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Amazonas-Synode

Aufruf zu kirchlichem Ungehorsam

Vielleicht ist es besser, wenn das derzeitige priesterzentrierte, sexistische, zentralistische und absolutistische System von Kirche ganz zusammenbricht.
Community-Beitrag von Robert Hochgruber04.03.2020
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Das nachsynodale Schreiben Querida Amazonia (12.2.2020) von Papst Franziskus hat meiner Meinung nach seine Glaubwürdigkeit sehr beeinträchtigt – trotz zukunftsweisender ökologischer Visionen. Hatte er doch im Vorfeld die Bischöfe aufgefordert, mutige Vorschläge zu machen. Hatte die Bischofssynode doch mit 2/3 Mehrheit Ausnahmen in Richtung verheirateter Priester beschlossen. Und nun ein Schreiben, in dem die Frage des Pflichtzölibates nicht erwähnt wird und Frauen mit vagen Zusicherungen und Selbstverständlichkeiten abgespeist werden. Franziskus hat nicht nur die Bischöfe vor den Kopf gestoßen, sondern die Hoffnungen vieler auf kleine Schritte in Richtung Reform bis auf weiteres schwer enttäuscht. Ich habe den Eindruck, dass auch er alles in der Kirche so belassen möchte wie bisher. Er hatte wohl nicht den Mut und die Kraft, vielleicht auch nicht den Willen, ein Zeichen gegen konservative Kreise in der röm. Kurie und gegen verschiedene Bischöfe zu setzen. Dies tut mir für uns Gläubige und für die Kirche sehr leid.

Der emer. Bischof Erwin Kräutler erklärte öffentlich, er wisse nicht, wie er das Schreiben den Gläubigen erklären solle und dass der Pflichtzölibat offensichtlich über die Eucharistie gestellt würde. In der italienischen Tageszeitung Fatto Quotidiano war zu lesen, dass Papst Franziskus wohl die Kirche lieber langsam sterben lassen wolle als Reformen zu wagen. Selbst der dem Papst sehr gewogene Wiener emer. Pastoraltheologe Paul Zulehner zeigte sich verwundert bis entsetzt über die Äußerungen von Franziskus im besagten Dokument und ließ nur zarte Hoffnungen aufkommen. Der Papst habe wenigstens keine Türen zugeschlagen. Ich frage mich, welche offen waren. Heribert Prantl rechnete in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung schonungslos mit der derzeitigen Leitung der Kirche ab. In einem Artikel auf Spiegel.de wurde die derzeitige Situation des Systems Kath. Kirche mit den Umwälzungen im Jahre 1989 in der DDR und im Ostblock verglichen, wobei die Redakteurin zum Schluss kam, dass in der Kirche nur mehr beten helfe. Der Vatikanist Marco Politi spricht in seinem jüngsten Buch von einem „heimlichen Bürgerkrieg“ gegen Franziskus im Vatikan. Zugleich hofft er auf Überraschungen durch Papst Franziskus in der Schlussphase seines Pontifikates. Selbst die Kath. Männerbewegung Südtirols hat das päpstliche Dokument als rückwärtsgewandt und gesellschaftsfremd abgelehnt. Kath. Frauenbewegungen des deutschen Sprachraums inklusive der Kath. Frauenbewegung Südtirols (kfb) sprachen sich öffentlich für eine Gleichbehandlung der Frauen bis hin zur Priesterweihe aus. Die geistliche Assistentin der kfb und Professorin für Neues Testament an der Phil.-Theol. Hochschule Brixen Maria Theresia Ploner betonte, dass die Frau in der Kirche diskriminiert sei und dass das Weiheamt der erste dringende Schritt hin zu einer gleichberechtigten Kirche sei.

Ja, ich rufe zu kirchlichem Ungehorsam auf, weil ich darin die derzeit einzige sinnvolle Lösung sehe.

Was tun also? Sollen wir weiterhin über die schlimmen, ja teilweise unchristlichen Zustände in der Kirche klagen, sollen wir austreten oder uns unbemerkt verabschieden, sollen wir Unterschriften für eine Kirchenreform sammeln, wie beim Kirchenvolksbegehren vor 25 Jahren, sollen wir Vertreter der Diözesanleitung zu Gesprächen einladen?

