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Tourismusverein Villnöss
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Nachhaltigkeit

„Langsam genießen“

Wie ein Miteinander von Tourismus, Gastronomie, Handwerk und Landwirtschaft funktionieren kann, zeigt Villnöss mit dem „Slow Food Konzept“.
Von
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Astrid Tötsch13.05.2022
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Nachhaltig und grüner soll Südtirol gemäß dem neuen Landestourismusentwicklungskonzepts (LTEK) werden. Denn wie kürzlich Tourismuslandesrat Arnold Schuler im Gespräch mit Salto.bz eindringlich betonte, habe man erkennen müssen, dass die Grenzen erreicht worden sind. Ein vielversprechendes Konzept, das eine Entschleunigung, ein „Zurück zu den Wurzeln des guten Geschmacks“ unter Einbeziehung der lokalen Akteure und einen nachhaltigeren Ressourcen-Verbrauch beinhaltet, wird gerade in Villnöss umgesetzt. Am 28. Mai wird das Projekt in St. Peter/Villnöss offiziell vorgestellt und den Machern bzw. den beteiligten Betrieben die Slow Food Travel Zertifizierung überreicht. Bei Slow Food handelt es sich nicht nur um eine internationale Bewegung und Gemeinschaft, in der rund 160 Nationen vertreten sind, sondern auch um einen gemeinnützigen Verband, der sich der Wertschätzung der nachhaltigen Lebensmittel und ihrer Produzenten verschrieben hat. Nicht umsonst wurde der Name „Slow Food“ als Pendant zur Massenware „Fast Food“ gewählt. 
 
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Villnöss: Heimat der ältesten in Südtirol gezüchteten Schafrasse. (Foto: Tourismusverein Villnöss)
 
 
„Wir haben ein klares Profil. Wir sind eine aktive Urlaubsregion in einem unberührten Dolomitental, dessen Wachstum auf dem bäuerlichen Erbe fußt“, erzählt Klaus Messner, Direktor des Tourismusvereins Villnöss. Deshalb beschäftigt man sich bereits seit Jahren mit Themen wie Nachhaltigkeit, Regionalität und Energie-Autarkie. Als Heimat der ältesten in Südtirol gezüchteten Schafrasse, dem Villnösser Brillenschaf, und des Geisler Grauviehrindes sei man geradezu prädestiniert für ein Konzept, das sich mit der Verarbeitung lokaler Produkte beschäftigt. Vorreiter und Wegbereiter war in dieser Hinsicht Oskar Messner, der sich nicht nur um die Erhaltung des Villnösser Brillenschafes verdient gemacht hat, sondern sich mit seinem Restaurant „Pitzock“ dem Slow Food Konzept verschrieben hat. Im Beitrag "Così cambieremo il nostro turismo" hat sich Salto.bz ausführlich mit der Philosophie und den Werten, für welche Oskar Messner eintritt, befasst.
„Wir haben das Potential unserer Betriebe erkannt, die für ein ‚Zurück zu den Wurzeln des guten Geschmacks‘ stehen. Daraus entstand die Überlegung, dass sich unser Tal sehr gut für eine Slow Food Travel Region eignen würde“, erzählt Klaus Messner. Es folgte ein Besuch in der Region Gailtal und Lesachtal in Kärnten, welche bereits die Zertifizierung als Slow Food Travel Destination erhalten hat, und wo man sich über das Angebot, die Produkte und die Vermarktung eingehend informierte. Über ein LEADER-Projekt der Region Eisacktaler Dolomiten konnte schließlich die Finanzierung gesichert werden.
 
Die teilnehmenden Betriebe haben sich verpflichtet, einen strengen Kriterienkatalog einzuhalten.
 
Wie Messner berichtet, wurde inzwischen ein Netzwerk mit 25 verschiedenen Playern, angefangen bei den Lebensmittelherstellern über Lebensmittelhandwerker bis zu Gastronomiebetrieben, aufgebaut. „Sie alle haben sich verpflichtet, einen strengen Kriterienkatalog einzuhalten“, so Messner. Um die verschiedenen Produkte und deren Anbieter vorzustellen, werden kommende Woche – vom 21. bis 29. Mai – die Slow Food Travel Days veranstaltet. Auf Märkten, in Ausstellungen, bei Verkostungen und Besuchen von Bauernhöfen und Weingütern haben Einheimische wie Gäste die Möglichkeit, die Vielfalt der Produkte kennenzulernen. Im Mittelpunkt stehen typische gastronomische Produkte aus dem Villnösstal, neu interpretiert und verfeinert. Weiters können zwei Ausstellungen besucht werden: Im Naturparkhaus Puez-Geisler steht das Thema Biodiversität im Mittelpunkt und das Mineralienmuseum Teis widmet sich dem Thema Wein und Böden. Das Programm umfasst zudem Führungen, Verkostungen und Aktivitäten, die darauf abzielen, die Geschichten, Produkte, Orte und Traditionen des Tales zu entdecken und kennenzulernen.
 
 
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Klaus Messner: „Wir haben ein klares Profil. Wir sind eine aktive Urlaubsregion in einem unberührten Dolomitental, dessen Wachstum auf dem bäuerlichen Erbe fußt.“ (Foto: pixabay.com)
 
„Wir haben bemerkt, dass bereits jetzt die Journalisten sehr neugierig auf das Slow Food Konzept reagieren“, berichtet der Direktor des Tourismusvereins. Auch durch die Zusammenarbeit mit IDM erhofft man sich eine breite Aufmerksamkeit für das Projekt, dessen vorläufiges Ende bzw. ein weiterer Höhepunkt im Herbst bei der Veranstaltung „Terra Madre Salone del Gusto“ in Turin geplant ist. Villnöss wird in diesem Rahmen offiziell als neue Slow Food Travel Region vorgestellt. Auf der Homepage von Slow Food Travel ist Villnöss jedenfalls bereits aufgelistet – übrigens die erste Region Südtirols. Vielleicht folgen noch weitere – ganze im Sinne des neuen LTEK.
 
 

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