Politik | Eiertreter*in

Stopp der Viehwirtschaft!

Wahlk(r)ampf ist die Hölle. Sie haben keinen blassen Schimmer, womit wir uns bei „Znicht & Zwider“ so rumschlagen müssen. Ich werd' mal aus der Schule plaudern.
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Foto: Pixabay/Pexels bearbeitet

Nach der Spendenrally, die wir mit einer anonymen Großspende von 6,35 Euro abschließen konnten, war ein Kassensturz angesagt. Eines sage ich Ihnen gleich: Es sieht nicht gut aus (Sad Emoji not available). Leider können wir nicht wie der Spitzenkandidat von „Für Südtirol mit dem, dessen Name ich niemals nenne“ den „Geplatzten Lebenstraum“ in Corvara versilbern. Gleichzeitig ist uns mit dem Hofverkauf an den Multimilliardär aus Hongkong eines unserer Kernthemen abhanden gekommen: Wohnungsnot und Ausverkauf der Heimat. Soviel Fachkompetenz wie man sein Hoametl ausverkauft, können wir gar nie haben. Uns fehlen nämlich zwei elementare Dinge: Immobilie und Multimilliardär.
Und spätestens hier ist eine (zähneknirschende) Entschuldigung fällig. Ich habe ja immer behauptet der schwächste Landesrat den wir je hatten, könne nicht mit Geld umgehen. Falsch! Wenn's um die eigene Penunse geht, weiss der Ex-Bauernbunddirektor / Ex-Parteisekretär / Ex-Wahlkampfmänätscher / Ex-Landesrat / Ex-Landtagspräsident / Ex-Mutterpartei-ler, wo der Barthel den Most herholt - nur beim Geld der anderen (also Ihrem und meinen Steuergeld) sitzt die Brieftasche locker. Das ist gut so: Das Geld muss unter die Leute. Die richtigen versteht sich.

Sichtbarkeit

Auch mit der Sichtbarkeit tun wir uns dieser Tage schwer. Blöd, echt blöd! Es war uns zu blöd jeden Landtagskandidaten mit einer eigenen Pressekonferenz vorzustellen und jetzt haben wir den Salat. In den Systemmedien und der Lügenpresse kommen nur die Mitbewerber vor. Zudem: Nix Einweichungsfeier, nix Eröffnung, nix Indienststellung. So inflationär wie zur Zeit damit umgegangen wird, müsste doch auch für uns ein Toilettenhäuschen oder ein Kreisverkehr rausschauen? Bandldurchschneiden und klobürstenschwingender Pfaff werden gefühlt fünf Jahre aufgespart, um dann zwei Monate vor dem Wahltermin mit Pauken und Trompeten - wollte sagen, mit Goaslschnöller und Musi - und mindestens 5 Landtagskandidaten über die unschuldige Bevölkerung hereinzubrechen. Sogar Projekte die seit einer Ewigkeit auf Eis lagen, erwachen aus ihrem Dornröschenschlaf: Bibliothekspool in der Weltlandeshauptstadt oder die Bauarbeiten am Tunnel von Kastelbell. Wirst sehen, die neue Baufirma muss jetzt 24-Stunden-Schichten schieben, damit die fehlenden 18 Meter bis zum Durchstich am Freitag vor dem 22. Oktober abgetragen sind. Dann wird sich der Landesrat für Beton und Bodenversiegelung vor ein Rudel Hochzeitsfilmer stellen und den roten Knopf für die letzte Sprengung drücken. Wissen Sie warum der zweitlängste Tunnel des Landes bei uns im Vinschgau gebohrt wird oder die zweistöckigen Kreisverkehre, wie beim Schiffeversenken, willkürlich in die Pampa gesetzt werden? Die potenziellen Wähler der Südtiroler Verbands Partei rekrutieren sich aus der deutschen Landbevölkerung - in Bozen wohnen nur Walsche und deshalb ist die Verlängerung des Tunnels von Pfarrhof nach Kardaun nicht wichtig. Die Boazner bekommen ihren Hörtenbergtunnel auch nur, damit der Locher schneller auf die Autobahn zum Regionalrat in Trient kommt. Angeschissener sind nur noch die Knastbrüder - der Neubau des Gefängnisses wurde gerade auf den Sanktnimmerleinstag verschoben. Ein zweites Tangentopoli, wo unsere Herrn Politiker reihenweise in die Bozner Dantestraße einfahren - sozusagen für einen mehrjährigen Lokalaugenschein - würde sicher helfen, so ein Bauvorhaben zu beschleunigen. Errata corrige. Das Gefängnis hat 100 Jahre gehalten, das hält locker weitere 100! Weil - die Hälfte der Raber und Banditen im Tschumpus sind eh nur irgendwelche Extracomunitari, illegal im Land der Blauschürzen, ergo nicht wahlberechtigt. Moooment! Das wäre doch ein Ansatz: Mehr Reichweite durch einen Wahlkampf der niederen Instinkte.

