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PISA: Private besser

Pisa 2018: Private schneiden besser ab

In PISA 2018 haben die privaten Schulen vor allem im Lesen besser abgeschnitten als die öffentlichen Schulen. Dies gilt auch für die italienische Sprachgruppe.
Community-Beitrag von Franz Hilpold03.02.2020
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Pisa 2018: Private Schulen schneiden besser ab als andere Schulen

In Italien besuchten im Schuljahr etwa 879.158 Schülerinnen und Schüler eine gleichgestellte Privatschule, das sind 10,44 % der Gesamtschülerzahl von 8.420.972. Der größte Anteil fällt mit 541.447 (= 62%  aller Privatschüler) auf die Kindergärten. In der Oberschule  besuchten in Italien 105.127 Schüler/innen (= 4,0 %) eine gleichgestellte (paritaria) private Einrichtung.

In Südtirol gab es 2017/18 in der Oberschule zehn Privatschulen, fünf deutsche und fünf italienische (mit sechs Fachrichtungen), die von insgesamt 1.079 (= 3,6 %) Schülerinnen und Schülern besucht  worden sind. Unter den deutschen privaten Oberschulen unterscheiden wir drei gleichgestellte in kirchlicher Trägerschaft (Franziskaner, Vinzentinum und Maria Hueber), eine gleichgestellte in nichtkirchlicher Trägerschaft (Waldorf Brixen) und eine nicht gleichgestellte aber anerkannte Privatschule (Waldorf Bozen). In der italienischen privaten Oberschule sind von den fünf zwei in kirchlicher Trägerschaft (Rainerum mit Realgymnasium und technischer Fachoberschule und die „Marcelline“).  Die anderen drei (das Realgymnasium  mit Schwerpunkt angewandte Naturwissenschaften - Landesschwerpunkt Sport "G.Toniolo", das  sozialwissenschaftliche Gymnasium "S. Pertini" und die Fachoberschule für Wirtschaft "Walther" ) sind in nichtkirchlicher Trägerschaft.

Zu den Leistungsergebnissen:

In Italien gibt es beschränkt auf die Gymnasien kaum einen Unterschied zwischen den privaten und öffentlichen Schulen was die Mathematik und die Naturwissenschaften betrifft. Im Lesen sind die Gymnasiasten der öffentlichen Schulen leicht im Vorteil gegenüber den Kolleginnen und Kollegen der privaten Schulen. In den Fachoberschulen ist die Situation ähnlich. In den Fach- und Berufsschulen hingegen haben die privaten Schülerinnen und Schüler in allen drei Fachbereichen einen deutlichen Vorsprung gegenüber den Schülern in den öffentlichen Schulen. So erreichen z. B. die privaten Fachschüler in den Naturwissenschaften den Wert 485, während ihre Kolleginnen und Kollegen in den öffentlichen Schulen nur auf 395 kommen.

In Südtirol haben in allen drei PISA – Fachbereichen die privaten Gymnasien deutlich die Nase vorne. Das gilt sowohl für die deutsche als auch für die italienische Oberschule. In den ladinischen Tälern gibt es kein privates Gymnasium. Ein Vergleich mit allen Oberschulen in Südtirol ist unzulässig, da der größere Teil der betreffenden privaten Schulen Gymnasien und somit schon vom Schultyp her leistungsstärker sind und demnach nur mit Gymnasien verglichen werden können. Wie bei den anderen Schulen sind auch hier die privaten deutschen Gymnasien gegenüber den privaten italienischen im Vorteil.