Ständig jammern tut nicht gut, glaube ich. Das Kirchenvolksbegehren hat die Diözesan- und röm. Kirchenleitung ausgesessen, wie auch Reformvorschläge im Rahmen der Diözesansynode 2013-15. Gespräche wurden zahlreiche geführt, Argumente ausgetauscht. Ich bin inzwischen der Meinung, dass im heutigen System von Kirche dies alles praktisch nichts nützt, denn die Macht zur Umsetzung liegt ausschließlich bei der Leitung. Viele Gläubige haben sich verabschiedet. Austreten ist bei uns ja nicht nötig. Die Kirchenbesuchszahlen sprechen für sich und der Priestermangel auch. Der Seelsorgenotstand scheint allen anderen, nur nicht der Kirchenleitung bewusst zu sein. Sollen wir also warten, bis der Karren Kath. Kirche ganz im Straßengraben gelandet ist?

Noch ist einiges möglich, bin ich überzeugt. Wir Gläubige und alle Menschen guten Willens können handeln. Wir, die wir von der Faszination des Evangeliums und seiner konkreten Bedeutung für die Menschen von heute, erfüllt sind, können etwas tun. Dies dürfte allerdings nicht ohne kirchlichen Ungehorsam möglich sein.

Vielleicht ist es besser, wenn das derzeitige priesterzentrierte, sexistische, zentralistische und absolutistische System von Kirche ganz zusammenbricht.

Ja, ich rufe zu kirchlichem Ungehorsam auf, weil ich darin die derzeit einzige sinnvolle Lösung sehe. Ich werde einige Beispiele – keineswegs vollständig und unumstritten – aufzeigen.

  • Streiken: Als die Frauen von Maria 2.0 im Mai 2019 eine Woche lang gestreikt haben und die Gottesdienste vor der Kirche abgehalten haben, sind die Bischöfe nervös geworden, auch Bischof Ivo Muser. Warum nicht einen Monat oder länger streiken? Nur durch Streiks sind fast immer die Frauenwahlrechte erreicht worden, die Rechte von Arbeiter*innen! Fridays for future hat eine junge Frau durch nicht genehmigte Streiks in der Schule angeregt. Es wurde eine weltweite Bewegung gegen den Klimawandel daraus! Fridays for the future church.
  • Gottesdienste ohne Priester durchführen und trotzdem Brot brechen und Wein / Saft trinken, sei es zu Hause oder in bzw. vor der Kirche. Hätte Jesus etwas dagegen? Haben das nicht auch die ersten Christ*innen getan? Die Kirchenleitung kann derzeit geweihte Priester nicht mehr garantieren, also ist Selbsthilfe angesagt.
  • Wort-Gottes-Feiern gleichwertig mit Eucharistiefeiern durchführen: Die Kommunion wird trotz Verbot in der Diözese ausgeteilt. Wenn alle Wortgottesleiter*innen einer Pfarrei das tun würden, könnte die Diözesanleitung nichts ausrichten. Die Pfarrer Initiative Österreich hat schon 2011 dies als priesterlose Eucharistiefeier bezeichnet und dazu aufgerufen.
  • Pfarrer weigern sich, mehr als eine Pfarrei zu übernehmen. Zwei Pfarrer in Südtirol machen dies bereits vor. Pensionierte Priester übernehmen keine Aushilfen mehr. Wenn 5, 10 oder mehr Priester dies tun würden, würde das derzeitige System der Seelsorgeeinheiten zusammenbrechen. Es wäre nicht schade darum. Ich halte sie für eine schleichende Bankrotterklärung.
  • Bischöfe weihen verheiratete Männer aufgrund des Seelsorgenotstandes zu Priestern. Das wäre kirchenrechtlich gültig, wenn auch nicht erlaubt. In der ehemaligen Tschechoslowakei ist dies in der Notsituation geschehen. Dort wurden auch Frauen zu Priesterinnen geweiht, die heute noch leben. Ein Bischof würde wohl seine Absetzung riskieren. Aber wäre es das nicht wert? Nicht auszudenken, wenn mehrere Bischöfe dies beschließen würden oder eine Bischofskonferenz. Der Kapuziner Walbert Bühlmann hat das schon in den 90er Jahren vorgeschlagen.

