img_1877.jpg
©Katharina Pircher
Advertisement
Advertisement
Zweisprachigkeit

Sprachen lernen leicht gemacht

Das Amt für Zweisprachigkeit und Fremdsprachen der Autonomen Provinz Bozen beschäftigt sich seit Jahren mit der Förderung der deutschen Sprache als Zweitsprache sowie auch anderer Sprachen und Kulturen der Welt.
Advertisement
Advertisement

Ziel ist es der Bevölkerung der Provinz einen direkten und unmittelbaren Zugang zu den Sprachen zu eröffnen. Zwei Zentren unterstützen den Sprachunterricht und das Selbststudium: das Multisprachzentrum in Bozen und die Sprachenmediathek in Meran.

Wir haben Katharina Pircher, eine Sprachlernberaterin im Multisprachzentrum Bozen interviewt.

Frau Pircher: Sie sind ein Sprachlerntutor im Multisprachzentrum Bozen. Was genau sind Ihre Aufgaben?
Das Multisprachzentrum in Bozen und die Sprachenmediathek in Meran bieten sowohl das Material als auch eine Sprachlernberatung. Als Sprachlernberater begleiten wir Menschen, die selbstständig eine oder mehrere Sprachen lernen oder verbessern wollen. In der Beratung liegt der Fokus auf Planung, Durchführung und Evaluation des Lernens durch den Lernenden selbst. Ausgehend von Zielsetzung und Motivation, Interessen, Vorlieben und alltäglicher Situation zeigen wir Lernenden ein breites Spektrum der Lernmöglichkeiten und sie entscheiden aufgrund ihrer eigenen Erfahrung (mit dem Sprachenlernen) wie sie vorgehen wollen, wann und wo sie am liebsten lernen, mit welchem Material und ob bzw. mit welchen anderen Personen.
Weitere Treffen dienen dazu, eine Rück- bzw. Vorschau auf das Lernen zu halten: War meine Planung realistisch? Habe ich meine zeitlichen Möglichkeiten gut eingeschätzt? Komme ich mit den Lernmaterialien zurecht? Was brauche ich noch?
Zudem kann man beim autonomen Lernen außer den Sprachenkenntnissen auch die Selbstorganisation verbessern, die man gut auf andere Lebensbereiche übertragen kann.

Wie lange gibt es das Multisprachzentrum schon und wie kam es zu der Idee diesen Service anzubieten?
Das Multisprachzentrum ist Anfang der 80er Jahre als Forschungszentrum für die Zweisprachigkeit entstanden. Als Teil des Amtes für Zweisprachigkeit und Fremdsprachen hat es sich von Beginn an der Verbreitung und Verbesserung der Zweiten Sprache Deutsch gewidmet und Lehrpersonen in ihrem Auftrag unterstützt. In den 90er Jahren hat sich die Ausrichtung geändert. Es ist für das Publikum geöffnet und zu einem Selbstlernzentrum geworden. Mit den Jahren ist auch das Interesse an anderen Sprachen wie z. B. Englisch, Französisch, Spanisch, aber auch Russisch, Chinesisch und Arabisch gewachsen, sodass das Multisprachzentrum auch hier viele Materialien und Dienste für alle Altersstufen und Sprachniveaus anbieten kann. 2002 ist die Sprachenmediathek als „kleines Multisprachzentrum“ in Meran“ eröffnet worden und so hatte nun auch Bevölkerung im Burggrafenamt die Möglichkeit die Dienste in ihrer Nähe zu nutzen. Das vielfältige und ständig aktualisierte Angebot von Papier- und Multimedia-Materialien ist mittlerweile ein Bezugspunkt für ein breites Besucherpublikum und wird sowohl von Sprachlehrern als auch von Selbstlernern sehr geschätzt. Die intensive Nutzung des Zentrums auch von Seiten der ausländischen Bevölkerung macht das Multisprachzentrum und die Mediathek zu Orten der Begegnung und des Austauschs und zu multikulturellen Treffpunkten.

Wird der Service gut angenommen, haben Sie viele Besucher?
Im letzten Jahr sind etwa 38.000 Bibliotheksbesuche im Multisprachzentrum und 28.000 in der Sprachenmediathek mit insgesamt 4.200 aktiven Nutzern und 2.000 Neueinschreibungen verzeichnet worden. Die Zahlen bestätigen, dass Bibliotheken und Dienstleistungen gut angenommen werden. Ca. 360 Personen haben eine Sprachlernberatung, etwa 70 eine Beratung zu den Sprachzertifikaten für Deutsch in Anspruch genommen und mehr als 700 Schüler sind im Rahmen der Klassenführungen, die wir in verschiedenen Sprachen anbieten, zu uns bekommen.