Südtirol gesamt

Leseverständnis

Mathematik

Naturwissenschaften

Private Gymnasien

560 (8,77)

577 (7,51)

551 (8,04)

Öffentliche Gymnasien

531 (4,47)

544 (4,26)

523 (4,60)

In Klammern Standardfehler

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OECD (2018) | Bearbeitung Franz Hilpold

Ähnlich ist der Unterschied zwischen Privaten und Öffentlichen in der deutschen Schule in Südtirol:

Südtirol – deutsche Schule

Leseverständnis

Mathematik

Naturwissenschaften

Private Gymnasien

574 (11,18)

588 (11,01)

562 (11,11)

Öffentliche Gymnasien

536 (5,49)

551 (5,63)

530 (6,09)

In Klammern Standardfehler

suedtirol_deutsch.jpg
OECD (2018) | Bearbeitung: Franz Hilpold

Das Vinzentinum steht mit 577 Punkten gemeinsam mit dem Franziskanergymnasium an erster Stelle, das pädagogische Gymnasium „Maria Hueber“ folgt bald darauf mit 565 Punkten. Dazwischen  schieben sich das Realgymnasium Schlanders, jenes von Bruneck und die TFO Brixen. Sehr gut platzieren sich auch die Realgymnasien von Meran, Brixen und Bozen, sowie die TFO Bozen und das Humanistische Gymnasium Bozen. In Mathematik allerdings liegen die beiden TFO Bozen (617) und Brixen (611) sowie das Realgymnasium Bruneck (602) vorne, darauf folgen die Franziskaner, die auch noch auf 600 Punkte kommen. Diese Reihenfolge wird in etwa auch in den Naturwissenschaften eingehalten.

Worauf sind die guten Ergebnisse der privaten Schulen zurückzuführen? Gewiss nicht auf eine Selektion der Schülerinnen und Schüler. Wenn es eine solche dereinst gegeben haben sollte, sind diese Zeiten längst vorbei. Eher findet, wenn schon, eine Art Autoselektion der Schüler und des Elternhauses statt, d.h. man wählt eine private Schule, weil man sich zutraut, die (tatsächlichen oder geglaubten) Ansprüche der Schule zu schaffen, weil man in der Mittelschule sehr gute Leistungen hatte, weil das Angebot der Schule gefällt usw. Die Schulgebühren sind tragbar, wobei das Gymnasium „M. Hueber“ wie eine öffentliche Schule zu betrachten ist. Möglicherweise herrscht bei den Schülerinnen und Schüler ein großes Maß an Identifikation mit der Schule, die Einstellung zur Schule ist bei einem Großteil der Schüler/innen sehr positiv. Es mag auch der Fall sein, dass die Schüler/innen die konsequenten Leistungsanforderungen in diesen Schulen gewohnt sind und dieses Leistungsniveau auch beim PISA-Test einbringen.

Ein Vorteil der kirchlichen Privatschulen auf deutscher Seite ist ihr eindeutiges, in der Öffentlichkeit bekanntes Profil, das nicht durch die Oberschulreform von 2011 verwässert worden ist, wie es durch so manchen Schulzusammenschluss in den öffentlichen Schulen geschehen ist, wobei sich letztere bemühen, den Nachteil durch ein breiteres Bildungsangebot wettzumachen.

Nichtsdestotrotz muss darauf hingewiesen werden, dass in all den genannten Schulen der sozioökonomische und kulturelle Familienhintergrund überdurchschnittlich ist: am höchsten bei den Franziskanern, dann beim Gymnasium „Hueber“ (3.) und beim Vinzentinum (5.). Dazwischen liegt das Realgymnasium Meran (2.) und das Realgymnasium Bruneck (4.). Der sozioökonomische und kulturelle Hintergrund wird mit der Variablen ESCS (economic, social and cultural status) gemessen, die zwar nicht sehr präzise misst, aber doch einen akzeptablen Hinweis auf den sozialen Status bietet. Dabei wird der Mittelwert der OECD auf 0 gesetzt, die positiven Werte weisen auf einen OECD – bezogen überdurchschnittlichen Status hin, die negativen Werte entsprechend auf ein unterdurchschnittliches Level. Die Franziskaner kommen auf einen Wert von 0,597, darauf folgt das Realgymnasium Meran mit 0,527, danach sinken die Werte deutlich. 10 deutsche Schulen haben einen positiven Index ESCS, alle anderen einen negativen. Der Südtiroler Durchschnitt beträgt -0,198, in der deutschen Schule -0,150, in der italienischen Schule -0,332 und in den ladinischen Tälern -0,195.

