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Kronplatz-Museum

„Entrüstung mehrerer Mitglieder“

Auch im Landeskulturbeirat brodelt es: Der Heimatschützer und Designer Albert Willeit hat jetzt in einem Schreiben an die Mitglieder seine harte Kritik geäußert.
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Die Mail ging am Montagvormittag an zwei Dutzend Empfänger. Darunter auch die Landesräte Philipp Achammer, Christian Tommasini und Florian Mussner.
Im Begleitschreiben heißt es:
 
Sehr geehrte Landesräte,
geschätzte Mitglieder im Landeskulturbeirat,
beigefügt die Stellungnahmen von mir und jene vom Brunecker Stadttheaterdirektor Klaus Gasperi zur öffentlichen Finanzierung des Fotografiemuseums am Kronplatz, mit der Bitte um Kenntnisnahme. Ich denke, dass über den Einsatz solcher Gelder aus dem erweiterten Kulturbudget im Landeskulturbeirat zu diskutieren wäre.“
 
Absender ist Albert Willeit. Der Gaiser Desginer und Heimatpfleger ist Mitglied im Kulturbeirat des Landes. Das institutionelle Gremium, das über die Förderpolitik des Landes und die finanziellen Zuwendungen für einzelne Kulturprojekte entscheidet, wird bei einer der finanzstärksten Entscheidungen außen vorgelassen.
Es geht um eine Finanzierung des geplanten Bergfotografie-Museums am Kronplatz. 3 Millionen Euro will die Landesregierung in den Jahren 2017 und 2018 über die Museumsförderung der privaten Kronplatz AG zukommen lassen. Dazu hat man still und leise das entsprechende Fördergesetz des Landes geändert.
Nachdem salto.bz diesen Schachzug aufgedeckt hat, regt sich Widerstand. Der Direktor des Brunecker Stadttheater Klaus Gasperi hat in einem offenen Brief diese Woche die Finanzierung „als Zweckentfremdung von Steuergeldern und Respektlosigkeit gegenüber den Südtiroler Kulturschaffenden, die oft mit einem Trinkgeld überleben müssen“, gegeiselt.
Albert Willeit schickte Gasperis Stellungnahme am Montag direkt allen Mitglieder des Landeskultubeirates. Dazu verfasste Willeit aber auch eine eigene Stellungnahme.
Albert Willeit positioniert sich dabei eindeutig:
 
Grundsätzlich ist zu begrüßen, dass sich die Kronplatz Seilbahn AG mit dem Bau des architektonisch interessanten Bergmuseums und künftig mit dem Bergfotografie‐Museum auch kulturellen Anliegen widmen will.
Der Grund dafür liegt aber wohl weniger im Anliegen zur Vermittlung von Kultur, als vielmehr im strategischen Marketing, um die Attraktivität besonders für den schwächelnden Sommertourismus auf dem Kronplatz zu steigern. Das wäre soweit auch völlig in Ordnung, sofern alles von der finanzkräftigen Liftgesellschaft selbst getragen würde.
Wenn aber das Land dieses Bergfotografie‐Museum mit einer 3‐Mio. €‐Finanzspritze zur Hälfte (!) mitfinanziert, dann hört sich der Spaß auf. Gerade deshalb, weil diese Mittel aus dem Museumstopf und somit aus dem erweiterten Kulturbudget kommen und die bestehenden Museen dringend zusätzliche Geldmittel bräuchten, um den Betrieb aufrecht zu erhalten oder sich zu verbessern und andere warten noch auf eine Finanzierung.
Aber vor allem im Bereich der vielen tätigen Kulturinitiativen und der großen Kulturverbände ist die Forderung nach Aufstockung der Beiträge enorm. So drängen seit Jahren der Verband der Musikkapellen, der Künstlerbund, der Heimatpflegeverband, die Städtetheater und viele andere auf eine Erhöhung.
Auch die vermehrte Unterstützung für Künstler und Kulturschaffende wäre dringend notwendig. Hier wäre ein solches Geld sehr gut investiert gewesen, weil es sehr vielen ehrenamtlich Tätigen im ganzen Lande zugutekäme.
Wenn die Kronplatz AG wirklich ernsthaft Kultur betreiben möchte, dann sollte sie dieses geschenkte öffentliche Geld mit einem starken finanziellen Engagement im Sponsoring von kulturellen Initiativen und Kunstschaffenden langfristig wieder zurückgeben.
Deshalb haben sich mehrere Mitglieder des Kulturbeirates über diese Art von hoher Beitragsvergabe entrüstet gezeigt, auch weil für das Kulturbudget künftig sogar stärkere Kürzungen prophezeit werden! Wenn die Kronplatz AG wirklich ernsthaft Kultur betreiben möchte, dann sollte sie dieses geschenkte öffentliche Geld mit einem starken finanziellen Engagement im Sponsoring von kulturellen Initiativen und Kunstschaffenden langfristig wieder zurückgeben. Damit könnte durchaus etwas Interessantes entstehen.“
 
Die Frage ist jetzt: Wird sich der Kulturbeirat des Landes dieses Themas annehmen? Und notfalls auch ein offizielles Veto einlegen.
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