Grüne Farbe
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Recovery Fund

Zu grün, um wahr zu sein?

“Etikettenschwindel”, “Wunschzettel der Lobbys”, am ökologischen Wandel vorbei: Die Kritik am Südtiroler Recovery Plan wird lauter. Dabei dürfte der Zug abgefahren sein.
Von
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Lisa Maria Gasser11.03.2021
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Kommentare

Bild des Benutzers Karl Gudauner
Karl Gudauner 12.03.2021, 08:28

Was auf diesem Zug nicht Platz findet, muss auf lokaler Ebene finanziert werden. Eine transparente Diskussion zu den mit den EU-Vorschriften übereinstimmenden und für Südtirol relevanten und wegweisenden Projekten trägt dazu bei, Mitnahmeeffekte zu minimieren und ist imstande, die Bevölkerung für die Veränderungen zu gewinnen, die in Produktion und Konsum notwendig bzw. angebracht sind. Gelingt es, die neuen Paradigmen der Lebensqualität zu vermitteln und gemeinsame Ziele zu vereinbaren, dann wird leichter, die Verantwortung für den Prozess des Wandels zu schultern.

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Martin Daniel 12.03.2021, 08:44

Dass bestimmte dieser Projekte angesichts des Zustandes von Natur und Klima heute noch angegangen werden, ist an sich schon haaresträubend. Dass das auch noch mit EU-Mitteln unter der Rubrik "Ökowende" laufen soll, schlägt dem Fass den Boden aus. Ob Von der Leyen und Draghi mitkriegen, was ihnen da von den Mitgliedsstaaten und deren Regionen untergejubelt wird?

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Peter Defranceschi 12.03.2021, 11:07

"Grüne Revolution"?! Nach wessen Maßstäben?

"Agrifuture 2.3.1 Stärkung der Infrastruktur und Kapazität für wissenschaftliche Forschung und Innovation zur Schaffung einer wiederkehrenden, digitalen und nachhaltigen Lebensmittelkette in den Bergen. (67 Mio.)"
Warum geht es hier genau? Lokalisierung einer nachhaltigen (Berg)Landwirtschaft und resilienteren Ernährung? Was bedeutet "wiederkehrend"?

"Green Priority"
2.4.2 Errichtung des öffentlichen Schlachthofes Bozen. (8 Mio.)
2.4.4 Liegenschaftsinstandhaltung und Facility Management der Landesverwaltung. (41 Mio.)"
Inwiefern ist das "Green Priority?"

"3. Mobilität" ist mit 125 Mio beziffert. Mobilitätsmaßnahmen unter "Grüner Revolution" mit >500 Mio (von 1000 Mio)

Unter "4. Erziehung" "nur" 83 Mio und nur für "Smart Automation Campus", wenn man bedenkt, wie viel Ignoranz kostet.

"Künstliche Intelligenz, Big Data, Robotik, Automatisierung ..." OK, aber wo lernen unsere zukünftigen Leader (Kinder/Jugendliche) über die wahre Revolution, die in den nächsten 10 Jahren nötig ist..., die immer offensichtlichere Verbindung von Gesundheit von Mensch und Land...
Die breite, professionelle Sensibilisierung und Schulung zu diesen Themen (Bauern, Konsumenten, Entscheidungsträgern) kann nicht weiterhin der Zivilgesellschaft mit Winzigbeträgen überlassen werden.

Und in der Tat: eine "grüne Revolution und ökologischer Wandel", die nicht einmal (!) den Erhalt der Schönheit und biologischen Vielfalt Südtirols erwähnen, die das langfristige Kapital der Südtiroler Wirtschaft (Tourismus, Landwirtschaft) ausmachen?

Nachhaltigkeit ist Langfristigkeit und eine gesunde Wirtschaft ruht langfristig immer auf einer gesunden Umwelt. Ansonsten bleibt die "recovery" eine kurze "Erholung" - vor der nächsten Ernüchterung

Hoffentlich ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und eine Adjustierung möglich!

Bild des Benutzers Evi Keifl
Evi Keifl 12.03.2021, 12:08

… und ich Naive dachte, dass die Landesregierung mit diesem Geld das tut, was von den EU- Klimazielen 2030 und den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDG) vorgegeben ist. Denkste! Es geht munter weiter wie bisher: „Speicherbecken und Multifunktionsspeicher für die Beschneiung in den Südtiroler Skigebieten. (21 Mio.)“, „Bau und Renovierung von Straßen zur Verbindung von Bauernhöfen in Berg- und ländlichen Gebieten. (18 Mio.)““Ersatz von veralteten Skiliften oder Verbindungsanlagen zwischen Dörfern oder zwischen Dörfern und Ski-/Wandergebieten und Bau von Verbindungsanlagen zwischen bestehenden Ski- /Wandergebieten, die in zwei Saisonen betrieben werden und dadurch den individuellen Fahrzeugverkehr reduzieren. (56 Mio.)“ „Neue Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Freien Universität Bozen (Technologiebereiche: Künstliche Intelligenz, Big Data, Robotik, Automatisierung) und Forschungsflächen mit Laboren im NOI Techpark (83 Mio!). Man achte auf die Millionenbeträge im Vergleich: „Bau neuer Sozialwohnungen und energetische Sanierung des Bestandes unter Beachtung von Prinzipien green (Nachhaltigkeit und ökologische Mindestkriterien). (21 Mio!). Was sich hinter anderen kryptischen Formulierungen alles verbirgt, will ich gar nicht wissen. Dafür hab ich kein Wort gelesen über eine andere Landwirtschaft, einen anderen Tourismus, über Schutzmaßnahmen für Landschaft und Boden. Nix, null! Ich hoffe nur, in Brüssel schaut jemand genauer hin, als in Rom…

