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Sparkasse

„Eine sehr ungewöhnliche Operation“

Christof Oberrauch über den Verkauf des Meraner Sparkassenhauses, die Kritik von Karl Pichler und den Versuch der Bankenführung den Altpräsidenten unter Druck zu setzen.
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Salto.bz: Herr Oberrauch, der ehemalige Stiftungspräsident Karl Pichler hat in einem Salto-Interview den Verkauf des Sparkassenhauses in Meran kritisiert. Daraufhin soll er von der amtierenden Sparkassenspitze unter Druck gesetzt worden sein. Verstehen Sie das?
 
Christof Oberrauch: Ich verstehe diese Unterdrucksetzung überhaupt nicht. Denn die Kritik an dieser Operation ist für mich absolut nachvollziehbar. Altstiftungspräsident Karl Pichler hat mit seinen Aussagen völlig Recht. Die Stiftung hat in der Vergangenheit alles getan, um die Selbstständigkeit und das Überleben der Sparkasse zu sichern. Ein wichtiger Schritt dabei war die letzte große Kapitalerhöhung, ein weiterer Schritt war der Erwerb des Hauses am Bozner Waltherplatz und ein letzter Schritt wäre der Kauf des Meraner Sparkassenhauses gewesen.
 
Sie sagen, die Stiftung hätte dieses Haus kaufen sollen?
 
Ja natürlich. Die Stiftung hat sehr viel Geld investiert. Wenn sie also Wertpapiere, die vielleicht nicht so prächtig laufen, mit Immobilien im Land ersetzen kann, dann ist das sicher ein Vorteil für die Stiftung, aber auch für die Bank.
Das ist für mich ein total komischer Vertrag, so wie ich ihn in meinem Berufsleben noch nie gesehen habe.
Auch Sie sind der Meinung, dass der Meraner Hausverkauf ungewöhnlich war?
 
Nach meinen Informationen ist die gesamte Operation nicht nur nicht transparent, sondern sehr ungewöhnlich. Wenn man das so sagen darf. Vor allem mit diesen merkwürdigen Vorkaufsrechten. Vorkaufsrechte macht man normalerweise in einer Familie. Wenn schon, hätte also die Stiftung ein Vorkaufsrecht bekommen müssen und nicht irgendein Privater.

Die Stiftung gab am Ende mit 18,3 Millionen Euro sogar das höchste Angebot ab. Sie zog aber dennoch den Kürzeren.

 
Genau das ist das Absurde. Die Stiftung wollte das Haus kaufen, sie hat ein Angebot gemacht, das über der Schätzung lag. Doch das Vorkaufrecht hat vorgesehen, dass die Drittpartei nicht nur zum selben Preis ein Vorrecht hat, sondern sogar noch eine Prämie bekommt. Das ist für mich ein total komischer Vertrag, so wie ich ihn in meinem Berufsleben noch nie gesehen habe.
 
Die Stiftung muss innerhalb der nächsten Jahre auf Anweisung der Bankenaufsicht rund 20 Prozent ihrer Anteile an der Bank verkaufen. Wäre eine Investition in diese Immobilie demnach strategisch und wirtschaftlich sinnvoll gewesen?
 
Die Stiftung darf die Mehrheit ihres Vermögens nicht länger in die Bank investieren. Somit wäre diese Immobilienoperation sicher ein kleiner Schritt in die richtige Richtung gewesen: nämlich der Beibehaltung der Selbstständigkeit der Sparkasse in Südtirol.
Eine derartige Operation haben sich die vielen motivierten und engagierten Mitarbeiter in der Bank und die treuen Kunden und Aktionäre nicht verdient. Denn es ist einfach demotivierend, wenn nicht voll transparente Operationen gemacht werden.
Sie sind Mitglied der Stiftung Sparkasse, saßen jahrelang im Verwaltungsrat. Was sollte die Stiftungsführung jetzt tun?
 
Das muss die amtierende Stiftungsführung entscheiden. Ich war 25 Jahre lang Verwaltungsrat der Stiftung und bin heute nur mehr einfaches Mitglied. Einer von 150 Mitgliedern. Demnach habe ich auch nichts in der Stiftung zu sagen. Aber auf eines möchte ich schon hinweisen: Ich glaube, eine derartige Operation haben sich die vielen motivierten und engagierten Mitarbeiter in der Bank und die treuen Kunden und Aktionäre nicht verdient. Denn es ist einfach demotivierend, wenn nicht voll transparente Operationen gemacht werden. Aber um das Geschäft endgültig beurteilen zu können, müsste man auch Einsicht in die Mietverträge haben. Interessant wäre es weiterhin zu erfahren, wie die Käufer ein solches Geschäft finanziert haben.  
 
