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Patriotismusanflug

Angekündigte Bauchlandung von Alitalia

Nach dem Konkurs der Alitalia wird eine neue italienische Fluggesellschaft mit einem tragfähigen Geschäftsmodell gegründet. Vielleicht.
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Statt des angekündigten Crashs hat das Unternehmen Alitalia trotz eklatanter Misswirtschaft immer wieder von neuem Aufwind gespürt. Soll nun der Steuerzahler wieder die Bauchlandung abfedern? In einem Kommentar des Corriere della Sera vom 4. Mai zitiert Francesco Giavazzi einen Leitartikel aus dem Jahr 2004, der die Malaise der Alitalia beschreibt. Schon damals waren drei alarmierende Daten bekannt geworden: Alitalia hatte zwischen 2001 und 2003 jeweils 400 Millionen Euro an Verlust verzeichnet. Der Marktanteil von Alitalia am heimischen Flugbetrieb hat sich aufgrund der Konkurrenz internationaler Fluglinien von 80 auf 50 Prozent reduziert. Im internationalen Fluggeschäft war Alitalia mit knapp mehr als einem Drittel der Langstreckenflugzeuge von Air France und etwa einem Zehntel der internationalen Flotte von British Airways schlicht nicht konkurrenzfähig. Den Einstieg von Air France –KLM in die sanierungsbedürftige italienische Fluglinie hat in der Folge Berlusconi verhindert.

Jetzt, 13 Jahre später, nach zwei fehlgeschlagenen Rettungsversuchen mit einer italienischen Investorengruppe und der Fluggesellschaft Etihad der Vereinigten Arabischen Emirate, verfügt Alitalia nur mehr über drei Langstreckenflugzeuge. Dafür ist unter Ministerpräsident Renzi eine Sondermaschine für die Regierung geleast worden. Der Staat hat in all den Jahren laut dem zitierten Artikel des Corriere della Sera 7,4 Milliarden Euro in die Erhaltung der Fluglinie investiert. War das der Grund, weshalb es für die Investoren zumindest kurzfristig ein Geschäft war oder sind diese von einer Koalition der „Status-quo-Verteidiger“ über den Tisch gezogen worden? Sicher ist, dass damit Renditepositionen erhalten (und womöglich weitere geschaffen) worden sind, die ökonomisch im Unternehmen selbst nicht vertretbar waren und genauso wenig, was deren Auswirkungen auf die Kassen des Sozialstaates angeht. Der Staat ist nun bereit, weitere 600 Millionen zur Verfügung zu stellen, um anstatt des Konkurses die Übernahme dieses Flaggschiffes italienischer Wirtschaftstätigkeit durch eine große Fluggesellschaft oder eine neue Investorengruppe zu ermöglichen. Nach den Emiren sind nun die Emissäre am Werk.

Die Medien scheuen in der Regel keine Mühe, um Vermutungen im Zusammenhang mit irgendwelchen unbedeutenden Kriminalgeschichten auszuwalzen, tagtäglich kontroverse Aussagen der Politiker/-innen ins Rampenlicht zu rücken und seitenweise die glorreichen Taten der Fußballstars zu schildern. Eine detaillierte und mit Zahlen unterlegte Analyse der Managementfehler, privilegierten Renditepositionen und politischen bzw. jedenfalls auf Partikularinteressen ausgerichteten Einflussfaktoren, die eine Sanierung der Fluglinie verhindert haben, wäre nun ein notwendiger Dienst an den Bürgerinnen und Bürgern. Daten und Fakten sollte die Regierung selbst dazu einfordern und zur Verfügung stellen. Bislang waren entsprechende Erkenntnisse nur ansatzweise in sehr nüchternen wie desillusionierenden Kommentaren vorzufinden. Ökonomischen Zwängen folgend ist das schweizerische Flaggschiff Swissair ist bereits 2002 liquidiert worden. Information dient dazu, notwendige Entscheidungen zu erklären und zu begründen. Wird darauf verzichtet, kann es gut sein, dass im Hinblick auf vorgezogene Parlamentswahlen die Fakten alsbald wieder hinter politischem Gewölk (O-Ton Renzi der letzten Tage: „Alitalia funziona“) und hinter dem Weihrauch neuer abenteuerlicher Rettungsversuche verschwinden.

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