Ich kann auch mit weniger radikalen Vorschlägen aufwarten.

  • Laienpredigt: Ausgebildete Laien / Religionslehrpersonen werden trotz Predigtverbot vom Pfarrer eingeladen, die Predigt zu halten und entsprechend gewürdigt. Das Wort Gottes soll ja zeitgemäß und vielfältig verkündet werden.
  • Wenn ein Bischof schon Frauen gleichwertig behandeln will, kann er heute schon den Kurienrat sowie den Bischofsrat mit 50 Prozent Frauen besetzen – wohlgemerkt mit Stimmrecht. Auch der Papst könnte entsprechende Schritte setzten. Das würde neue Sichtweisen einbringen und Lippenbekenntnisse erübrigen.
  • Die Leitung von Pfarrgemeinden wird hauptverantwortlich an Laien haupt- oder nebenamtlich übertragen. Die Diözese Linz macht es vor. Wenn bei unserer Diözesanleitung die Einsicht dafür da ist, sind die Finanzen ein geringes Problem. Ehrenamtliche zu finden ist derzeit bereits schwierig. Wen wundert es! Die Betonung der Mitarbeit der Laien ist Augenauswischerei und systemstützend. Die Initiative Maria 2.0 schlägt eine paritätische Leitung mit einer Frau für Pfarrgemeinden und Bischofsstühle vor. Ich bin überzeugt, dass die Entscheidungsmacht vom Pfarramt entkoppelt werden muss.

Übrigens gibt es den kirchlichen Ungehorsam bereits. Ca. 90 Prozent der Katholik*innen halten sich nicht mehr an die kirchl. Sexualmoral. Der Gottesdienst am Sonntag wäre auch verpflichtend. Nur 10 bis 25% sind gehorsam. Die Mitglieder der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche waren beim Kirchenvolksbegehren 1995 ungehorsam, denn Bischof Egger hat sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen. Ich bin nicht mehr bereit, Wort-Gottes-Feiern in meiner Pfarrei zu halten, auch wenn ich es gerne tun würde. Die Bedingungen dafür scheinen mir nicht annehmbar. Als Lektor und Mesner bin ich nach wie vor tätig, weil Kirche Gemeinschaft und Sinn stiftet. Aber beim Gegrüßt seist du Maria lasse ich die Bitte für mich als Sünder schon lange aus.

Beim Gegrüßt seist du Maria lasse ich die Bitte für mich als Sünder schon lange aus.

Manchmal denke ich mir, dass nicht Reförmchen, sondern Systemänderungen, die der heutigen Zeit entsprechen, vonnöten sind. Vielleicht ist es besser, wenn das derzeitige priesterzentrierte, sexistische, zentralistische und absolutistische System von Kirche ganz zusammenbricht. Synodalität d.h. demokratische Strukturen sowie eine zeitgerechte Sprache und Theologie d.h. eine mystische, die die Göttlichkeit in jeder, in jedem einzelnen betont, nicht Sündhaftigkeit und Moral wären gefragt. Es könnte sein, dass Papst Franziskus mit seiner Verweigerung von Reformen unabsichtlich den Weg für eine große Umwälzung bereitet.

Das Magnifikat stimmt mich zuversichtlich. Dort beten wir: Gott „vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten und zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; …. er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“. Dies gilt wohl auch für die Kirche und ihre Leitung, meine ich.

 

*geschrieben aus der Erfahrung als Mitglied der Diözesansynode 2013-15 und als ehemaliger Vorsitzender der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche, die im Herbst 1995 das Kirchenvolksbegehren durchgeführt hat. 18.284 Personen hatten für weitreichende Reformen unterschrieben.

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Kommentare

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Georg Lechner 04.03.2020, 17:26

Beim Credo lasse ich fast alles aus.

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Sigmund Kripp 04.03.2020, 21:53

Danke Robert für diese Gedanken.

