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Bruneck

Schatten überm Kronplatz

Auch in Bruneck kritisiert man die Vorgänge um das Bergfotografie-Museum. “Wir hätten dagegen gestimmt”, sagen Cornelia Brugger und die Grünen. Sie vermissen Transparenz.
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“Wir hätten sicherlich dagegen gestimmt.” Cornelia Brugger und Hanspeter Niederkofler sind verärgert. Am 22. Februar stimmen die beiden Brunecker Gemeinderäte für das Museum für Bergfotografie PMOA, das am Kronplatz entstehen soll. Wie alle der 22 an jenem Abend anwesenden Gemeinderäte. Nun fühlen sich die beiden Oppositionellen – Cornelia Brugger sitzt seit ihrem Austritt aus dem PD als freie Rätin im Gemeinderat, Hanspeter Niederkofler ist Sprecher der Grünen Fraktion – gelinde gesagt an der Nase herum geführt. “Der Brunecker Stadtrat hat zum Bergfotografie-Museum nicht ausreichend informiert”, klagen sie – und sprechen von “schwerwiegender Unterlassung”.

Am Donnerstag hatte salto.bz die Hintergründe aufgedeckt, die es dem Bauherrn, der Kronplatz Seilbahn AG, ermöglichen, an öffentliche Förderbeiträge für die Errichtung des Museums zu gelangen. Ganze 3 Millionen Euro erwarten sich die Privaten vom Land – und Landeshauptmann Arno Kompatscher hat die Summe bereits im Dezember 2016 zugesichert. Da die Kronplatz AG ein Privatunternehmen mit Gewinnabsicht ist, hätte sie allerdings keinen Anspruch auf Beiträge des Landes gehabt. Um ihr dennoch öffentliches Geld zuschanzen zu können, änderte die Landesregierung am 7. Februar kurzerhand die Förderrichtlinien für Museen und Sammlungen ab. Nun können Gemeinden, die als Antragsteller berechtigt sind, Förderbeiträge zu erhalten, diese an Dritte weitergeben.

Opposition im Dunkeln

Das alles bleibt den Brunecker Gemeinderäten, die das Projekt zwei Wochen später absegnen und damit grünes Licht für das Ansuchen um Beiträge für die Stadtverwaltung geben, verschwiegen. Cornelia Brugger und Hanspeter Niederkofler werfen nun dem Brunecker Bürgermeister, Roland Griessmair, und seinem Stadtrat fehlende Transparenz vor: “Wenn sie in der Gemeinderatssitzung im Februar darüber informiert hätten, dass es bereits ab Dezember 2016 Kontakte zwischen dem Land und der Kronplatz Seilbahn AG zur Gewährung eines öffentlichen Beitrags gab, wofür die Förderkriterien eigens abgeändert wurden, hätten wir sicherlich gegen den Antrag gestimmt.”
Ein Wort, das Brugger und Niederkofler in ihrer gemeinsamen Erklärung immer wieder verwenden: schwerwiegend. Die Oberflächlichkeit der Brunecker Stadtregierung sei “eine schwerwiegende Unterlassung, und schwerwiegend ist auch, dass die Landesregierung ad hoc und für einen privaten Interessenten die Förderkriterien abgeändert hat, um so erst eine öffentliche Finanzierung in beachtlichem Ausmaß zu ermöglichen”.

Bereits die Grünen Landtagsabgeordneten hatten das Vorgehen der Landesregierung als “absolut fragwürdig” bezeichnet und darauf hingewiesen, dass zahlreiche Museumsprojekte im Land auf stand-by gesetzt wurden, “während die Finanzierung potenter Privater wie auf Schienen läuft”. Gegen ein Museum für Bergfotografie an sich haben weder die Grünen in Bozen noch Cornelia Brugger und Hanspeter Niederkofler in Bruneck etwas. Vielmehr geht es ihnen um eine gerechte und ausgeglichene Förderung, so die Brunecker Oppositionspolitiker: “Schwerwiegend ist für uns auch, dass die Kronplatz Seilbahn AG einen Beitrag von ganzen 3 Millionen Euro erhält, während alle anderen privaten Museen des Landes insgesamt 1,3 Millionen Euro bekommen. Es ist sicher einfacher, unternehmerisch tätig zu sein, wenn 50 Prozent der Kosten von der öffentlichen Hand übernommen werden, aber es ist in diesem Fall nicht korrekt. Es ist richtig, die Kultur zu finanzieren und die Museen zu fördern, aber die Regeln sind einzuhalten und es braucht Fairness gegenüber allen Interessenten.

Landesregierung warnt selbst

Inzwischen hat auch die Südtiroler Tageszeitung die Geschichte aufgegriffen. In der Wochenendausgabe weist Christian Tschurtschenthaler die Kritik zurück. Der Landtagsabgeordnete und ehemalige Brunecker Bürgermeister hat das Projekt am Kronplatz maßgeblich mit vorangetrieben. Er hält den Beitrag “absolut für gerechtfertigt”. Das PMOA sei etwas ganz Besonderes und hebe sich von allen anderen Museen, die auch gern Geld hätten, ab. Das Projekt der Kronplatz AG sei von landesweiter Relevanz und könne gemeinsam mit dem Messner Mountain Museum am Kronplatz einen Mehrwert für das Pustertal und ganz Südtirol schaffen, meint Tschurtschenthaler.

Ein Detail am Rande: Ausgerechnet die Landesregierung weist im Performance-Plan 2017-2019 auf die seit dem Jahr 2010 steigende Zahl an Initiativen hin, neue Museen zu gründen. Vor allem in der Gemeinde Bruneck habe sich in den letzten Jahren “eine hohe Konzentration von größeren musealen Strukturen entwickelt (Landesmuseum für Volkskunde in Dietenheim, Stadtmuseum Bruneck, MMM-Museum im Schloss Bruneck, MMM-Museum am Kronplatz)”, hält man im Performance-Plan, der am 11. April verabschiedet wird, ausdrücklich fest – und vermerkt: “Dadurch entsteht ein gewisser Druck auf die Museumslandschaft und die vorhandenen Ressourcen für Depot und Finanzierung.” Sind die 3 Millionen Euro, die der Landeshauptmann der Kronplatz AG zugesichert hat, also tatsächlich “absolut gerechtfertigt”, wie Christian Tschurtschenthaler sagt? Außerdem bleibt wohl fraglich, ob ein weiteres Museum in einer Gemeinde, in der es ohnehin bereits eine Ballung an Museen gibt, überhaupt wirtschaftlich arbeiten werden kann.

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