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Jubiläum

150 Jahre Alpenverein in Südtirol

Ein viel gefeiertes Jubiläumsjahr endet. Zeit noch mal zurück zu blicken zu den Anfängen des größten Vereins in Südtirol.
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In Zusammenarbeit mit dem AVS / Text von Florian Trojer

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Vor 150 Jahren entstanden die Sektionen Bozen und Niederdorf
1869 wurden im gesamten deutschsprachigen Raum die ersten Alpenvereinssektionen gegründet. Südtirol war mit Bozen und Niederdorf von Anfang an mit dabei. Die Idee, einen Zusammenschluss für alle zu schaffen, die von Bergen begeistert sind, fiel hier auf fruchtbaren Boden.

Die Vorgeschichte 
Die Idee, einen Alpenverein zu gründen, entwickelte sich zu einer Zeit, in der sich die Ostalpen noch ganz anders präsentierten als zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Gebirgstäler waren nicht die gut erschlossene von touristischer Infrastruktur geprägte Landschaft, wie wir sie heute kennen. Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte eine von kleinstrukturierter Landwirtschaft geprägte Lebensweise die ländlichen Gebiete, und die verkehrstechnische Infrastruktur war diesen Erfordernissen angepasst. Das Wegenetz verband vor allem die wirtschaftlichen Nutzflächen wie Almen, Wiesen und Wälder mit den bewohnten Zentren. Dazwischen lagen auf der Landkarte relativ große weiße Flecken, die allenfalls von Hirten und Jägern durchstreift wurden. Gebaute und ausgewiesene Wege fand man im Hochgebirge nur dort, wo das Gelände keine tiefer liegenden Übergänge zuließ. Entsprechend der fehlenden Infrastruktur in den Bergen mussten auch die Voraussetzungen für Interessengruppen zur Verfolgung ihrer gemeinsamen Ziele in den Ballungszentren erst geschaffen werden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Blütezeit der Vereine. Das Bürgertum entdeckte den Verein als wirkungsvolle Ausdrucksform seines kollektiven gesellschaftlichen Bewusstseins. Vereine wurden stolz in Lebensläufen und sogar in Todesanzeigen genannt. Die anbrechende Moderne setzte die Menschen aus vielen überkommenen Bindungen frei und begünstigte die Entstehung und Verbreitung der Vereinsform. Die „neue“ Zeit erforderte neue Entscheidungsformen und rechtlich normierte Verfahrensweisen, und genau hier setzten die Vereine an: Sie halfen durch ihre vielfach demokratische Subkultur und ihre Geschäftsordnungen diese in der Gesellschaft zu etablieren. Von der Sozialhilfe und -fürsorge bis zur wirtschaftlichen Interessenvertretung, vom Gebetsverein bis zum Sparverein, alles war möglich: auch eine Interessenvertretung von Bergbegeisterten, die weit über einen reinen Sport- oder Wissenschaftsverein hinausging.

Gründung des Deutschen Alpenvereins
An der eigentlichen Gründung des Deutschen Alpenvereins DAV waren verschiedene Gruppen und Einzelpersonen mit den unterschiedlichsten Motiven beteiligt. Allen gemeinsam war die Überzeugung, dass der bestehende OeAV in Wien nicht ausreichte, um die Interessen aller Alpenfreunde in angemessener Form zu vertreten. Ab Mitte der 1860er-Jahre formierten sich in München die bergbegeisterten Bürger immer stärker zu gemeinsamen Interessenvertretungen. Darüber hinaus setzten sich vor allem zwei Personen für einen Deutschen Alpenverein ein. Der Kurat Franz Senn aus Vent suchte dringend finanzkräftige Partner, um seine ehrgeizigen Projekte zur Förderung des Tourismus und zur Hebung des Lebensstandards im Ötztal verwirklichen zu können. Nachdem er seit Jahren mit dem OeAV verhandelt hatte und zwar wohlwollendes Interesse und viele Worte, aber nur eine vergleichsweise geringe finanzielle Unterstützung erhalten hatte, sah er seine Ziele nur außerhalb des OeAV realisierbar. Der Prager Kaufmann Johann Stüdl, der auf eigene Kosten 1868 die Stüdl-Hütte am Großglocker hatte erbauen lassen, war ebenso von der Notwendigkeit eines direkt in den Gebirgsregionen aktiven Vereins überzeugt. Auch aus Wien kam ein entscheidender Impuls für die Gründung eines neuen, föderalistischen Alpenvereins: Paul Grohmann und 14 weitere Bergfreunde aus Wien schickten am 13. April 1869 einen Brief an die Münchner Alpinisten mit der Absicht, einen Allgemeinen deutschen Alpenverein zu gründen. Auch in Bozen gab es zu dieser Zeit bereits reges Interesse an einem Alpenverein. Johann Graf Arz, Albert Wachtler, Franz Waldmüller und Josef von Zallinger versuchten als sogenannte „Bevollmächtigte“ das Interesse an der Tätigkeit des Österreichischen Alpenvereins zu fördern. Doch sie merkten bald, dass es schwierig war, Menschen für einen Verein zu begeistern, der sich zwar mit den Bergen beschäftigte, aber fern der Berge positioniert war. Der Fokus auf literarisch-wissenschaftliche Themen, das Desinteresse an der Schaffung von alpiner Infrastruktur und vor allem das zentralistische System waren für sie nicht mit ihrer Vision von einem föderalistischen Verband von Bergbegeisterten vereinbar. Interessenten an einem neuen, „Deutschen“ Alpenverein gab es also viele, über Jahre hinweg wurden zu diesem Thema Kontakte geknüpft und ein reger Briefwechsel geführt. Am 9. Mai 1869 fand eine Versammlung von 36 Alpenfreunden statt, in der die Gründung des Deutschen Alpenvereins mit der Konstituierung seiner ersten Sektion München erfolgte.