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Luis Durni 05.03.2020, 05:39

...Der Gottesdienst am Sonntag wäre auch verpflichtend. Nur 10 bis 25% sind gehorsam....
Der Rest trifft sich im Einkaufszentrum.
Diese Begegnungsstätten sind Kund*innenfreundlich.
Leider scheint das Konsumverhalten von Franziskus nicht in diese Richtung zu gehen.
Robert wünscht sich ein nichtsexistisches, mit machtlosen Priestern, lebendiges Abhalten uralter Rituale mit vielen Gehorsamen.
Am besten funktionieren Einkaufszentren mit Kinderspielplätze, Nagelstudios, Fastfoodrestaurants, Kinos, Spielhallen und Dicos. Alles Teufelswerk

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Georg Lechner 05.03.2020, 10:23

Im Einkaufszentrum bin ich noch seltener....Fastfood ist gar nicht meins.
Ich denke nicht, dass Robert auf uralte Rituale steht - auf Gehorsame schon gar nicht (Befürwortung von Kirchenstreik).

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Georg Lechner 05.03.2020, 10:27

Teufelswerk? Wo sollen Teufel herkommen, wo die Hölle doch nur ein Konstrukt der Theologen ist - sagte zumindest der Startheologe und benedizierte Kirchenlehrer Thomas von Aquin....

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ceteris paribus 05.03.2020, 10:02

Sie fragen allen Ernstes ob es vielleicht besser sei, wenn ein Verein der priesterzentriert, sexistisch, zentralistisch und absolutistisch ist, zusammenbricht??

Vielleicht?

Dieses Gezaudere macht sprachlos.

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elisabeth garber 05.03.2020, 10:17

Toller Text von Herrn Hochgruber, vom Anfang bis zum Ende.
Der Kommentar (05.03.2020, 05:39 Uhr/L. D.) bestätigt nur das fundamentale und mittelalterliche Räsonieren in weiten Teilen des Katholizismus, der sich genau so...nach und nach selber abschafft.

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Georg Lechner 05.03.2020, 10:41

Ich finde den Text von Robert Hochgruber auch sehr gut - wie auch den verlinkten von Heribert Prantl.
Beim Kommentar von L.D. habe ich eher die Ablehnung dessen herausgelesen, worum es Robert im Artikel ging, nämlich einer Gemeinschaft im Geiste der Bergpredigt (das ist den Tribalisten und ihren Geldgebern ein Dorn im Auge).

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Meister Haus 05.03.2020, 10:59

„Es könnte sein, dass Papst Franziskus mit seiner Verweigerung von Reformen unabsichtlich den Weg für eine große Umwälzung bereitet.“ Sehr gut, vielleicht hofft er insgeheim sogar darauf. Immer und ewig brav auf die Erlaubnis von oben zu warten führt nirgendwohin. Das ist gerade die patriarchale Gehorsamsmentalität in uns selber, die dem zu lösende Problem zugrunde liegt. Neue Wege, die wirklich Kraft haben, müssen heute von den Menschen selber gebahnt werden.

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Robert Hochgruber 06.03.2020, 10:53

Ein Zusatz: Sogar die Diözesanleitung ist ungehorsam gegenüber Papst Franziskus. Gemäß der Enzyklika Laudato si (2015) müsste die Landwirtschaft biologisch nachhaltig sein. Die Diözesane Vermögensverwaltung hat ihre landwirtschaftlichen Betriebe bisher nicht umgestellt.

Bild des Benutzers Meister Haus
Meister Haus 08.03.2020, 22:43

Und der Vatikan hat bis heute die Menschenrechtskonvention nicht unterschrieben. Die Gleichheit von Mann und Frau muss er in seinen Institutionen deshalb auch nicht umsetzen.

