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Revitalisierung

Grüne Visionen

Nördlich von Salzburg plant man einen geschützten Auwald langfristig in einen Urwald umzuwandeln. In Südtirol ist man von solchen Visionen meilenweit entfernt.
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Das Land Salzburg hat ein 127 ha großes Gebiet der Salzachauen gekauft und auf der Wunschliste der Salzburger Umweltlandesrätin stehen weitere 540 ha Auwald, welche das Land kaufen möchte. Negative Forstwirtschaftliche Eingriffe, wie die Pflanzung von Pappeln, sollen in diesen Auen rückgängig gemacht werden. Durch umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen soll die Weitwörther Au, ein Natura 2000 Gebiet, wieder in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden und die Natur sich selbst überlassen werden. Um den natürlichen Auwald wiederherzustellen schwebt der Umweltlandesrätin Astrid Rössler (Grüne) eine komplette Renaturierung der Salzach vor, die derzeit wie ein Kanal begradigt in verbauten Uferbefestigungen im Auengebiet hindurchfließt. Künftig soll der Salzach wieder mehr Raum gegeben werden und nach den Renaturierungsmaßnahmen wird der Auwald nicht mehr forstlich genutzt, um einen Urwald entstehen zu lassen. Der Wald soll alle Entwicklungsphasen durchlaufen können: Die Bäume erreichen ihr maximales Alter, werden morsch und sterben ab, junge Bäume nehmen ihren Platz ein. Verschiedene Spechtarten finden in morschen Bäumen ihre Nahrung, gefährdete Käferarten sind auf Totholz angewiesen und leben unter der Rinde absterbender Bäume.

Mit dem Kauf der Weitwörther Au an der Salzach hat das Land Salzburg auch gleichzeitig das Jagdrecht für das Gebiet erworben und die Jagd wird in Zukunft darauf ausgerichtet, nicht mehr Trophäenjagd sondern Wildtiermanagement zu betreiben.

Während man im Land Salzburg mit der Wasserrahmenrichtlinie aus Auwäldern Urwälder macht und die Rahmenbedingungen schafft, damit sich in Zukunft ein natürlicher Auwald entwickeln kann, ist man von solchen Visionen in Südtirol meilenweit entfernt. Eine Grauerle an der Ahr ist forstwirtschaftlich von Nutzen (als Brennholz!) und Schwarzerlenauwälder des Vinschgaus werden als Niederwälder bewirtschaftet. Auch diese Schwarzerlen dienen als Brennholz. Südtirols Auenrenaturierung basiert immer auf der Rodung von Wäldern, der natürliche Wald ist nicht Ziel der Renaturierung. Wäre Südtirols “Revitalisierung” tatsächlich eine Auenrenaturierung, dann hätte man sich an der Lage und dem Zustand der großen Auen orientieren müssen und diese in ihrer Wechselbeziehung zu den Bächen und dem Umland sehen müssen. Die Renaturierung als Annäherung der Auen an den Naturzustand stand in Südtirol nicht im Mittelpunkt der Revitalisierung, an den Feuchtgebieten des Oberen Vinschgaus lässt sich dies gut erkennen. Dort befinden sich drei große Feuchtgebiete: Prader Sand, Schludernser Au und Eyerser Au. Alle drei Gebiete sind Natura 2000 Gebiete und damit Schutzgebiete im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie und sie waren nicht Bestandteil eines großen Projektes zur Revitalisierung oder Renaturierung, obwohl es sich in diesem Nebeneinander von hochwertigen Feuchtlebensräumen um einen der bedeutensten Naturräume Südtirols handelt und die Wasserrahmenrichtlinie die Verbesserung des öklogischen Zustands der Feuchtgebiete zum Ziel hat.

Paul Köllensberger erkundigte sich nach der Naturnähe und den Zustand der Auwälder Südtirols, darunter auch die Eyerser Au. Es wird geantwortet, dass im Foschungsprojekt “Hemerobiestudie in Südtirol” untersucht wurde, wie naturnah die Wälder in Südtirol sind, bzw in welchem Ausmaß der Mensch das Ökosystem Wald beeinflusst hat. Die Datenerhebung erfolgte auf Strichprobenpunkten bei der 1. Nazionalen Forstinventur, wobei kein Stichprobenpunkt in ein ausgewiesenes Biotop fiel. Die Antwort auf die Frage, wie natürlich die Wälder Südtirols sind und wie stark der Mensch das Ökosystem Wald in Südtirol verändert hat, kann nur allgemein beantwortet werden: 5% natürlich, 30% naturnah, 41 % nehmen mäßig veränderte Wälder ein, 22% stark verändert, 2% künstlich.