Das Land vergisst seine Privatschulen nicht und fördert sie mit beträchtlichen Mitteln. Dies ermöglicht einerseits den Zugang zu diesen Schulen auch für weniger finanzstarke Familien, weil das Schulgeld niedriger gehalten werden kann und andererseits gelingt es dadurch diesen Schulen ein attraktives und reichhaltiges Lernangebot zu realisieren. Der Artikel 33 der Verfassung lässt grüßen, aber an den hält sich auch der Staat nicht. Dazu ein etwas älterer aber immer noch aktueller Artikel  von Christoph Franceschini: Geld für Fränzi & Co.

In der italienischen Schule sind es die beiden von Sozialgenossenschaften getragenen Privatschulen, welche den höchsten ESCS- Index aufweisen. Die „Toniolo“ hat mit 0,690 sogar einen höheren Backgroundwert als die Franziskaner, darauf folgt die „Pertini“ mit 0,445 und die „Marcelline“ mit 0,265, also drei Privatschulen an erster Stelle. In der Leseleistung liegen die Marcelline mit 559 Punkten unmittelbar vor dem Realgymnasium „Toniolo“ (555 Punkte), 10 deutsche Schulen sind allerdings besser. In Mathematik müssen die Privatschulen dem öffentlichen Realgymnasium „Evangelista Torricelli“ in Bozen den Vortritt lassen, das mit 592 Punkten an die besten deutschen Schulen heranreicht. Daran schließt mit etwas Rückstand das Realgymnasium „Toniolo“ mit 573 Punkten an.

Noch ein Wort zu den Vergleichen der Schularten. In PISA werden fünf Schularten unterschieden: Gymnasien, Fachoberschulen, Fachschulen (in der deutschen Schule in Südtirol abgeschafft) , Mittelschulen und Berufsschulen. Zu den ersten beiden werden Schulen unterschiedlichsten Typs zusammengefasst, sodass die Vergleiche hinken. Zu den Realgymnasien und humanistischen Lyzeen mit hohen PISA –Werten werden sozialwissenschaftliche und pädagogische Gymnasien sowie Mischlyzeen gesellt mit deutlich niedrigeren Leistungszahlen. Ebenso werden zu den technischen Fachoberschulen, die alle hoch punkten, die eher mittelmäßigen wirtschaftlichen Fachoberschulen dazugerechnet, was natürlich das Bild etwas verfälscht.

Die Daten zu diesem Artikel sind dem database der OECD entnommen, siehe Quellen.

Die statistische Signifikanz der Vergleichswerte kann über den Standardfehler ermittelt werden.

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Kommentare

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Georg Lechner 03.02.2020, 18:59

Kleine Zusatzfrage: Waren die Schülerzahlen pro Klasse ähnlich oder gab es da Unterschiede? Hintergrund: In kleinen Klassen muss man wahrscheinlich bis fix damit rechnen, auch zur Mitarbeitsüberprüfung dranzukommen. Damit ist es sehr ratsam, vorbereitet zu sein.

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Franz Hilpold 03.02.2020, 19:37

Die Klassenstärken waren sehr ähnlich, insbesondere bei den katholischen Gymnasien sind eher größere Klassen, stets aber im Rahmen des Gesetzlichen. Es stimmt, dass man in kleineren Klassen öfter 'drankommt' und sich nicht so leicht verstecken kann, aber wie auch in der Hattie-Studie gezeigt worden ist, haben die Klassengrößen keinen entscheidenden Einfluss auf die Lernleistung, wenn sich diese innerhalb eines bestimmten Rahmens bewegen.

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Franz Hilpold 04.02.2020, 12:14

Der Genauigkeit halber: Klassenstärke dt. private Gymnasien: 25,0 Stdf. 0,18
it.private Gymnasien: 23,8 Stdf. 1,00. Der Unterschied ist nicht signifikant.

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