Sie gehen davon aus, dass Karl Pichler und Sie mit dieser Kritik nicht alleine dastehen?
 
Hier müsste man flächendeckend nachfragen. Aber nach meiner Kenntnis und nach meiner Einschätzung ist der Großteil der 150 Stiftungsmitglieder unserer Meinung.
Das Sparkassenhaus
 
Das sogenannte Sparkassenhaus an der Ecke der Sparkassenstraße und der Freiheitsstraße in Meran wurde Ende der 1950er Jahre erbaut. Seit 1959 befindet sich das Haus im Besitz der Südtiroler Sparkasse, die auch dort ihren Meraner Sitz hat.
Ursprünglich gehörte die Sparkasse zu 100 Prozent dem Land Südtirol. Mit der Bankenreform von Giuliano Amato (1992) wurde diese Art der öffentlichen Beteiligung reformiert. Es wurde die gemeinnützige Stiftung Sparkasse und die private Bank „Sparkassen AG“ geschaffen. Die Stiftung überließ den Großteil des riesigen Immobilienbesitzes bei dieser Trennung der Bank.
Im Sommer 2002 gründete die Sparkasse die Sparim AG, in der alle Sparkassenimmobilien eingebracht wurden. Ein gerichtliches Schätzgutachten legt den Wert des eingebrachten Immobilienbesitzes mit 282,8 Millionen Euro fest. In dem Gutachten werden alle Immobilien einzeln bewertet. Für das sechsstöckige Meraner Gebäude wird der damalige Schätzwert mit 10,5 Millionen Euro angegeben.
 
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In der vergangenen 15 Jahren hat die Sparkasse mehrere Um- und Restrukturierungsarbeiten in dem Gebäude durchgeführt. Das letzte Mal vor drei Jahren. In der Sparim-Bilanz wurde die Immobilie auch aufgewertet. Nach Informationen von Salto.bz stand sie jetzt mit einem Wert von 17,5 Millionen Euro in den Büchern. Die Mieteinnahmen belaufen sich auf rund 700.000 Euro im Jahr. Das ist eine Rendite von 4 Prozent.
Vor acht Tagen wurde das Haus an zwei private Unternehmen verkauft: Die „Friutservice GmbH“ (Norbert Gasser) und die „B-Capital GmbH“ (Bernhard Schweizer). Die Käufer haben 18.150.000 Euro für die Immobilie gezahlt. Dabei hatte die Stiftung Sparkasse, Besitzer von über 65 Prozent der Bank, 18,3 Millionen Euro geboten.
Dass das Haus trotzdem an die Privaten ging, liegt an einem einmaligen Vorvertrag, den man Anfang Mai kurz vor Beginn der öffentlichen Ausschreibung unterzeichnet hat. Er sichert den Käufern nicht nur ein Vorkaufsrecht zu, sondern auch eine Prämie von 50 Prozent des Mehrgewinnes über 18 Millionen Euro. 
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Kommentare

Bild des Benutzers kurt duschek

Für mich absolut unverständlich, warum ein Verkauf angeboten wird, wenn der Zuschlag bereits durch einen Vorvertrag gegeben wird. Was wäre geschehen, wenn die Stiftung, oder auch andere am Objekt interessierte, ein um 1 Million höheres Angebot gemacht hätten? Wenn ich dies richtig verstanden habe, hätte bei Ausübung ( oder auch nicht ) des Vorkaufrechtes die Bank auf jeden Fall "nur" 500.000€ mehr erhalten. Man sehe mir bitte meine Unwissenheit und wirtschaftliche Naivität nach, aber wo sind hier Sinn und Transparenz einer solchen Finanzoperation? War,bin und werde sicher kein Kunde der Sparkasse.

Bild des Benutzers Bernhard Oberrauch

Sehr geehrter Herr Christoph Franceschini!
Ich verstehe nicht, wieso die Interessen der Stiftung Sparkasse nicht in der amtierenden Stiftungsführung vertreten sind, wenn der Stiftung 65% der Bank gehören. Die restlichen 35% gehören der privaten Bank „Sparkassen AG“? Wer sind da die Aktionäre? Ist die Stiftung Sparkasse öffentliches Eigentum? Wenn ja, wäre eine Transparenz auch aus diesem Grund erforderlich, und könnte in diesem Fall auch der Rechnungshof einschreiten? Wie beantworten Sie diese Fragen?

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