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Energie

Italiens hohe Energie-Importe

2018 musste Italien 76 % seines Energiebedarfs importieren, der EU- Durchschnitt lag mit 58% wesentlich niedriger.
Community-Beitrag von Monika Psenner12.10.2020
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Mit 76% zählt Italien innerhalb der EU zu den Ländern mit der höchsten Energieimport-Abhängigkeit, nur Belgien, Zypern, Luxemburg und Malta müssen noch mehr ihres Energiebedarfs importieren. Von den großen EU-Ländern ist auch Spanien mit 73% sehr stark von Energie-Importen abhängig, während Deutschland 64% und Frankreich nur 47% ihres Energiebedarfs importieren müssen. Frankreich deckt über eine Drittel (37%) seines Energiebedarfs mit Kernenergie (Atomstrom) ab. Dank seiner Erdöl- und Gasvorkommen in der Nordsee muss das Brexit-Land Großbritannien nur 35% seines Energiebedarfs importieren.

Italiens Energiemix

Italien liegt nach Deutschland, Frankreich und dem nicht mehr EU-Land Großbritannien in Europa beim Energieverbrauch an 4. Stelle. Der Anteil von fossiler Energie am Gesamt-Energieverbrauch* betrug 2019 83% ein, Gas lag mit 40% an erster Stelle gefolgt von Erdöl mit 39,1%, der Anteil von Kohle betrug nur mehr 4,7%. Seit 1987 wird in Italien keine Atomenergie mehr produziert. ** Wasserkraft hatte einen Anteil von 6,3% und andere erneuerbare Energien kamen auf 10%. Verglichen mit 2009 ist der Energiemix durch den Verbrauch von weniger Kohle und Erdöl zugunsten von Gas und vor allem durch den Konsum von mehr erneuerbarer Energie CO2-ärmer und schadstoffärmer geworden.

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Italiens Gas-Importe

  • Innerhalb der EU ist Italien nach Deutschland der zweitgrößte Gasimporteur, weltweit steht Italien bei den Gasimporten an 5. Stelle. 
  • 2019 produzierte Italien nur 6,5% seines Gasbedarfs, über 93% mussten importiert werden.
  • Italien verfügt über ein sehr ausgedehntes Gas-Pipeline-Netz. Der größte Teil des importierten Gases wird über Pipelines transportiert, 20% wird als Flüssiggas (LNG) importiert.
  • Über 40% der italienischen Gasimporte kamen 2019 aus Russland, an zweiter Stelle lag Algerien mit 27%, vor Katar (9,6%), Libyen (6,6%) und Norwegen (4,7%). Kleinere Mengen wurden auch aus den Niederlanden, den USA, aus Trinidad &Tobago, aus Ägypten und Nigeria importiert.
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Russisches Gas wird via Pipeline über die Ukraine, die Slowakei und Österreich nach Italien geliefert. Gas aus Algerien wird über die 2000 km lange „Transmed-Pipeline über Tunesien und durchs Mittelmeer nach Italien transportiert. Libysches Gas wird über die 520 km lange „Greenstream“-Pipeline durch das Mittelmeer nach Sizilien geliefert. Aus Norwegen und den Niederlanden gelangt Gas über das europäische Pipeline-Netz nach Italien.

Katar, die USA, Trinidad & Tobago, Ägypten und Nigeria exportieren Flüssiggas (LNG)*** mit LNG-Tankschiffen nach Italien. Flüssiggasimporte haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, Russland, Algerien und Norwegen liefern neben Pipeline-Gas auch kleinere Mengen an Flüssiggas nach Italien. Derzeit gibt es 3 Flüssiggas-Terminals: in Panigaglia bei La Spezia befindet sich das älteste LNG Terminal, das seit 1971 in Betrieb ist, ein weiteres LNG-Terminal befindet sich vor der Ligurischen Küste bei Livorno und eines in Porto Levante/Rovigo im Adriatischen Meer. Zwei weitere LNG-Terminals sind geplant, eines in Porto Empedocle in Sizilien und eines in Gioia Tauro in Kalabrien. Das lässt darauf schließen, dass in Zukunft die Flüssiggas-Importe weiter zunehmen werden.

 

Aus welchen Ländern importiert Italien Erdöl?

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Italien hat seine Erdölimporte stark diversifiziert, was sich positiv auf die Energiesicherheit auswirkt. 2019 importierte Italien Erdöl aus 24 verschiedenen Ländern, 38,2% der Erdöl-Importe kamen aus Aserbaidschan, Russland, und Kasachstan, 28% aus dem Mittleren Osten, 27% aus afrikanischen Ländern, 4,7% aus Nord- und Südamerika und 2,7% aus Europa.

Welche Energieträger dominieren im Stromsektor

Erneuerbare Energie hatte im Jahr 2019 bereits einen Anteil von 40% an der gesamten Stromerzeugung, die restlichen 60% wurden aus fossilen Energien gewonnen, wobei Gas mit über 50% den größten Teil ausmachte, Kohle hatte einen Anteil von etwas über 5% und Erdölprodukte machte weniger als 2% aus.