Unsichtbarkeit

Der niedersten, wollte ich schreiben. Ersetzen Sie „Extracomunitari“ im vorherigen Absatz mit „Dreckige, stinkete Neger.“ Ich, die Landeshauptmännin-Kandidatin von „Znicht & Zwider“ weiß, wie ich das Volk der Tölpel und Dödel zu nehmen habe: Populistisch. Leider bin ich zeitlich im Rückstand. Die Xenophoben sind bereits prontissimo aus ihren Löchern gekrochen. Nimm den strammen Sven (Sven ist kein Südtiroler Name). Unser Heimatferner hat „aufgedeckt, dass für die Leistung ‚Beitrag für Miete und Wohnungsnebenkosten‘ im Jahr 2022 insgesamt 40.976.000 Euro an 12.133 Leistungsempfänger ausbezahlt wurden.“ Und „dass die Hälfte aller öffentlichen Beiträge an Ausländer geht, obwohl diese nicht die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, sondern knapp 10 Prozent.“ Apriti cielo! Vielleicht weil die nur Scheißjobs mit unterirdischer Bezahlung bekommen, wo am Ende des Geldes noch eine ganze Menge Monat übrig ist? Gibt es ein Wort dafür, wenn ein Ausländer über andere Ausländer schimpft? Ich meine, dass sich der Innschpruckkker in der sozialen Hängematte seines Landtagsmandates auf unsere Kosten eine schöne Zeit macht, steht wohl außer Frage?
Und komisch. Die IDM erhält auch 40 Millionen öffentliche Beiträge. Und was macht die damit: Sie holt Ausländer ins Land! Nein, ich spreche nicht von den 8 Millionen Touristen, die unsere Straßen verstopfen. Ich rede von den Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, den nüchternen Abspülern aus Pakistan, ohne die unsere Tourismusindustrie nicht überlebensfähig wäre. Ich rede vom Ghanesen, der mir auf der Meraner Winterpromenade meinen Macchiato serviert, weil wegen demographischem Wandel und 12-Stunden-Schichten kein Personal zu finden ist. Ich rede von den Hungerlöhnen im „begehrenswertesten und teuersten Lebensraum Europas“ und dem blonden Gift aus Moldawien, das nur Englisch spricht. Kellererinnen, welche die Landessprachen beherrschen kosten mehr. Und seien wir ehrlich: Eine rein englischsprachige Bedienung macht so eine Lounge auf über 2.000 Metern Meereshöhe mitten im Sellastock erst richtig hip; fühlt man sich als Speckrepublikanerin wie eine Weltbürgerin, zahlt man liebend gern 4,50 Euro für einen Cappuccino. Abgesehen davon: Die Nadejda ist wirklich hübsch anzuschauen und frau weiß ja, diese ganzen Osteuropäerinnen sind so sprachbegabt - in eine paar Jahren redet die perfekt Dialekt. Dann kann man sie auch als Badante gebrauchen - also, wenn sie nicht mehr so ansehnlich ist. Putze wäre auch noch drin - aber nur wenn man sie schwarz anstellen kann.
Apropos Englisch. Wir werden uns weder irgendwelche Marketingfuzzies vom Kaliber der Innovators.Developers.Marketers leisten können, noch einen rechtschreibfesten Texter. Deshalb hat „Znicht & Zwider“ schamlos bei der politischen Konkurrenz geklaut. Und in einem Guerillawahlkampf werden wir alle 89 Propagandatechniken aus dem Handbuch von Henry T. Conserva anwenden.
Am vielversprechendsten scheint uns dabei „Agenda-Setting“ und „Ad nauseam“ … in Personalunion versteht sich: „Südtirol muss kuhfrei werden!“ Wir werden unseren Slogan prominent und jeden Tag bis zum 22. Oktober in den Südtiroler Leitmedien platzieren - wie der SBB seinen Isegrim und Meister Petz. Irgendetwas sagt mir, dass noch vor dem Wahltag der erste Wolf sein Leben lassen muss. Für das Kreuzl auf dem Edelscheiß. Wir haben echt Probleme. Dass Cocktailtomaten nur mehr in 300-Gramm-Schalen für 2,45 Euro verkauft werden, damit der Preisunterschied zum letzten Jahr nicht so eklatant auffällt, wo 500 Gramm für 1,99 Euro zu haben waren, interessiert niemand. Ich schweife ab.

Sagte ich, dass mein großer Laggl Informatik studiert? Der kann mit dem ganzen Computerzeugs einigermaßen umgehen und hat uns - ausgehend von Plakaten der letzten Bauerndemo in der Weltlandeshauptstadt - ein paar Plakate gephotoshoppt.

