Gesellschaft | kalašnikov&valeriana

Sisterhood is powerful

Mit Solidarität die patriarchale Welt aus den Angeln heben! Ein Plädoyer für weiblichen Zusammenhalt in einer von Männern geprägten Gesellschaft.
hände.jpg
Foto: Womanizer Toys / Unsplash

Eine patriarchale Gesellschaft, das schreibe ich nicht zum ersten Mal, ist eine Gesellschaft von Männern für Männer. Frauen dürfen zwar auch da sein (wer übernimmt denn sonst das Kinderkriegen und schlecht bzw. gar nicht bezahlte Arbeiten?), aber ihr Platz ist ein begrenzter, sie sind eben nur zweitrangig. Ganz augenscheinlich ist dieses Ungleichgewicht z.B. in der Medizin (nach männlichen Standards ausgerichtet in Forschung, Diagnose und Therapie, und ohne Beachtung der biologischen Unterschiede) oder bei den Crash-Test-Dummies (die Sicherheit von Autos wird anhand männlicher Fahrer getestet). Selbst, wenn es um Leben oder Tod geht, ist das Maß aller Dinge die männliche Anatomie! Die Liste der männlichen Welt/en als Standard ließe sich beliebig weiterführen, aber in kalašnikov&valeriana möchte ich diesmal auf die unterschiedliche Deklination der Solidarität eingehen.

In einer patriarchalen Welt ist auch die männliche Idee von Solidarität allgemeingültig und entspricht der Idee von Bruderschaft: das Zugehörigkeitsgefühl von Männern aus einem Teil der Gesellschaft für ein gemeinsames Ziel. Das mag dann die soziale Schicht, die Berufsgruppe, das religiöse Credo sein, in einer „Wir gegen die Welt“-Haltung, meistens in einer Eroberungs- oder Verteidigungsoptik. Die Bruderschaft gibt Identität, vermischt Solidarität mit Hierarchien und Konkurrenzkampf.

Unterschiedlicher könnte weibliche Solidarität nicht sein. Schon allein deshalb, weil der gemeinsame Nenner nicht die Herkunft im weitesten Sinne bildet, sondern die erlebten Diskriminierungen. Und diese Diskriminierungen erleben alle Frauen quer durch Gesellschaftsschichten, unabhängig von Herkunft oder religiösen Orientierung. Weibliche Solidarität bedeutet nicht die Rechtfertigung jeder Handlung im Namen von Sisterhood, sondern die Bereitschaft zu Konfrontation und Dialog auf Augenhöhe. Der Begriff steht für Austausch, gibt Raum für Differenzen und Unterschiede. Es geht nicht darum, um jeden Preis immer auf und an der Seite aller Frauen zu sein, egal wie rassistisch, sexistisch oder diskriminierend diese auch sein mögen. Es ist durchaus legitim, Handlungen zu hinterfragen und auch zu kritisieren, ohne dabei das Individuum zu verurteilen.

Sisterhood is powerful, wussten schon die Feministinnen in den 1970ern. Man(n) stelle sich vor: Eine Gesellschaft, in der sich die Frauen verbünden, statt dem Narrativ der „Frauen sind selbst ihr größter Feind“ zu glauben. Es ist dieses toxische Narrativ einer machistischen Gesellschaft, das uns trennt, das uns kontrollierbar macht. Der Feminismus gibt uns die Instrumente, um diese Mechanismen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Gerade durch Diskussion, auch Uneinigkeit, durch das Anzweifeln der eigenen Position, das Dekonstruieren von verinnerlichten sexistischen Stereotypen entsteht die politische und zwischenmenschliche Praxis der Solidarität für ein gemeinsames Wachsen.

Utopisch? Ich stelle mir vor, was passieren würde, wenn Frauen morgen ihre Solidarität leben in einem gemeinsamen Streik weltweit: Diskussionstische, Arbeitsgruppen, Austausch statt Care-Arbeit. Ein Tag würde reichen, um jedes Alters- oder Pflegeheim, jede Kita, jeden Kindergarten, selbst Grundschulen, viele Familien und Betriebe durcheinanderzuwirbeln und die patriarchale Welt aus den Angeln zu heben!