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Alois Abart 22.03.2020, 23:21

Geschätzter Herr Hochgruber,
da ich nur 1 mal pro Monat auf "Salto.bz" bin, habe ich Ihren Beitrag erst jetzt gelesen. Ich wollte vor 4 Wochen in den Dolomiten und Katholisches Sonntagsblatt meinen Artikel über diese sog. Reformbewegung hier in diesem Lande pubblizieren, bin aber durch die verschiedensten Umwälzungen nicht mehr dazu gekommen. Trotzdem möchte ich ihn aber jetzt und hier veröffentlichen, auch Ihnen, weil ja gerade auch Sie in diesem Schreiben vorkommen (!). Wie jedoch die aktuelle Lage es schon vorwegnimmt: Ihr Protest ist also "obsolet", und die Weichen sind schon gestellt (gegen unser aller Erwarten).
Und hier mein nicht verschickter Artikel im originalen Wortlaut:

„Gedanken zu dem Ruf nach Reformen in der Katholischen Kirche“
(nach einer Stellungnahme des Vereins der Katholischen Männerbewegung von Südtirol in den „Dolomiten“)
Die Synode von Rom im vergangenen Herbst hat im Nachhinein einige recht „sonderbare“ Vorkommnisse zu Tage gefördert. Nicht nur die Reaktionen darüber, sondern erst recht das Gezänke um eine Bucherscheinung und dessen Inhalt haben uns Christen „aufgeweckt“.
Mitte Februar dann, endlich, wie durch ein Wunder, erscheint an Bord dieses schlingernden Schiffes der Steuermann und greift nach dem Ruder… das Ziel kennt niemand, aber die Richtung!
Als Mitmensch und Christ will ich zur Stellungnahme der Katholischen Männerbewegung meine Gedanken und Bemerkungen anbringen: (silere non possum)
In Eurem Beitrag lese ich Begriffe heraus, welche wohl jener der „femministisch durchsetzt katholischen Frauenbewegung deutschlands MARIA 2.0 entlehnt sind. Weil dort, jenseits der Alpen, zeitgleich ebenso mit dem sog. Synodalen Weg die katholische Kirche erneuert werden sollte, haben sich die hochgesteckten Ziele mit der Forderung nach einer Erneuerung von Struktur und Aussehen der Institution Kirche&Glauben in einen Scherbenhaufen verwandelt; und das schon ab der ersten Runde.
Zu Eurem Beitrag: „es kann nicht alles beim Alten bleiben, … „in der Kirche muss sich Wesentliches ändern“
- wollen wir etwas „Neues“?,….. zumindest etwas, für alle ansprechende „Verpackung“?!
- sind in diesem „Wesentlichen“, die Frauenpriesterinnenweihe?, und junge Priester im Ehestand?
- ist die „Gleichberechtigung der Geschlechter“ in der Ausübung von Weiheämtern gleichzusetzen mit jener dem Umgang in Familie & Beruf?
- wie erkennt man die „Entfremdung der Gläubigen von den Kirchenmännern“? … erzeugen wir nicht erst recht die „Verämterung“ (lateinisch, Klerikalisierung) der Institution Kirche durch Einführung neuer Hierarchien durch Aufgaben-träger?
- was hat das „Qualitätskriterium einer gereiften Kultur“ mit der Aufgabe der Verkündigung des Wort Gottes zu tun?
Der Einwurf:
„Zölibatär lebende Männer definieren u. regeln das Leben der Katholiken, der Frauen, Männer und Familien vor Ort. Das ist inzwischen viel zu weit vom Alltag der heutigen Gesellschaft entfernt und damit gelingt keine echte, kraftvolle, achtsame Entwicklung“…. wirkt verstörend, ja beleidigend; - wollt Ihr die noch verbliebenen Geistlichen aus den Kirchen hinaus-ekeln? Da wird das Beten um „Geistliche Berufungen“ zum reinen Monolog!
Der bekannte Buchautor und Ökonom Dr. Markus Krall, schreibt in seinem Aufsatz über „Das Versagen der Kirchen“ in Deutschland in seinem Vorsatz:
„Eine Kirche, die sich nicht mehr vom Mainstream einer fehlgeleiteten Gesellschaft unterscheidet, braucht kein Mensch.“ Er meint jene „Kirchenbeamte, die im warmen Applaus der Talkshows paddeln und ihren Glauben an der Garderobe des Finanzamts abgegeben haben.“