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Sie können die Bilder rechtefrei herunterladen, ausdrucken und auf ihrem Balkon oder Gartenzaun aufhängen. Wir sind für jede Unterstützung dankbar. Um ehrlich zu sein, wollte ich die Thematik um Killerkühe, Mörderkaninchen und Kampfhamster globaler angehen. Weg von „kuhfrei“, hin zu einem „Stopp der Viehwirtschaft!“ (Nein Sie irren sich nicht: Wurde in ähnlicher Form vom Kasblatt ersonnen - wir plagieren nur bei den Besten). Final ist ein generelles Keulen aller Viecher im Land. Zu komplex hat Purzi Gagele, unser Sekretär gemeint. Kann man in Tschegglistan nicht kommunizieren. Deshalb orientiert sich das Leitmotiv an einem Plakat, das laut Südtiroler Tageszeitung unweit des Milchhofs in Sterzing gesichtet wurde:

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Sind die Viecher erst mal weg, erübrigen sich „Zahlung für die Reduzierung von Antibiotika und für das Tierwohl (Alpung Rinder und Schweine)“, „Förderung für Ankauf von Melkanlagen und Melksystemen“ oder „Förderung von Wirtschaftsgebäuden für die Unterbringung von Rind“. Unter der Pressemitteilung von „Znicht & Zwider“ zur Kuhattacke auf der Seiser Alm, wurde von der Des-isch-mein-Grund-Fraktion folgender Post auf Facebook 22 mal gelikt:

„… olle Wonderwege auf Privatgrund sofort sperren, nor isch sofort a Ruhe …“

Worauf ich als Landeshauptmännin-Kandidatin mit einem:

„… olle Londwirtschoftsubventionen sofort oschoffn, nor isch sofort a Ruhe …“

kontern möchte. „Südtirol muss subventionsfrei werden“. Die Höfe braucht es dann nicht mehr und wir können sie an jeden zahlungskräftigen Ausländer verscherbeln, der ein paar Millionen übrig hat. Der, dessen Name ich niemals nenne, kann sicher mit Kontakten aushelfen. Und dem, mit dem ausländischen Vornamen sind Ausländer, die Kohle bringen sicher lieber, als ausländische Müll- und Busfahrer, die mit ihrem Billiglohn nicht bis zum Monatsende kommen.

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Georg Markart Do., 10.08.2023 - 12:12

Do hot Goggel Totsch wirklich olles richtig!! aufgezählt wias in inseren Landl zuageat. Ollerdings, war olles besser wenn stott der SVP a ondere Partei es sogn hat?Logisch wearn oanige sogen, sell miaset man erst segn. Obr,sollte der Sven wirklich LH wearn sem wuret olles viel besser, weil er hot onscheinend den Zauberstob in seinen Steiereronzug versteckt,sem wuret er in Rom auftretn , Dirigieren und den Takt vorgeben und notfalls um sich schlogen und sollte es nit guat gian kannt er jo olm no in sein Homatlond auswondern.

Do., 10.08.2023 - 12:12 Permalink
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tutgutes brueder Sa., 12.08.2023 - 08:03

Beitrag nett zu lesen… nur „ausländische Müllfahrer“ gibt es zumindest in Brixen keine! Scheinen begehrte Jobs zu sein bei der Gemeinde. Den Dreck verräumen wir selber, inklusive den der „Ausländern“.

Sa., 12.08.2023 - 08:03 Permalink
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△rtim post Sa., 12.08.2023 - 10:33

"Don't get elected for your ideas, get elected!" Das Motto amerikanischer Spin Doctors hat längst auch Südtirol erreicht: "Du wirst zuletzt wegen deiner Konzepte gewählt, sieh zu, dass du irgendwie gewählt wirst. Durch welche Taktik auch immer.
Neue Beliebigkeit, nicht neue Mitte, ist typisch für diese Phase der Politik. Themen, "Agenda setting", also das schnelle Aufspüren von Spalt- und Gewinnerthemen sowie deren mediale Inszenierung beeinflusst stärker den Wahlentscheid als Konzepte und Kompetenzen. Ebenso zählen dazu kurzfristige, nach Taktik und Interessensgruppen gefällte Entscheidungen, Posten und Koalitionen: Alles ist möglich. Was heute noch gilt, hat bereits für morgen keine Weisungskraft mehr.
Wer erinnert sich etwa noch an Kompatschers Selbstanspruch an Politik (2013) der Erneuerung und des Umbaus, der selbstauferlegten Amtszeitbeschränkung auf das Jahr 2023, seine Aussagen im Jahr 2022 noch über die Gefahr der nationalen rechtsextremen Brüder Italiens?

Sa., 12.08.2023 - 10:33 Permalink
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Martin Tarshito So., 13.08.2023 - 09:01

Antwort auf von △rtim post

"Wer erinnert sich etwa noch an Kompatschers Selbstanspruch an Politik (2013) der Erneuerung und des Umbaus, der selbstauferlegten Amtszeitbeschränkung auf das Jahr 2023[...]?"
Daran erinnere ich mich noch sehr gut. Hatte allerdings bisher das Gefühl, dass dich sonst niemand mehr daran erinnern möchte. Zumindest an Letzteres.

Das mit den "rechtsextremen Brüder Italiens" zeigt nur um so besser das Kuh-Handel Prinzip der SVP und seines Vorgängers'[mein Eindruck, der sich von Wahl zu Wahl stärker macht]: 'Was bekomme ich, wenn ich mit Dir koaliere?'

So., 13.08.2023 - 09:01 Permalink