Fast ein Viertel der Wälder Südtirols sind stark verändert und künstlich und nur 5 % sind natürlich. Auwälder in Biotopen und ausgewiesenen Natura 2000 Gebieten werden gleich bewirtschaftet wie die Wälder außerhalb der geschützen Gebiete. Paul Köllensberger erkundigte sich, ob Bäume in der Eyerser Au gefällt wurden und es wird geanwortet, dass gemäß Niederwaldbewirtschaftungrichtlinien des Forstgesetzes von 1996 die Bewirtschaftung erfolgt.

In einer Broschüre über traditionelle Formen der Land- und Forstwirtschaft in Südtirol kann man über die Niederwaldbewirtschaftung folgendes nachlesen:” Früher wurden die Niederwälder oft ausgebeutet... Seit dem späten Mittelalter stieg der Bedarf an Brennholz und Holzkohle in Europa stark an. Um den Bedarf zu decken, wurden Laubwälder alle 8 bis 15 Jahre auf-den-Stock-gesetzt, d.h. geschlägert. Zustätzlich zu den kurzen Umtriebszeiten trieb man Vieh zum Weiden in den Wald und sammelte das Laub als Einstreu für Ställe. Durch diese intensive Nutzung wurde der natürliche Nährstoffkreislauf gestört. Vielerorts verarmte der Boden und die Wüchsigkeit ließ nach. Um dem zu entgegnen, wurde die Waldnutzung stark reguliert. Das Nachhaltigkeitsprinzip begann sich durchzusetzten, d.h. in einfachen Worten es sollte nur soviel Holz entnommen werden, wie auch nachwächst.” Die Niederwaldwirtschaft stammt aus dem Mittelalter und es ist eine sehr alte Bewirtschaftungsmethode, welche heute noch in Südtirol Anwendung findet. Diese Bewirtschaftungsart ist für einen Auwald sicher nicht mehr zeitgemäß.

Paul Köllensberger erkundigte sich auch nach der Schludernser Au, in dem 38,9 ha Auwald im Besitz der öffentlichen Hand sind (Gemeinde Schluderns). Auch dort wird Niederwaldwirtschaft betrieben und Paul Köllensberger erkundigte sich außerdem, ob Bäume in der Eyerser Au gepflanzt wurden. Bäume wurden z.B. bei Baumfesten oder in Bestandeslücken gepflanzt, wird mitgeteilt. Die Pflanzung von Bäumen in Wäldern ist eigentlich nicht notwendig, da sich Bäume des Waldes von alleine vermehren, diese natürliche Vermehrung der Bäume wird als natürliche Waldverjüngung bezeichnet.

Paul Köllensberger fragte, ob Veränderungen in der Eyerser Au zur Verbesserung des Zustandes (Naturnähe) geführt haben. Die Antwort lautet: Ja, durch eine Wald- Weidetrennung. Das Problem der Waldweide im Schwarzerlenauwald der Eyerser Auen wurde also dadurch gelöst, dass die Beweidung heute nicht mehr stattfindet. Paul Köllensberger erkundigte sich auch danach, ob Veränderungen im Biotop zur Ausbreitung von Neophyten geführt haben. Es wird entgegnet, dass die Ausbreitung von Neophyten nur durch Einschleppung erfolgte. Die Anwesenheit von Neophyten wird nicht negiert, jedoch werden die Zusammenhänge zwischen forstwirtschaflticher Nutzung und Neophyten nicht angesprochen. Grundsätzlich ist jedes Fällen eines Baumes eine Störung für den Wald und gerade in Auwäldern gibt es sehr invasive Arten, welche heimischen Arten keine Chance lassen. In der Broschüre “Traditionelle Formen der Land- und Forstwirtschaft in Südtirol” wird das Thema Neophyten am Beispiel der Robinie und des Götterbaums einfach und allgemein verständlich erklärt und diese Baumarten werden durch die Niederwaldbewirtschaftung gefördert. Unmissverständlich wird auf das Problem hingewiesen, plakativ und eindringlich in der Überschrift:”Mit jedem Schlag öffnet man ihnen die Tür”. Mit “ihnen” sind Neophyten gemeint. In den Auen des Oberen Vinschgaus ist es vor allem das Springkraut, das bei jedem “Schlag” oder “Hieb”, bei jedem forstwirtschafltichen Eingriff, die Möglichkeit erhält, die gestörte Fläche zu vereinnahmen.

Die Waldweidetrennung ist für die Eyerser Au in Angriff genommen worden, die traditionelle Niederwaldbewirtschaftung ist heute noch in diesem Natura 2000 Gebiet die gängige forstwirtschaftliche Nutzung. Von grünen Urwäldern und lebendigen Auen sind wir in Südtirol weit entfernt. 

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