Der ewige Kirchenkritiker, Herr Robert Hochgruber, meinte in der Zeitschrift ff im Jahre 2017, „dass die priesterzentrierte Struktur in der Kirche erst zusammenbrechen muss, um Platz für eine grundlegende Erneuerung zu schaffen.“
– dem will ich entgegnen: wenn Priester so „rar“ werden, wie das Wasser in der Wüste, wird es umso kostbarer! … und die Menschen werden in Scharen dorthin laufen zu den Wassern, um sich zu läutern!
Erst kürzlich im online Portal „Salto.bz.it“ schreibt Robert Hochgruber:
„die Freistellung des Pflichtzölibats würde zwar den Priestermangel nicht lösen, … aber es wäre nur die Anerkennung eines „Menschenrechtes“, … auch die Aufhebung der Diskriminierung der Frauen ihres Geschlechtes wegen (Menschenrechte!),… eine Demokratisierung der Organisation der Kirche, … müssten folgen.“
- Meines Wissens ist der Begriff „Demokratisierung-Demokratie“ im gesamten Neuen Testament nicht existent! Warum wohl?
Demokratie = Herrschaft des Volkes/Mehrheit. (!)
- Die Menschenrechte stammen zu einem Gutteil aus den Glaubensgrundsätzen der christlichen Religion!
Auf die Spitze treibt sein folgender Zusatz: „die Weiterentwicklung/Reformen in der Kirche sind also eine Frage der Macht, nicht der Argumente wie z.B. Seelenheil der Gläubigen“
- ja, in Kirche=Glaube gibt es nur eine einzige Macht, sie ist absolut!, unangreifbar, unantastbar und nicht einmal verstehbar!
Die Zielvorstellungen sind völlig verkehrt: wer Macht-ausüben will, muss in die Politik gehen! Wer sich vordrängt oder in der ersten Reihe spielen will, hat das Spiel falsch verstanden: - die Kirche ist eine „Dienende“
Die Aufgabe der katholischen Kirche ist keine „Dienstleistung – Anbieter“, sondern schon eher ein „Mit-auf-den-Weg-gehen“ zur Erlösung in das Reich des Herrn.
Dazu der Vergleich mit einer Kirchentreppe: ich kann nicht in die Kirche kommen, wenn ich an den obersten Stufen beginnen will, der Anfang beginnt immer nur mit der Ersten Stufe.
Wer aber von „Würde“ spricht, in dieser „heutigen Zeit,“ nach der sog. „Augenhöhe“ verlangt, dem darf, mit Verlaub, diese folgende Szene mit ihrer epochalen Drammatik und unvergleichlich hoffnungsvollen Botschaft gedient sein:
„Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach DEINEM WORT! Und das WORT (=Gott) ist Fleisch geworden/und hat unter uns gewohnt.“
Die Menschen haben heute ihre Spiritualität nicht verloren, sondern im Gegenteil: in diesem verflachenden, lauwarmen, uniformen Über-fluss mit seiner Unbotmäßigkeit und Gier, wird es einigen langsam „unheimlich“… sie suchen nach Antworten, nach einer Heimat (geistigen)! Sie möchten gefordert und geführt werden!
Auf diese „Beute“ warten schon Sekten und allerhand Rattenfänger und haben leichtes Spiel mit ihnen.
Wenn Christen den Papst bedrängen,
wenn Bischöfe Misstrauen zwischen ihren Priestern hegen,
wenn Gläubige ungefragt sich auf die Stufe der Priester erheben,
wenn der Mann Gott nicht mehr fürchtet,
und die Frau den Mann nicht respektiert,
das Kind sich über die Eltern stellt,
dann ….
steht die Person zur Disposizion,
die Würde des Menschen „relativ“.

Hört auf die Priesterschaft! Und ganz besonders auf jene, welche momentan nicht nach Eurem „Maul“ reden.
Unterstützt die Bischöfe!
Und betet für diesen einen Papst, da er doch so darum bittet!

Ich wünsche der Südtiroler Männerbewegung katholischen Glaubens eine bewegte, fruchtbringende Zeit.

Luis Abart Kiens, den 1. März 2020

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