Helmuth Renzler
Foto: Oliver Oppitz
Politik | SVP-Wahlkampf

Falsche Rücksicht?

Helmut Renzler sagt, man habe seine Wahl in den Landtag durch Gerüchte über seinen Gesundheitszustand bewusst boykottiert. Der Versuch einer anderen Sichtweise.

  • Ehrlich, ich wäre darauf wirklich nie gekommen.
    Ich wurde Opfer einer Intrige“, titelt die Neue Südtiroler Tageszeitung am Donnerstag. Helmut Renzler, langjähriger SVP-Abgeordneter, sagt in einem Interview mit Tageszeitungs-Chefredakteur Artur Oberhofer, dass einige "FreundInnen im Edelweiß" gezielt Gerüchte zu seinem Gesundheitszustand gestreut hätten, um damit seine Wiederwahl zu verhindern. 
    Renzler meint im Interview, dass sein Gesundheitszustand keineswegs so besorgniserregend sei, wie man seit Wochen herumrede. Er sei zwar in Behandlung und müsse sich einer Chemotherapie unterziehen, doch er sei absolut imstande weiterzuarbeiten. „Die Gerüchte über meine Gesundheit hat jemand ganz bewusst in die Welt gesetzt“, sagt der SVP-Arbeitnehmer wörtlich. Das Ziel: Seinen Wiedereinzug in den Landtag zu verhindern.
    Helmut Renzler nennt zwar keine Namen, doch weist er im Interview in eine klare Richtung, woher diese Gerüchte kommen. Er geht davon aus, dass diese Intrige aus dem Burggrafenamt und möglicherweise von einer Mitkandidatin ausgegangen sei.

  • Tageszeitungstitel: Die Gerüchte über meinen Gesundheit hat jemand ganz bewusst in die Welt gesetzt“ Foto: Tageszeitung

    Es ist nicht meine Art, über Hintergrundgespräche zu berichten. Dennoch muss ich in diesem Fall mit diesem Tabu (halb) brechen. Weil ich die Sache völlig anders erlebt habe.
    Genau vier Wochen vor den Landtagswahlen mache ich ein Interview mit einem hohen SVP-Funktionär. Am Rande des Interviews trägt mir der Mann zwei Bitten vor. Vor allem die erste dieser Bitten trifft und berührt mich.
    Bitte lass den Renzler in Ruh“, sagt mein Gegenüber damals, „denn er wird wahrscheinlich den Wahltag nicht mehr erleben.“ Ich falle aus allen Wolken und sage sofort zu. Denn politisches Gezänk scheint mit angesichts eines nahenden Todes wirklich zweitrangig zu sein.
    Ich werte es keineswegs als Zufall, dass der hohe SVP-Politiker ausgerechnet mir diese Botschaft mitgibt. Wenig vorher habe ich auf SALTO über die Ermittlungen zu den INPS-Daten in Sachen 600-Euro-Bonus geschrieben. Darin ist ein Meraner INPS-Angestellter, SVP-Arbeitnehmer und enger Freund von Helmut Renzler der Hauptangeklagte. Dem damaligen SVP-Landtagsabgeordneten wird in der Affäre aber auch eine nicht gerade rühmliche Rolle zugeschrieben.
    Ich kenne den Politiker, der mir gegenübersitzt. Deshalb ordne ich persönlich sein Ersuchen auch etwas kritischer ein.  Ich denke mir, so schlimm wird es hoffentlich nicht sein und mein Gegenüber will hier den Mitleidseffekt für seine Partei ausnützen.


    Es ist nicht meine Art, über Hintergrundgespräche zu berichten. Dennoch muss ich in diesem Fall mit diesem Tabu (halb) brechen. Weil ich die Sache völlig anders erlebt habe.

  • Später wird mir der angebliche Gesundheitszustand von Helmut Renzler von zwei weiteren SVP-Politikern bestätigt. Darunter findet sich keine Kandidatin aus dem Burggrafenamt. 

    Nachdem ich heute das Interview mit Helmut Renzler gelesen haben, bin ich nur mehr baff.

    Nachdem ich heute das Interview mit Helmut Renzler gelesen haben, bin ich nur mehr baff. Es übersteigt meine Vorstellungskraft, dass jemand im Wahlkampf bewusst ein solches Gerücht treut, um einem Mitkandidaten aus der eigenen Partei zu schaden.
    Wie wir gesehen haben, ist im Schlangennest der SVP vieles möglich. Aber soviel Bosheit und Niedertracht halte ich wirklich nicht für möglich.
    Deshalb erlaube ich mir, Helmut Renzler einfach nur alles Gute für die Zukunft zu wünschen.

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Dietmar Holzner Do., 09.11.2023 - 15:05

Ganz nebenbei hätte man von Renzlers Gesundheitszustand gar nichts erfahren, wenn er jetzt nicht proaktiv damit in die Presse gegangen wäre. Es war wirklich kein Thema im Wahlkampf. Auch ich wünsche Herrn Renzler von Herzen eine vollständige Genesung. Aber hier zeigt er sich wirklich als schlechter Verlierer.

Do., 09.11.2023 - 15:05 Permalink