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Bei der Stromgewinnung aus Erneuerbarer Energie, lag Wasserkraft mit über 16% an erster Stelle, vor Solarstrom (8,1%), Windstrom (6,9%), Strom aus Biomasse (6,5%) und Strom aus Geothermie (2,1%)

Laut dem italienischen Stromnetz-Betreiber Terna S.p.A. konnte Italien 2019 88% seines Strombedarfs selbst produzieren, 12% mussten aus den Nachbarländern Schweiz, Frankreich, Slowenien und Österreich importiert werden. Obwohl Italien keinen Atomstrom produziert, kann es wegen der Strom-Importe aus dem Ausland durchaus vorkommen, dass der Endverbraucher Atomstrom konsumiert.

Pläne für die Zukunft

Italien hat, wie auch die anderen EU-Staaten, einen Plan (PIANO NAZIONALE INTEGRATO PER L’ENERGIA E IL CLIMA-PNIEC) ausgearbeitet und im Jänner 2020 der EU vorgelegt, welcher die energiepolitischen Maßnahmen für den Zeitraum 2021 bis 2030  zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen in Hinblick auf die Erreichung der Pariser Klimaziele beinhaltet. Die wichtigsten Ziele sind:

  • Bis 2030 sollen Erneuerbare Energien 30% des Bruttoenergie-Verbrauchs abdecken.
  • Im Transport-Sektor wird für 2030 ein Anteil von 22% für Erneuerbare Energie angestrebt und im Heiz- und Kühlsektor soll der Anteil von Erneuer Energie jährlich um 1,3% steigen.
  • Durch Effizienzsteigerungen in allen Sektoren soll der Energieverbrauch bis 2030  um 43% gesenkt werden (im Vergleich zum EU-Szenario von 2007)
  • Die Treibhausgasemissionen sollen in allen Sektoren**** um 33% bis 2030 reduziert werden (verglichen mit 2005)

Der Plan thematisiert auch Verbesserungen in Bezug auf Energiesicherheit und stärkere Diversifikation bei den Energieimporten. Intensivierte Forschung und Innovation im Energiesektor soll die Erreichung der Klimaziele unterstützen.

Wenn es gelingt dieser Maßnahmen umzusetzen, wird das nicht nur zu wesentlich geringeren CO2 Emissionen führen, sondern auch durch die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energie und durch erhöhte Energieeffizienz Italiens Abhängigkeit von Energie-Importen deutlich senken. Geringere Energieimporte werden zudem die Handelsbilanz verbessern und Ressourcen für andere Zwecke freisetzen.

* Die Daten beziehen sich auf den Primärenergie-Verbrauch. Als Primärenergie bezeichnet man in der Energiewirtschaft die Energie, die mit den ursprünglich vorkommenden Energiequellen zur Verfügung steht, wie Kohle, Gas und Erdöl, aber auch erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Sonne, Wind, Geothermie, Biomasse, Ozeanwellen und Kernenergie.

** Nach der  Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 gab es in Italien Ende 1987 eine Volksabstimmung, als Folge wurde der Ausstieg aus der nuklearen Stromerzeugung beschlossen. Italien war eines der ersten Länder, welches Atomkraftwerke betrieb und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) der UNO im Jahr 1957 und der europäischen Atomgemeinschaft EURATOM im Jahr 1958. Allerdings deckte Atomstrom in Italien nie mehr als 5 Prozent des Strombedarfs.

***Beim Transport als Flüssiggas (LNG) wird Gas in einer Gas-Verflüssigungsanlage auf -164 °C abgekühlt und unter atmosphärischem Druck verflüssigt, so dass das ursprüngliche Volumen des Erdgases auf ein Sechshundertstel reduziert wird. Flüssiggas (LNG) wird in speziellen LNG-Tankern transportiert. Im Importland wird das Gas in   Terminals wieder in seinen gasförmigen Zustand zurückversetzt bevor es in die Verteiler-Pipelines eingespeist wird.

**** Ausgenommen sind die Sektoren, in welchen das EU-Emissionshandels-System (ETS) zur Anwendung kommt.

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Kommentare

Bild des Benutzers Georg Lechner
Georg Lechner 13.10.2020, 15:43

Mich erstaunt, dass Österreich einen geringeren prozentualen Deckungsgrad als Deutschland hat - trotz der vielen Wasserkraftwerke. Möglicherweise hängt das mit den Stromexporten Deutschlands zusammen, die zur Stilllegung vieler Wärmekraftwerke zur Deckung saisonaler Schwankungen geführt haben (konnten nicht mehr betriebswirtschaftlich rentabel geführt werden. Die Exporte Deutschlands dauern trotz der Stilllegung von Atomkraftwerken an.

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