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Honduras

Berta Càceres ermordet

Die Welt trauert um Berta Càceres, eine international renommierte, mehrfach ausgezeichnete indigene Menschenrechtsaktivistin.
Community-Beitrag von Thomas Viehweider05.03.2016
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Vorgestern hat der Zivile Rat der Indigenen- und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) bekannt gegeben, dass seine Koordinatorin Berta Càceres in La Esperanza, Intibucá ermordet wurde. Die Mörder drangen gegen 1 Uhr morgens gewaltsam in ihr Haus ein.
Berta Càceres hatte wiederholt Morddrohungen dafür erhalten, dass sie die Rechte der indigenen Lenca verteidigte. Sie wurde seit Jahren politisch verfolgt und kriminalisiert.
 
Sie setzte sich mit dem COPINH unter anderem für die Landrechte und Indigenen Rechte der Bevölkerung von Rio Blanco ein, auf deren Territorium und in deren heiligem Fluss Gualcarque die Firma DESA den Bau eines Staudamms vorantrieb, ohne die Bevölkerung vorab konsultiert zu haben wie es die ILO Konvention 169 zum Schutz indigener Völker vorsieht. Zuvor hatten sich der chinesische Konzern Sinohydro, eines der größten weltweiten Staudamm-Unternehmen sowie auch die Weltbank auf Druck des COPINHs vom Projekt zurückgezogen.

Seit Juli 2015 hatte DESA die Bauarbeiten an Agua Zarca am Fluss Gualcarque schnell vorangetrieben. Agua Zarca wird unter anderem durch die holländische Entwicklungsbank FMO und den zu 93 Prozent staatlichen finnischen Finnfund finanziert. Die deutschen Unternehmen Siemens und Voith Hydro liefern die Turbinen. Seit Monaten läuft eine PR-Kampagne des Unternehmens zugunsten des Projektes und gegen den Copinh, in erster Linie gegen die Person von Berta Càceres. Wie bekannt wurde, wird diese Kampagne aus Geldern der FMO finanziert und von der Beraterfirma "Monkey Forest Consulting" gesteuert.

"Desa-Agua Zarca hat namentlich bekannte Kriminelle, die unter anderem für Morde verantwortlich gemacht werden, als paramilitärisches Sicherheitspersonal unter Vertrag. Diese haben Führungspersonen der Gemeinden und Mitglieder des COPINH konstant bedroht und sind weiterhin bewaffnet", berichtet der COPINH vor kurzem.

Als ich im November des Vorjahres in Honduras beim COPINH war, erlebte ich die tagtägliche Bedrohung der Berta ausgesetzt war. Sie hatte vor kurzem entschieden, einen geheimen Unterschlupf aufzusuchen. Auch traf sie verschiedenste Sicherheitsmaßnahmen, um sich vor Attentaten zu schützen. All dies hat nicht gereicht.

Seit wir uns vor mittlerweile 14 Jahren in Honduras kennenlernten, lebte Berta ununterbrochen und bedingungslos für den Kampf der indigenen Bevölkerung. Sie war eine starke Frau, eine unermüdliche und immer zuversichtliche Kämpferin, bekannt und geschätzt auf nationaler und internationaler Ebene.

Dank der Arbeit von Berta und des COPINH erkämpften sich hunderte von indigenen Gemeinden kommunale Landtitel, mehrere Naturschutzgebiete wurden ausgewiesen und die illegale Waldrodung konnte durch Schließung von dutzenden Holzexportunternehmen gestoppt werden. Durch das vom COPINH ins Leben gerufene Ausbildungsprogramm wurden hunderte von indigenen GrundschullehrerInnen und Krankenschwestern ausgebildet, autonome indigene Radiostationen betrieben sowie kontinuierliche Bildungsarbeit in hunderten von indigenen Gemeinden vorangetrieben, für die Selbstbestimmung, Selbstverwaltung und den Erhalt der Lenca-Kultur.

Berta wurde für ihr gemeinsames Engagement mit dem COPINH und der Bevölkerung mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2015 mit dem Goldman Prize, einem international renommierten Preis für UmweltschützerInnen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte Berta Cáceres besondere Schutzmaßnahmen zugesprochen, welche aber von der honduranischen Regierung nie umgesetzt wurden.

 (...) Per tutta la vita sono stata cosciente di quello che mi può succedere continuando con questa lotta, così come sono cosciente che stiamo lottando contro un potere oligarchico, bancario, finanziario e internazionale, oltre che contro lo stesso Stato honduregno e i suoi organi repressivi, che storicamente si sono piegati agli interessi delle grandi imprese multinazionali. Non mi piegheranno!” (Berta Cáceres, giugno 2013).