Bozen: die erste Sektion in Südtirol
Doch die Gründung der Sektion München sollte nur der Startschuss sein. Eine der ersten Aktionen des neuen DAV war es, an das in Monaten zuvor geknüpfte Netzwerk von interessierten Kontaktpersonen im gesamten deutschen Sprachraum einen „Aufruf an alle Alpenfreunde!“ hinauszuschicken. Darin appellierten die Promotoren, jeweils vor Ort eine eigene Sektion zu gründen. In Bozen erreichte dieser Aufruf die bereits seit Jahren als OeAV-Bevollmächtigte aktiven Bergfreunde Johann Öttel, Josef von Zallinger und Albert Wachtler. Und sie schritten gleich zur Tat: Am 6. August wurde die Gründung einer Sektion Bozen des DAV beschlossen und am 3. November fand die konstituierende Versammlung statt. Als Hauptaufgabe stellte sich die Sektion, das Bergführerwesen in Südtirol zu organisieren und „genaue, verlässliche Daten über Entfernungen, Unterkunftsorte, Gasthäuser, Führer und Führertarife in ganz Südtirol von den Dolomiten bis zur Ortlergruppe zu sammeln“. In den ersten Vereinsjahren beschränkte man sich auf das Sammeln und Organisieren von Informationen für Alpinisten sowie das Veranstalten von Vorträgen. Das Bauen von Wegen und Schutzhütten wurde erst später in die Vereinsaktivitäten aufgenommen, als mit steigender Mitgliederzahl auch die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zunahmen. Ein Blick auf die Mitgliederliste der Sektion Bozen zeigt eine Gründergeneration von Besitz- und Bildungsbürgern. Für Bozen typisch sind sehr viele Kaufmänner vertreten, daneben Beamte, Ärzte, Fabrikanten und Anwälte. Der besitz- und bildungsbürgerliche Hintergrund kennzeichnete den gesamten Alpenverein, sowohl die Flachland- als auch die Bergsektionen. Beispielhaft für den bürgerlichen Hintergrund der Alpenvereinsmitglieder ist der Obmann der Sektion Bozen Albert Wachtler. Er war mit Unterbrechungen 23 Jahre lang Vorstand der Sektion. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Kaufmann und Betreiber eines „Manufaktur- und Weißwarengeschäfts“ unter den Bozner Lauben. Die Liebe zu den Bergen zeigte der Bozner Kaufmann nicht nur als Vorsitzender der Sektion Bozen, sondern auch als herausragender Alpinist. So geht etwa die Erstbegehung der Westwand der Hohen Gaisl in den Pragser Dolomiten auf sein Konto. Wachtlers Biografie ist nicht nur idealtypisch für einen Bozner Bürger, sondern auch für einen Funktionär des frühen Deutschen Alpenvereins. Überall in den Städten, wo Sektionen des DAV entstanden, waren es Männer mit einem ähnlichen Lebenslauf, die dahinterstanden: finanziell unabhängig, politisch vielfach ein Naheverhältnis zu liberalen Parteien und in einer Vielzahl von öffentlichen Ämtern tätig. Dazu kam eine schwärmerische Liebe zu den Bergen und zur Natur: Fertig war der Boden, auf dem die Idee eines gemeinsamen Alpenvereins keimen konnte. Die relativ neue Organisationsform des Vereins war für diese Männer der Schlüssel, um ihre Interessen mit einer Vielzahl von Gleichgesinnten zu bündeln und in organisierte Bahnen zu lenken. Und sie hatten die Macht und das Potenzial, um dem Deutschen – und ab 1873 dem Deutschen und Österreichischen – Alpenverein die notwendige Initialzündung zu geben, die ihn später zum Erfolgsmodell werden ließ.

