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Verkehr

Böses Blut hinterm Brenner

Der deutsche Verkehrsminister sagt für den Brenner-Verkehrsgipfel am 12. Juni ab. Günther Platter wirft den Deutschen “ganz schlechten Stil” und “Überheblichkeit” vor.
Von
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Lisa Maria Gasser07.06.2018
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Kommentare

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 07.06.2018, 20:28

Gibt es jemanden, der/die mich da aufschlauen könnte? Platter argumentiert mit flüssiger Durchfahrt der LKWs und beschränkt also auf 250 LKWs pro Stunde, also idealerweise alle 14,4s einer. Letzterem widerspricht der Terminus "Blockabfertigung", wie wir ihn beispielsweise vom Tauerntunnel kennen. Da fahren ja dann quasi alle gleichzeitig los. Außerdem klingt die Zahl 250 schon äußerst konservativ. Selbst bei vollen 80km/h sollte eine Autobahnspur locker die Kapazität des 4-fachen haben. Geht es dem Platter darum, für PKWs angenehmes Reisen und gegenseitiges Überholen zu garantieren? Wie kommt man auf die Zahl 250 und wieso wird blockabgefertigt, anstatt alle 14,4s einen loszuschicken?

Bild des Benutzers Christoph Moar
Christoph Moar 07.06.2018, 21:17

Ich glaube, dass schlicht noch keiner darauf gekommen ist "Startgatter" wie beim Skilauf für die LKWs zu bauen, wo dann alle 14,4s einer durch darf. :) Solange machen die halt noch Blockabfertigung, um die Anzahl der Fahrzeuge pro Stunde zu regeln.

Was die 4-fache mal 250 (=1000) lkw/h/Fahrtrichtung angeht, täuscht du dich, glaube ich. Die Kapazitätsberechnung ist ein schon lange und schon gut erforschte Wissenschaft, da gibts reichlich Primär- und Sekundärliteratur. Ist lange her, aber ich hatte dazu schon mal einiges gelesen. Die optimale Fließgeschwindigkeit einer (pkw/lkw) Straße liegt bei ideal 80 kmh, manchmal werden auch bis max 100 km/h genannt. Darunter und darüber sinkt die Kapazität.

Die Kapazität bei reinem PKW Betrieb liegt bei 1500-2000 pkw/h, an die Zahl kann ich mich erinnern. Ich schätze einen LKW auf die ca. 4-fache PKW Länge, so daß ich in erster Näherung bei 375 (1500/4) bis 500 (2000/4) lkw/h ansetzen würde. Wahrscheinlich musst du diese Zahl aber noch - deutlich - drücken, weil die Trägheit, das Brems- und Beschleunigungsverhalten der LKWs nicht mit einem PKW mithalten kann, das wird den Verkehrsfluss starrer und anfälliger für Störungen machen. Und auch der Mischverkehr muss mitberücksichtigt werden.

Ich denke, Platters Zahl ist als Größenordnung realistisch. Wegen mir vielleicht auch das Doppelte, wenn Glück und gute Laune im Spiel ist. Aber ich würde wirklich nicht glauben, dass "locker das 4-fache" möglich sein sollte.

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 07.06.2018, 21:42

Wenn wir's extrem nehmen, dann haben Sattelzüge ca. 40m Bruttoweglücke (16m Länge + 24m Reaktionsweg=Abstand bei 80km/h). Bei 80km/h braucht man für 40m ca zwei Sekunden. Bei einem Verkehrsfluss von 30 LKW/min = 1800 LKW/h ist also definitiv Schluss. Das ist sicher zu positiv gedacht, aber da liegt ein Faktor von 7 dazwischen. Von sieben Slots nur einer belegt. Der optimale Verkehrsfluss liegt wohl eher bei 60-70km/h.

Bild des Benutzers Christoph Moar
Christoph Moar 07.06.2018, 22:09

Ohne Blatt und Stift verstehe ich das nur ungefähr, nehme aber durchaus Korrektheit an. Wundere mich aber. Hieße kein wesentlicher Unterschied zwischen PKW und LKW Durchsatz. Erscheint mir ungewohnt, bin aber auch kein Verkehrstheoretiker.

Am Rande bemerkt - nicht als Korrektur, sondern als ergänzende Anekdote: in den letzten Wochen hatten wir in Klausen Messungen an der Staatsstraße, als wegen der Staus auf der Autobahn ein LKW nach dem anderen sich entlang der Brennerstraße schlängelte.

Zur Spitzenzeit zwischen 17-18h, als ein konstantes ununterbrochenes Band an LKW/PKW fuhr, wurden um die 300 LKW/h gemessen (dem Bericht entnehme ich, beide Fahrtrichtungen gezählt, also wahrscheinlich 150 pro Richtung), bei gleichzeitig ca. 1500 Fahrzeugen insgesamt. Ist aber auch keine Autobahn.

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 07.06.2018, 21:58

PS: die Reaktionszeit wird sich bei nicht-autonomen Fahrzeugen zwischen PKW und LKW nicht viel schenken. Das Verhältnis wäre also gemäß Deiner Überlegung 28:40 und nicht 1:4.

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 08.06.2018, 10:27

@Christoph, Nachtrag: Das mit dem Startgatter gibt es effektiv auf der Südspur bei Sterzing. (Warum es sich deshalb immer auf der Nordspur stauen muss, ist nicht überliefert). Man kann auch eine andere Vergleichsrechnung anstellen: Wenn jährlich 2,5 Millionen LKWs den Brenner passieren (beide Richtungen) und man von den 8760 Stunden eines Jahres jenes des Nachtfahrverbots herausrechnet, bleiben ca. 6000 Stunden übrig (Tagesfahrverbote noch nicht berücksichtigt), also ein Jahresschnitt von 208 LKWs/h.

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 08.06.2018, 11:03

Oops: gesetzlicher Mindestabstand 50m, folglich Bruttoweglücke Sattelzug = 66m, für die man bei 80km/h ca 3 Sekunden benötigt, also max. 20 LKW/min = 1200 LKW/h. Faktor immer noch größer 4.

Bild des Benutzers Ralph Kunze (gesperrt)
Ralph Kunze (gesperrt) 08.06.2018, 08:34

@Benno Kusstatscher: gut gerechnet!
Aber leider kann man von einem Politiker nichr erwarten, dass er rechnen kann

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 08.06.2018, 09:52

Ich bezweifle nicht, dass Platter&co rechnen können. Ich beobachte nur, dass Rechnung und öffentliche Darstellung irgendwie nicht zusammen passen, bzw. nicht wie erwünschenswert, transparent
kommuniziert werden. Wenn Verdacht aufkommt, es wäre eine überzogene Trotzreaktion, ist das kaum hilfreich. Bei aller Sympathie für die gute Sache, hinterlässt das Spuren an der Glaubwürdigkeit, bei mir und wohl auch beim Scheuer.

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