Berta war in den letzten zehn Jahren vier mal in Bozen, wo sie über den Überlebenskampf der Lencas und deren Organisation COPINH berichtete und internationalen Schutz für die bedrohten Gemeinden und die eigenen Mitglieder forderte. Mehrere Projekte wurden von Südtirolern Organisationen finanziert (Collettivo Italia Centro America, Komitee Global Local, Los Quinchos, Operation Daywork, Caritas, Provinz Bozen, Gemeinde Bozen, Weltgebetstag). Mehrere SüdtirolerInnen waren in Honduras beim COPINH als MenschenrechtsbeobachterInnen tätig.

Die Ermordung von Berta Càceres ist ein schwerer Schlag für das indigene Volk der Lenca sowie die gesamtstaatlichen sozialen Bewegungen, welche sich für die Rechte der marginalisierten Bevölkerung einsetzen.

Aufruf:

International call to condemn the murder of indigenous leader Berta Cáceres in Honduras

Weitere Informationen:

Honduras: Hanno ucciso uno spirito indomito , di Giorgio Trucchi, Rel-UITA

intervista a Berta Càceres, maggio 2015: “Rafforzeremo la lotta contro questo modello di sviluppo basato sul saccheggio delle risorse”

 

 

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Kommentare

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Wilfried Meraner 06.03.2016, 08:39
Danke Thomas. Große Trauer.
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Wilfried Meraner 06.03.2016, 15:48
BITTE AUSBESSERN Ich möchte gern etwas beitragen, und das wollen gewiss viele. "Aufruf" klingt da richtig. Geht aber nicht! der Link führt zu einem Aufruf (auf Englisch) bei dem man nichts unterschreiben kann! Ganz klein dann irgendwo "See also: Urgent call for action". Du kommst zu einem "Klickfeld" (der Fachausdruck fällt mir jetzt nicht ein). Klickst du drauf, kommst du wieder zu einer Aufzählung von Aufrufen usw. Klickst du nicht drauf und liest unten weiter, dann kannst du endlich unterschreiben. Nein doch nicht, denn du unterschreibst dann als "Mesoamerican Movement..." usw. Aber zu dem gehörst Du wahrscheinlich nicht. Und der Rest ist auf spanisch! Bitte könntet ihr das bitte dringend ausbessern? Ich bin ja auch nicht für schnell klicken ohne nachzudenken, aber so geht es nicht, wenn viele unterschreiben sollen! Wir haben sowieso alle wenig Zeit!
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Thomas Viehweider 07.03.2016, 08:45
man muss eine mail schreiben: Signatures in support can be sent to campaign@stopcorporateimpunity.org
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Jürgen Viehweider 08.03.2016, 22:21
Menschen wie Berta beeindrucken durch ihre Kraft, ihren Mut, ihren kompromisslosen Einsatz ohne Rücksicht auf die eigene Situation und ihre Ausstrahlung. Ein riesengroßer Verlust für die Lencas, für Honduras und für uns alle!
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Thomas Viehweider 10.03.2016, 09:48
Aufruf zu Aktionen: Protestbriefaktion zum Mord an Berta Cáceres (http://hondurasdelegation.blogspot.it/2016/03/protestbriefaktion-zum-mord-berta.html) Appello urgente di Amnesty International: testimone dell'omicidio di Berta Cáceres in pericolo! (http://www.amnesty.it/honduras-berta-caceres-testimone) Weitere Informationen Bertha Cáceres rinascerà nelle lotte dei popoli, http://www.puchica.org/bertha-caceres-rinascera-nelle-lotte-dei-popoli/ Giustizia per Berta Cáceres! http://www.puchica.org/giustizia-per-berta-caceres/ Comunicato delle figlie, del figlio e della madre di Berta Caceres, http://www.puchica.org/comunicato-delle-figlie-del-figlio-e-della-madre-di-berta-caceres/ Videoentrevista a hija de Berta Cáceres: “No queremos más muertes”, http://www.puchica.org/hija-de-berta-caceres-no-queremos-mas-muertes/ Intervista Radio Onda d’Urto a Giorgio Trucchi sull’omicidio politico di Berta Cáceres in Honduras, http://www.puchica.org/intervista-radio-onda-durto-a-giorgio-trucchi-sullomicidio-politico-di-bertha-caceres-in-honduras/
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