Niederdorf: Erste „Landsektion“ des DAV und zweite Sektion Südtirols
Bisher hatten sich nur in Städten neue Alpenvereinsgruppen gebildet, mit Niederdorf wurde erstmals in einem Dorf eine neue Sektion gegründet. Der Weg zu dieser neuen Sektion führte auch nicht wie bisher über das Netzwerk von Vertrauenspersonen, die direkt kontaktiert wurden. In München war man nun dazu übergegangen, überall in den lokalen Zeitungen Gründungsaufrufe zu lancieren. So erschien im „Pustertaler Boten“ vom 2. Juli 1869 ein „Aufruf an alle Alpenfreunde!“ des provisorischen Ausschusses der Sektion München: „Die Unterzeichneten […] laden ein zur Bildung von weiteren Sektionen, beziehungsweise zum Anschluss an schon bestehende.“ In Niederdorf fiel diese Einladung auf fruchtbaren Boden, im Dezember 1869 wurde hier die zweite Südtiroler Sektion des Alpenvereins gegründet. Mit der umtriebigen Tourismuspionierin Emma Hellenstainer war erstmals eine Frau Mitglied des Alpenvereins. Obwohl im Alpenverein – im Gegensatz zu anderen alpinen Vereinen wie etwa dem Alpine Club in London – von Anfang an Frauen grundsätzlich als Mitglieder erlaubt waren, war der Alpenverein lange Zeit – mit wenigen illustren Ausnahmen – ein Männerverein. Doch Emma Hellenstainer war nicht nur ein einfaches Mitglied, sondern als Hotelbesitzerin eine der Initiatorinnen hinter der Sektion Niederdorf. Sie sah – wie auch der Venter Kurat Franz Senn – den Alpenverein als Chance, den lokalen Tourismus voranzutreiben und Infrastruktur zu schaffen, um das größte Potenzial vor Ort, die wunderbare Bergwelt, für den Touristen erfahrbar zu machen. Gleichzeitig konnten über den Alpenverein die Berge als touristisches Wunschziel auch in alpenfernen Gebieten beworben werden. Nach einigen Jahren trat ein gewisser Stillstand in der Sektion Niederdorf ein, 1877 wurde die Sektion durch die Bildung der Sektion Hochpustertal auf neue Beine gestellt. 1873 erfolgte der Zusammenschluss der beiden bisher getrennt bestehenden Alpenvereine. Der Österreichische Alpenverein bildete zusammen mit der Sektion Wien des Deutschen Alpenvereins die neue Sektion Austria, während der Deutsche Alpenverein dem älteren Österreichischen Alpenverein den Respekt erwies, ihn in den neuen Namen des Gesamtvereins aufzunehmen: Ab 1874 gab es also den Deutschen und Österreichischen Alpenverein DuOeAV.

Eine Idee verbreitet sich 
Bereits 1870 entstanden in Südtirol weitere Sektionen in Bruneck und Meran. Meran war von Anfang an eine überaus aktive Sektion, die sich auch als erste mit dem Bau von alpiner Infrastruktur beschäftigte. Schon 1871 wurde „zur leichteren Besteigung des Hirzer der Zugang zur Spitze durch Anlegung eines Weges verbessert“, 1874 eröffnete die Sektion feierlich die Hirzerhütte. Ein herausragender Repräsentant der Verquickung von Alpenverein und Tourismus in Südtirol war Theodor Christomannos, von 1891 bis 1911 Vorstand der Sektion Meran und gleichzeitig einer der wichtigsten Wegbereiter des Bergtourismus in Südtirol. Christomannos baute mehrere hochalpine Hotels, u. a. das Grandhotel Karersee, und war Initiator der Suldenstraße im Ortlergebiet und der Großen Dolomitenstraße von Bozen nach Cortina d’Ampezzo, beides Grundpfeiler der touristischen Erschließung südlich des Brenners. Der Beitrag des Alpenvereins zum aufstrebenden Tourismus lässt sich kaum überschätzen. Der Fremdenverkehr profitierte in erster Linie von den Erschließungsarbeiten des Alpenvereins. Viele Hunderte Kilometer von Wegen wurden angelegt und markiert, alpine Stützpunkte verkürzten die Zustiege und machten viele Gipfel auch für gemäßigte Alpinisten erreichbar. Den Bergsteigern der ersten Stunde folgten alsbald Wanderer und andere Erholungssuchende, die die Berge für sich entdeckten. Der Alpenverein konnte kaum schnell genug damit sein, neue Unterkünfte zu schaffen und die bestehenden auszubauen, um die stetig wachsende Nachfrage zu bewältigen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war der DuOeAV einer der größten Vereine in Südtirol. Kurz vor dem Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 erreichten die Südtiroler Sektionen ihren Mitgliederhöchststand mit 2.475 Personen in 14 Sektionen, wovon mehr als ein Drittel auf Bozen, die größte Sektion, entfiel. Dazu kamen noch weitere Sektionen in den angrenzenden Gebieten, wie etwa Ampezzo, Fassa, Trient, Fersental und Buchenstein.

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