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Papst Franziskus -Ein Mann Seines Wortes

Habemus Papam! 2013 wurde Jorge Mario Bergoglio zum 266. Papst gewählt. Wim Wenders lässt den Argentinier in seiner neuen Doku zu Wort kommen.
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Es passiert nicht alle Tage, dass ein Filmemacher ein Angebot aus dem Herzen des Vatikans erhält. So geschehen bei Wim Wenders, seines Zeichens langjähriger Regisseur und deutsche Film-Koryphäe. Während die ersten Gespräche über eine mögliche Dokumentation zu Papst Franziskus bereits im Jahr 2013 begonnen hatten, begannen die tatsächlichen Dreharbeiten erst im Jahr 2016. Nun, abermals zwei Jahre später läuft der fertige Film in den Kinos, und so manch einer fragt sich, was „Ein Mann seines Wortes“ denn nun eigentlich geworden ist. Eine objektive Dokumentation? Eine vom Vatikan gesteuerte Propagandamaschine? Oder ganz einfach ein Einblick in die Gedanken eines ungewöhnlichen Papstes? Nun, um es vorwegzunehmen, der Film ist alles davon ein wenig. Wim Wenders hatte im Vorfeld wiederholt verkündet, dass die Arbeit völlig frei und nach den Verhandlungen mit dem Vatikan ohne Einschränkungen erfolgt sei. Und tatsächlich mutet der grundsätzliche Ton der Dokumentation so ganz anders an, als man es von einer solchen Produktion erwarten würde. Der Protagonist heißt natürlich Franziskus – in vielerlei Hinsicht. Denn Wenders erzählt neben der Geschichte des Papstes auch die seines Namensgebers, des Hl. Franz von Assisi. Dies geschieht in charmant nacherzählten Stummfilm-Aufnahmen, die mit einer originalen Handkurbelkamera aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gedreht wurden und dementsprechend vorzeitlich, aber auch sehr stimmungsvoll wirken. Den Großteil der 95 Minuten nimmt aber der Papst selbst ein. Er erzählt von sich und seiner Sichtweise auf die unterschiedlichsten Fragen und Diskurse unserer Welt. In vier Interview-Sitzungen stellt Wenders Fragen, die uns alle angehen und bewegen. Und er lässt wirklich kein brisantes Thema aus. Egal ob es um den Klimaschutz, die Shoah, Armut und Not, Ängste oder Politik geht, der Papst antwortet brav und sichtlich ehrlich. Selbst das immer noch aktuelle Problem des Kindesmissbrauchs innerhalb der Katholischen Kirche wird angesprochen. Papst Franziskus gibt auch hier eine Antwort, und sie ist eine, die man gerne hört. Er spricht von Null Toleranz in Missbrauchsfällen. Man merkt, der Papst hat Ziele vor Augen, und er vertritt Einstellungen oft in einer Radikalität, wie sie dem Vatikan nicht gefallen werden. Ob sich dem Kindesmissbrauch wirklich vernünftig angenommen wird, oder ob die Worte des Papstes an der Institution Kirche abprallen, wird sich zeigen. Am Ende wird der Elefant im Raum auch noch erwähnt. Natürlich beschäftigen Franziskus auch die Flüchtlinge, die nun mittlerweile seit Jahren nach Europa strömen. Er ruft zu großer Toleranz auf, zu Nächstenliebe – und appelliert an die betroffenen Staaten, ihre Grenzen nicht zu schließen. Denn dann wird auf lange Sicht die eigene Bevölkerung leiden.

 

Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes Trailer #1 deutsch/german HD, von Universal Pictures

 

Vieles in Wenders Doku hat man schon tausend Mal gehört, und vieles hört sich zu schön an, um der realistischen Vorstellung einer besseren Welt zu entsprechen. Beinahe wirkt der Film wie eine lange Predigt, in der listenartig alle wichtigen Themen abgehakt werden. Der Papst führt dabei die meiste Zeit einen scheinbaren Dialog mit den Zuschauern – er spricht direkt in die Kamera. Tut er das nicht, zeigt Wenders in erster Linie Archivmaterial. Reden vor der UNO, dem amerikanischen Kongress und den Menschen, die in Massen zu ihm hinströmen und seine Worte hören wollen. Denn mehr als seine Vorgänger ist Papst Franziskus eine Figur, zu der die Leute nicht aufschauen müssen, sondern dem sie auf Augenhöhe begegnen. Die Philosophie seines Namensgebers hat der Papst größtenteils übernommen, er lebt einfach und scheut sich nicht, den Ärmsten der Armen zu begegnen, mit ihnen zu sprechen und Trost zu spenden. Da fällt es umso mehr auf, dass der Papst zwar im Dialog mit allen möglichen Menschen steht, der Film aber nur eine Seite zeigt. Die Betroffenen, jene, die den Papst sehen und hören wollen, und Kraft aus der Begegnung mit ihm ziehen, kommen in der Doku nicht zu Wort. Eine verpasste Chance. So bleibt „Ein Mann seines Wortes“ in erster Linie ein Monolog – Antworten oder Gegenstimmen gibt es nicht. Doch das braucht es im Kosmos des Films nicht. Diskutiert werden die Aussagen des Papstes ohnehin. Mit Kritik scheint er umgehen zu können und er lädt auch Atheisten ein, in die Diskussion einzusteigen. Wie er im Laufes des Films betont, und wie ersichtlich wird, ist er ein bodenständiger Mensch, und vor allem das, ein Mensch, keine Lichtgestalt, kein Heiliger. Nur jemand, der es besonders gut versteht, Hilfsbedürftigen neue Hoffnung zu schenken.

Amen

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