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Green Days

Tropfen auf dem heißen Stein?

Die Green Days haben nun auch grünes Licht aus Rom. Doch wie viel kann ein motorfreier Tag in der Woche auf einem Dolomiten-Pass bewirken?
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In Bozen konnte erst wieder an diesem Sonntag erlebt werden, wie die Lebensqualität steigt, wenn der motorisierte Verkehr einen Tag lang still steht. Eine ähnliche Ruhe soll im kommenden Sommer auf dem Sellajoch einkehren: Green Days heißt das bereits im Vorjahr von einer provinzübergreifenden Arbeitsgruppe ausgearbeitete Pilotprojekt, das nun mit einer eigenen Durchführungsbestimmung von Rom genehmigt wurde. Jeden Mittwoch im Juli und August bleibt der beliebte Dolomiten-Pass demnach für alle herkömmlichen Motorfahrzeuge geschlossen. Zugelassen ist an diesen Tagen nur emissionsfreie Mobilität, also Fahrräder, E-Bikes und Elektrofahrzeugen – oder klarerweise die Fortbewegung zu Fuß. Ein erster Schritt, wie Umweltlandesrat Richard Theiner Ende vergangener Woche in einem Treffen mit Umweltschützern unterstrich. „Nach vielen Jahren Diskussionen zwischen den beiden Provinzen, Gemeinden, Interessensverbänden und Bürgern hat man endlich einen gemeinsamen Weg zu diesem heiklen Thema gefunden“, meinte der Landesrat. „Ich bin erst einmal allen Beteiligten dankbar, dass es zu diesem Pilotprojekt gekommen ist – und ich bin überzeugt, dass wir damit Maßstäbe setzen, die alle von diesem Weg überzeugen.“ Denn aufgrund der Ergebnisse des Pilotprojekts sollen in den kommenden Jahren weiterführende Maßnahmen mit den Gemeinden und allen Involvierten vereinbart werden.

Tatsächlich gibt es für eine Sperrung der Pässe nach wie vor jede Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn den Schutz der Dolomitenpässe haben sich auch alle jene auf die Fahnen geschrieben, die von den vielen Reisebussen und Motorrädern leben, die in Massen vom Naturspektakel angezogen werden. Die Einigung auf einen Tag in der Woche war demnach für die Bürgermeister der einzige mögliche Kompromiss. Vor allem weil man so auch im Tourismusmarketing klare Botschaften verbreiten kann. Busanbieter können sich so bereits vorab organisieren. „Und auch wir werden allen dran setzen, diese Tage mit diversen Attraktionen so einzigartig zu machen, dass auch die Gewerbetreibenden ausreichend Verdienstmöglichkeiten haben“, verspicht der Bürgermeister von Wolkenstein Roland Demetz. Die einzige Gefahr, die nicht nur er sieht, ist, dass sich an den Green Days dafür umso mehr Verkehr in Gröden staut. 

In diesem Punkt liegen die Umweltschützer mit den Bürgermeistern auf einer Linie. Auch darüber hinaus ist man beim Dachverband für Natur und Umweltschutz aber mit diesem vorläufigen Ergebnis der jahrelangen Diskussionen alles andere als zufrieden. „Nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein“, lautet das medial verkündete Urteil von Vorsitzendem Klauspeter Dissinger. Immerhin hatten die Umweltschützer eine tägliche Sperrung zwischen 11 und 15 Uhr gefordert. Damit wäre laut Dissinger den Alpinisten die An- und Abfahrt ermöglicht worden und gleichzeitig ein spürbarer Effekt für die Umwelt erreicht werden. Einen Pass am ohnehin verkehrsärmsten Tag zu schließen, würde dagegen wenig bringen, prophezeit er schon jetzt. Besser als noch ein Sommer ohne Taten ist der erste Schritt aber allemal, räumt selbst der Vorsitzende des Dachverbands ein. 

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