Für welche der angebotenen 20 Sprachen gibt es die größte Nachfrage?
Die meisten Nutzer kommen in die Sprachzentren, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Aber es gibt auch eine große Nachfrage für Englisch und von Seiten der ausländischen Bevölkerung für Italienisch. Französisch und Spanisch liegen ungefähr gleich auf. Die Liste der Sprachen außerhalb Europas führt Russisch an, gefolgt von Arabisch.

Das Multisprachzentrum bietet 18.000 Medien in Papier- sowie multimedialer Form an. Welche Lernmittel und Medien werden bevorzugt genutzt?
Die beiden Zentren verfügen insgesamt über etwa 28.000 Medien. Die Sprachlerner bevorzugen nach wie vor die klassischen Papiermaterialien, obwohl auch diese heutzutage meist mit einer Audio-CD ausgestattet sind bzw. einem Internetlink, um die Audiodatei herunterzuladen. Davon finden Vorbereitungsunterlagen für die Zweisprachigkeitsprüfung und entsprechende Zertifikate, vereinfachte Lektüren und Zeitschriften großen Anklang. Etwa ein Drittel der ausgeliehenen Materialien sind aus dem Multimedia-Kontext. Hier führen Homevideos und Hörbücher für Kinder und Erwachsene die Liste an. Auch unser Internetportal wird gut genutzt, denn es bietet interessante Links für viele Sprachen. 2017 hatten wir etwa 15.000 Zugriffe darauf. Die Nutzung von authentischen Texten, seien es Bücher, Filme, Podcasts oder Musik ist uns ein großes Anliegen, sind doch sie es, die Sprache und Kultur direkt vermitteln. Dafür haben wir viele Tipps fürs Sprachenlernen je nach Medium zusammengestellt.

Bemerken Sie altersabhängige Unterschiede in der Nutzung? Bevorzugen Jugendliche z.B. eher digitale Lernmittel als Bücher?
Jugendliche bevorzugen bei uns vereinfachte Lektüren, Hörbücher und Comics in ihren gewünschten Zielsprachen. Sie verwenden auch gerne den Computer zum Sprachenlernen.

Das Multisprachzentrum bietet auch spezifische Lernmaterialien zur Vorbereitung auf verschiedene international anerkannte Fremdsprachenzertifikate. Wie viele Ihrer Nutzer kommen, um sich auf die Zweisprachigkeitsprüfung vorzubereiten?
Fast die Hälfte aller Nutzer kommt zu uns, um sich in der Zweiten Sprache zu verbessern bzw. sich auf die Zweisprachigkeitsprüfung oder ein anerkanntes Sprachenzertifikat vorzubereiten.

Die Tutoren bieten jedem 4 kostenlose Gespräche pro Jahr an. Sehen Sie in dieser Zeitspanne den Fortschritt ihrer "Schüler"?
Motivierte Lernende können innerhalb eines Jahres große Fortschritte erzielen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen einen Überblick über die Lernmöglichkeiten zu geben, sei es in unseren Zentren oder außerhalb, sei es in Südtirol oder außerhalb des Landes. Wir möchten unsere Lerner sensibilisieren, dass man Sprachen auf vielfältige Arten lernen kann: Informelle Lernkontexte gibt es in Südtirol zahlreiche und mit etwas Neugier und Achtsamkeit kann man ganz viel auch „nebenbei“ lernen.
Viele Ratsuchende kommen nur einmal oder zweimal zu uns, finden dann für sich einen Weg zum Weitermachen und kommen wieder als selbständige Nutzer in unsere Zentren.

Sie bieten auch Filmabende mit ausgesuchten Filmen in der Originalsprache und Konversationsgruppen an. Wie ist der Zulauf bei diesen Angeboten?
Im Multisprachzentrum werden regelmäßig Filme in Originalsprache angeboten. Unsere Filme werden zudem in Meran im Kulturzentrum und in der Bibliothek Endidae in Neumarkt gezeigt. Letztes Jahr gab es 31 Vorstellungen mit über 560 Besuchern. In der Sprachenmediathek findet zweimal im Monat abends das Sprachcafé statt. 2017 hatten wir 450 Besucher bei dieser Veranstaltung. Während des Schuljahres organisiert die Sprachenmediathek einmal wöchentlich zu Mittag den „English Conversation Club“, bei dem voriges Jahr rund 130 Personen ihr Englisch praktizieren konnten.
Wir informieren unsere Nutzer auch über andere Sprachlernmöglichkeiten wie z. B. das Sprachvolontariat mit den Initiativen „Ich gebe mein Deutsch weiter“ und „Parla con me“, das Sprachcafé im Papperlapapp in Bozen, das Projekt Tandem - Sprachenlernen im Austausch und andere Veranstaltungen, die im Laufe des Jahres stattfinden.

Advertisement

Kommentar schreiben

Advertisement
Advertisement
Advertisement