Bild des Benutzers Erwin Demichiel
Erwin Demichiel 12.03.2021, 14:30

Der recovery-Plan ist in 6 Bereiche (Missionen) gegliedert. Der Bereich 5 lautet: „inclusione e coesione sociale“ (in Südtirol falsch übersetzt mit „soziale Gerechtigkeit“).
Zum Thema „soziale Kohäsion“ hat der Europarat sich über viele Jahre ausführlich geäußert:
https://www.coe.int/t/dg3/socialpolicies/source/Die%20neue%20Strategie%2...

Er definiert soziale Kohäsion als die Fähigkeit einer Gesellschaft, das Wohlergehen ihrer Mitglieder zu sichern und Armut zu bekämpfen durch die Realisierung von drei zentralen Werten: 1. Menschenrechte/soziale Gerechtigkeit 2. demokratische Sicherheit/Rechtsstaatlichkeit 3. nachhaltige Entwicklung (aus Sicht der Umwelt und des Schutzes zukünftiger Generationen)

Eines der wesentlichen Elemente, um soziale Kohäsion zu sichern ist laut Europarat: das Zugehörigkeitsgefühl der Bürger für ihr Gemeinwesen und ihre Ermutigung und Ermächtigung, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sie zum Leben in ihrem Umfeld beitragen.

Deshalb fordert der Europarat die Mitgliedsstaaten auf: 1. Eine breite Palette partizipativer Instrumente auf allen Ebenen zu entwickeln. 2. Sie dürfen Maßnahmen nicht einseitig ausarbeiten, ohne Zusammenarbeit mit den anderen Akteuren, zu denen auch die von diesen Maßnahmen betroffenen BürgerInnen gehören. 3. Die Regierungen, Akteure und Betroffene aus der Wirtschaft müssen sich stets bewusst sein, dass ihre politischen oder wirtschaftlichen Entscheidungen eine Auswirkung auf das Leben jener hat, die nicht am Entscheidungsprozess teilnehmen und sie müssen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen berücksichtigen.

Dies vorausgeschickt, dürfen wir vom Südtiroler Landtag und der Landesregierung, im Bereich 5 „Inklusion und soziale Kohäsion“ des Planes verlangen, Partizipation der BürgerInnen bei den Entscheidungen zur zukünftigen Entwicklung des Landes als ein unabdingbares Element zur Stärkung der sozialen Kohäsion festzuschreiben.

Bild des Benutzers Michael Bockhorni
Michael Bockhorni 13.03.2021, 11:44

hat jemand schon mal überprüft, ob diese "EU Zulässigkeitsprüfung" wirklich so positiv ausgefallen ist oder ist ob es ein Fake ist?

Bild des Benutzers Karl Gudauner
Karl Gudauner 13.03.2021, 12:26

Bevor ich zum Thema ökologische Wende komme, eine allgemeine Bemerkung: Kritik von allen Seiten an der Handhabung der Covid-19-Probleme gesundheitspolitischer und wirtschaftlicher und sozialer Natur trägt dazu bei, die Landesregierung in eine sehr defensive Rolle zu drängen. Die großen Anstrengungen und Maßnahmen, die darauf abzielen, Hilfestellungen anzubieten und die Unternehmen so weit wie möglich arbeiten zu lassen, werden zu wenig anerkannt. Der Virus und die wirtschaftliche Krise sowie die kommunikativen Defizite lassen sich eben nicht so steuern, wie es gewünscht wird. Statt mit einer Win-win-Situation müssen wir uns mit einer Situation auseinandersetzten, in der es viele Verlierer gibt. Umso mehr sollten wir zu einer Haltung finden, in der wechselseitig Verständnis für die Tragweite der Belastungen aufgebracht wird und Solidarität statt der bloßen Markierung der jeweiligen Interessen.
Wenn es um die Maßnahmen für den ökoverträglichen Umbau unseres Wirtschaftsmodells geht, braucht es ebenfalls einen Grundkonsens aller Interessengruppen und seitens der Bevölkerung. Südtirol hat eine gute Ausgangsposition. Umso mehr ist es an der Zeit, die Chancen zu nutzen, wegweisende strategische Neuerungen einzuleiten, die unseren Lebensraum zukunftsfit machen. Es ist zu wünschen, dass die Landesregierung in diesen Fragen aus ihrer defensiven Haltung herausfindet und proaktiv und mit dem Optimismus des Handlungsprimats sichtbare und wirksame Markierungen für den Wandel setzt.

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