum und welche Führungsmethoden verbessern die Kommunikation in Gruppen.

Dies sind nur einige der spannenden Gesprächsstoffe, aber dennoch geben sie einen kleinen Einblick in das breite Spektrum an Themen, die das Forum bietet und die ich mit nach Hause nehmen darf.

Ich spanne meine anfängliche Frage weiter und überlege, was ich darüber hinaus von Alpbach mit nach Hause nehmen möchte. Neugierde – vor allem. Neugierde auf Problemstellungen, Lösungsvorschläge und Themenbereiche außerhalb meines Studiums der Wirtschaftswissenschaften. Neugierde, aber auch auf der Suchen nach Antworten und das Aufkommen neuer Fragen möchte ich mit in meinen Koffer packen.

Die Neugierde steht immer zu Beginn eines Problems, das gelöst werden will.

Trotz, dass dieses Zitat von Galileo Galilei über 400 Jahre alt ist, beschreibt es noch immer sehr gut die Bedeutung von Neugierde für unsere täglichen Herausforderungen. Neugierde kann uns beim Herantreten und Lösen großer Probleme in die richtige Richtung lenken. Eines der drängendsten Probleme der Gegenwart, die Klimakrise, der wir uns zwangsweise stellen müssen, war bisher ein sehr präsentes Thema am diesjährigen Forum. Diesem Problem, das vor allem auch ein soziales Problem ist, den Vor-und Nachteile einer CO2-Steuer oder Klimaprämie, sowie der Notwendigkeit eines kulturellen Wandels, um dieser Krise Herr zu werden, werde ich in Zukunft versuchen, mehr Zeit zu widmen.

* Martina Höllrigl ist eine von 15 Stipendiatinnen, die durch den Club Alpbach Südtirol Alto Adige (CASA) die Möglichkeit erhalten haben, am Europäischen Forum Alpbach teilzunehmen. In diesem Tagebuch-Blog schreiben sie über ihre Eindrücke und Erfahrungen von diesem internationalen Kongress.

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