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Sanitätsreform

Privacy legt Krankenhaus lahm

Die neuen Bestimmungen zur Privacy und Datenschutz von Patienten sind seit Montag aktiviert und sorgen für chaotische Zustände am Krankenhaus Bozen.
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Seit Montag dieser Woche sind die Schlangen vor den Poliambulatorien des Bozner Krankenhauses noch länger als gewöhnlich, Ärzte, Pfleger aber vor allem Patienten sind mit den Auswirkungen der Privacy-Anwendung aufs heftigste konfrontiert. "Es geht zur Zeit mal gar nichts mehr weiter," klagt Norbert Pescosta, Mediziner auf der Hämatologie im Bozner Krankenhaus.

Seit Montag greift nämlich jenes Privacy-Gesetz einer "Elektronischen Patientenakte" vom 16.07.2009, das vorsieht sensible Gesundheitsdaten und die Krankengeschichte eines jeden Patienten noch besser als bisher zu schützen. Jeder, der in diesen Tagen zu einer Visite oder auch stationär ins Krankenhaus Bozen bzw. Meran muss, erhält ein Formular zur Unterschrift, mit dem er oder sie den Zugriff auf seine klinischen Daten erlaubt.

Jedoch scheint das elektronische Datenerfassungsystem, das sogenannte "MedArchiver" im Krankenhaus Bozen dadurch überfordert. Die Freischaltung der Daten geschieht weder "unbürokratisch" noch "flexibel", wie auf der Internet-Seite der Sanitätseinheit der Datenfluss als ideal beschrieben wird;  Informationen zu Patienten aus anderen Abteilungen bleiben den behandelnden Ärzten und Plegern vorenthalten, sind nicht abrufbar. "Beispielsweise wurde in diesen Tagen ein Patient zur hämatologischen Untersuchung zu mir geschickt," erzählt Pescosta, "und zwar von einer anderen Krankenhausabteilung, nicht von auswärts. Doch ich habe nur Zugriff auf jene Befunde, die ich selber mit ihm bereits angelegt habe, alles andere ist gesperrt." So könne er keine wirksame Untersuchung, geschweige denn eine Empfehlung an den Patienten geben. "Dieser ist zu Recht empört, so kann ich den Blitzableiter auch noch geben!" Kein Zugriff auf Blutdiagnosen, auf Röntgenbilder, auf Befunde aller Arten, außer wenn die Patienten diese selber mitbringen, im Kuvert.

"Bei jedem Auto wird das gemacht, ich verstehe nicht, wie man im Falle von Menschenleben so unvorsichtig arbeiten kann."

"Das kann es doch nicht sein," entrüstet sich Norbert Pescosta, "hier wird die Privacy und der Datenschutz vor die Sicherheit des Patienten gestellt!" Er habe Angst, dass aufgrund der chaotischen Situation falsche Entscheidungen getroffen werden, oder dass es im Fall einer Notlage zu Versorgungsengpässen kommt. "Was ist, wenn ein Bluter zu mir kommt und ich dastehe ohne Informationen, die eventuell ein Leben retten könnten?" Die Ärzte, die Pfleger, aber auch das Verwaltungspersonal seien überfordert und im Stress. Denn der Grund, warum die Daten der Patienten trotz Unterschrift auf der neuen Privacyerklärung nicht vollständig abrufbar sind, ist unbekannt. "Niemand weiß, wie lange es dauern wird, bis die Daten nach der Freigabe einsichtig sind. Das kann auch Tage dauern."

Auch weiß Pescosta nicht, ob die prekäre Datensituation nur für diese Woche, oder auch weiterhin andauern wird. "Ob das nun jedesmal länger dauert, sobald der Patient seine Verfügung unterschrieben hat." Denn die Einwilligung geschieht ad hoc, sobald ein Bürger, eine Bürgerin im Krankenhaus zu tun hat. Dass man die "Elektronische Patientenakte" etwa per Post verschicken hätte können, und so schon rechtzeitig das Ganze in die Wege hätte leiten können, wurde offenbar nicht bedacht. 

"Jetzt wird man wohl nach dieser ersten Woche hoffentlich ein erstes Fazit ziehen und sich anschauen, wie die Aktivierung der Elektronischen Patientenakte gelaufen ist," meint Mediziner Pescosta. Er hätte es lieber anders gehabt, eine Einführung mit bereits absolviertem Testlauf. "Bei jedem Auto wird das gemacht, ich verstehe nicht, wie man im Falle von Menschenleben so unvorsichtig arbeiten kann."

 

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Kommentare

Bild des Benutzers Mon Mon
wäre mal Zeit das Konsequenzen folgen: Herr Fabi, treten Sie zurück!! ... und nehmen Sie die Stocker gleich mit!
Bild des Benutzers Michael Bockhorni
ich denke, wenn in den Verträgen mit den EDV Firmen Pönalen für Nicht Funktionieren und Haftungsklauseln für Folgeschäden enthalten wären, würde so eine Einführung vielleicht klagloser verlaufen.
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