Messner, Reinhold
Othmar Seehauser
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Alpinismus

„Dieser Schuh ist der letzte Beweis“

Reinhold Messner über den Fund des zweiten Schuhs seines 1970 am Nanga Parbat tödlich verunglückten Bruders Günther und die bis heute anhaltenden Verschwörungstheorien.
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Salto.bz: Herr Messner, die Bild-Zeitung wartet heute mit einer Exklusivmeldung auf. Der Titel: „52 Jahre nach tödlichem Unglück - Zweiter Schuh von Messners Bruder gefunden“. Wurden Sie von diesem Fund überrascht?
 
Reinhold Messner: Nein. Ich habe, das seit längerer Zeit erwartet, aber ich hatte keine Ahnung, wann der Schuh auftauchen wird. Er wurde dann auch weiter unten am Gletscher gefunden, weil der Gletscher langsam talwärts fließt und dabei den Schuh mitnimmt. Mit diesem Schuh ist jetzt mehr oder weniger alles gefunden. Es fehlt noch ein Stück vom Pickel, der nur teilweise gefunden wurde. Dieser Schuh ist der letzte Beweis, dass die Geschichte leider so passiert ist, wie sie wirklich passiert ist.

Es ist ganz sicher, dass das der zweite Schuh Ihres Bruders Günther ist?
 
Absolut. Es kann kein anderer Schuh sein. Denn diese Schuhe wurde damals eigens für uns von einer deutschen Firma gefertigt. Das war spezielle Höhenschuhe. In dieser Art, wie sie für uns hergestellt wurden, mit diesem Mittelschuh, gibt es sie nur einmal. Ich glaube es waren 18 Paar. Denn alle Teilnehmer der damaligen Expedition hatten diese Schuhe. Und es ist nur einer umgekommen und das war mein Bruder.
 
Seit wann wissen Sie von dem Fund?
 
Ich war in den vergangenen Woche in Nepal unterwegs. Aber vor ein paar Tagen habe ich eine Nachricht bekommen, dass ich ein Foto anschauen soll, um zu sagen, ob das Günthers Schuh ist. Für mich gab es nach dem ersten Blick keinen Zweifel daran. Es handelt sich um den linken Schuh. Der rechte Schuh wurde schon vor Jahren gefunden und ist im Messner Mountain Museum auf Sigmundskron zu sehen.
 
Messners Schuh
Der jetzt gefundene Schuh: „Für mich gab es nach dem ersten Blick keinen Zweifel daran. (Foto: Instagram/Reinhold Messner)
 
 
Was passiert mit jetzt mit diesem Schuh?
 
Der Schuh liegt jetzt im Basislager am Nanga Parbat. Er wird dann nach Rawalpindi gebracht und kommt über kurz oder lang nach Südtirol zurück. Dort wo er hingehört. Zu meiner Familie.
Der Schuh kommt über kurz oder lang nach Südtirol zurück. Dort wo er hingehört. Zu meiner Familie.
Vor 17 Jahren war ich auf einer großen Pressekonferenz in München auf der Sie erstmals Knochenfunde vorgestellt haben, die von ihrem Bruder Günther stammten. Es ist ein Thema, das Sie verständlicherweise nicht mehr loslässt…
 
Das stimmt. Damals war es endgültig der Beweis dafür, dass das was andere behauptet haben - dass ich den Bruder über die Rupalwand zurückgeschickt hätte - eine reine Lügengeschichte war. Heute würde man sagen eine Verschwörungstheorie. Der Schuh und die Knochenreste, die aufgetaucht sind, waren der Beweis, dass sich das Unglück so abgespielt hat, wie ich es immer dargestellt hatte. Ich hatte nie einen Grund, etwas zu verändern. Denn der Bruder ist umgekommen. Er ist mit mir die Diamirwand heruntergegangen, so weit es möglich war und dort dann verschüttet worden.
Heute würde man sagen eine Verschwörungstheorie.
Haben Sie keine Angst, dass durch diesen Fund, diese unsägliche Diskussion wieder neu aufflammt?
 
Ich habe diese Diskussion für mich schon längst abgeschlossen. Das Ganze nützt einfach nichts. Leute, die Lügen in die Welt gesetzt haben, sind nicht mehr bereit freiwillig davon abzugehen. Ich habe 2003 vor Gericht einstweilige Verfügungen erwirkt, gegen die Bücher, die damals erschienen sind. Diese Verfügungen gelten immer noch. Wenn die Leute deshalb jetzt wieder behaupten, ich hätte meinen Bruder vorsätzlich sterben lassen, also mehr oder weniger umgebracht, dann werden ich mich zu wehren wissen.
 
Bis heute versucht man Sie aber mit dieser Tragödie immer wieder anzupatzen?
 
Natürlich versuchen manche Leute immer wieder etwas in die Welt zu setzen. Der Hauptgrund dafür ist klar: Diese Geschichten verkaufen sich leider gut. Diese Typen haben selbst ja kaum etwas zu erzählen. Zudem haben die sich inzwischen so verrannt, dass sie sich wirklich schwertun, den Rückgang einzulegen. Ich habe während der Pandemie in Buch gemacht, in dem ich bis in die kleinsten Details schildere, wie sich das Ganze damals abgespielt hat. Man kann unsere damalige Route im Text und in den Bildern Meter für Meter nachvollziehen. Ich konnte den Nagna Parbat zum Glück mehrmals abfliegen und anhand dieser Bilder aufzuzeigen, dass es nur so gewesen sein kann.

 

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