SVP
Othmar Seehauser
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Der Absturz

Die SVP verschweigt seit Jahren ihre offiziellen Mitgliederzahlen. Der Grund: Die stolze Regierungspartei hat heute kaum mehr 25.000 Mitglieder. Die Zahlen exklusiv.
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Mathematik dürfte wohl kaum Meinhard Durnwalders Stärke sein. Nur so ist erklärbar, was der SVP-Senator und Obmann des SVP-Bezirkes am Freitag in einem Interview mit der Neuen Südtiroler Tageszeitung sagt. Mit dem Ausspruch „Wir sind die Stärksten“, bezieht sich Durnwalder auf das Gewicht seines Bezirkes und er spricht von einem „Wiedererstarken des Bezirkes Pustertals, das nicht allen gefällt“.
 
Meinhard Durnwalder
Pusterer SVP-Bezirksobmann Meinhard Durnwalder:Wir sind die Stärksten“.
 
 
Dabei weiß Meinhard Durnwalder nur zu gut, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Denn noch nie seit der Gründung der Südtiroler Volkspartei hatte der SVP-Bezirk Pustertal so wenige Mitglieder wie im Jahr 2022. Im Klartext: Historisch war das Pustertal innerhalb der SVP immer der an Mitgliedern stärkste oder zweitstärkste Bezirk unterm Edelweiß. Heute liegt das Pustertal aber nur mehr an dritter Stelle dieses SVP-Bezirksrankings.
 

Versteckte Zahlen


Die Verkündung der eigenen Mitgliederzahlen war viele jahrzehntelang eine stolze Veranstaltung der SVP-Führung. Vor allem deshalb, weil sich die Anhängerschaft der Südtiroler Regierungspartei sehen lassen konnte.
An ihrem Höchststand hatte die SVP im Jahr 1991 über 80.000 Mitglieder. Um die Jahrtausendwende stand man bei rund 70.000, 2005 waren es noch knapp 60.000 Mitglieder. Der SEL-Skandal kostete der SVP einiges an Zuspruch. Hatte man 2013 noch 50.000 Mitglieder, sank die Mitgliederanzahl im Jahr 2014 auf 37.300 Personen.
Und heute? Inzwischen werden die Mitgliederzahlen in der Brennerstraße gehütet wie ein Staatsgeheimnis. SVP-Obmann Philipp Achammer, eigentlich ein begnadeter Kommunikator, gibt sich zu diesem Thema äußerst zugeknöpft.
 
Philipp Achammer & Stefan Premstaller
SVP-Obmann Philipp Achammer, Landessekretär Stefan Premstaller: Seit fünf Jahren werden offiziell keine Mitgliederzahlen mehr veröffentlicht.
 
Das letzte Mal, als die amtierende SVP-Führung offiziell Mitgliederzahlen vorlegte, war vor 5 Jahren. Damals im Februar 2017 erklärte Philipp Achammer auf einer Pressekonferenz, die SVP habe 38.034 Parteimitglieder.
Seitdem werden offiziell keine Mitgliederzahlen mehr bekanntgegeben. Selbst in den Parteigremien ist dieses Thema ein absolutes Tabu. „Wir wissen nicht, wie viele Parteikarteln heute verteilt werden“, sagen gleich mehrere Mitglieder des SVP-Parteiausschusses zu Salto.bz. Selbst in der SVP-Parteileitung werden die Zahlen nicht mehr vorgelegt.
Der Grund dafür ist klar: Es gab in den vergangenen Jahren bei den Mitgliedern einen dramatischen Einbruch. Heute hat die SVP kaum mehr 25.000 Mitglieder.
 

Die Stimmrechte

 
Diese Zahlen sind die Grundlage für einen klaren und transparenten Schlüssel. Alle wichtigen Wahlen innerhalb der SVP werden über die Stimmrechte der Ortsgruppen ausgetragen. Diese Stimmrechte orientieren sich an den Mitgliedern. Laut SVP-Statut bekommt jede Ortsgruppe für je 50 Mitgliedern ein Stimmrecht. Bleiben in dieser Rechnung mindestens 26 Mitglieder übrig, erhält die Ortsgruppe ein weiteres Stimmrecht für diesen angebrochenen 50er dazu.
In Paragraph 53 des SVP-Statutes heißt es:
 
Jede Ortsgruppe hat bei mindestens 26 und bis zu 50 zahlenden Mitgliedern ein Stimmrecht und für 50 oder einen Bruchteil über 25 weiteren Mitgliedern ein zusätzliches.“
 
kursaal.jpg
SVP-Landesversammlung: Im Mai soll in Meran der Parteiobmann wieder bestätigt werden.
 
In diesen Wochen stehen die Neuwahlen aller SVP-Gremien an. Dabei geht man von unten nach oben vor. Also von den Ortsgruppen in Richtung Parteiführung. Geplant ist, Obmann Philipp Achammer auf der SVP-Landesversammlung im Mai in Meran wieder zu bestätigen.
Dazu wurden jetzt offiziell die Stimmrechte der einzelnen Ortsgruppen und damit indirekt auch die Stimmrechte der Bezirke festgelegt.
Auch diese Stimmrechte werden SVP intern äußerst diskret behandelt. Denn damit kann man den Stand der effektiven und zahlenden Parteimitglieder hochrechnen.
 

Die Rechnung

 
Viele Jahre lang kam es zu einem Stechen zwischen dem SVP-Bezirk Pustertal und dem SVP-Bezirk Bozen Stadt und Land um den Rang des mitgliederstärksten Bezirks unterm Edelweiß. Inzwischen hat Bozen (hier gehören auch das Überetsch, das Seiser Hochplateau und Gröden dazu) weit die Nase vorne.
Der SVP-Bezirk Bozen Stadt und Land kommt 2022 auf 125 Stimmrechte. Rechnet man hoch, sind das maximal 6.250 zahlende SVP-Mitglieder. Der SVP-Bezirk Meran kommt auf 97 Stimmrechte und damit auf 4.850 Mitglieder. Das - nach Bezirksobmann Meinhard Durnwalder angeblich so starke -  Pustertal  hat aktuell nur mehr 96 Stimmrechte, also 4.800 Mitglieder.
Insgesamt hat die SVP im Jahr 2022 nur mehr 24.600 zahlende Mitglieder.
Der SVP-Bezirk Eisacktal hält 74 Stimmrechte, was 3.700 zahlenden Mitglieder entspricht. Dazu kommen noch die drei kleineren SVP-Bezirke Vinschgau, Unterland und Wipptal. Zusammengerechnet kommen diese auf knapp 5.000 Mitglieder.
Das heißt: Insgesamt hat die SVP im Jahr 2022 nur mehr 24.600 zahlende Mitglieder.
Nur soll das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit kommen.
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Kommentare

Bild des Benutzers Marion W
Marion W 14.01.2022, 12:47

Soweit ich das Interview in der Tageszeitung lese bezieht sich Durnwalder nicht auf die Mitglieder sondern andere Faktoren, wie beispielsweise, dass der Bezirk ein Drittel der SVP-Abgeordneten im Landtag stellt... das scheint der Autor ganz unabsichtlich "überlesen" zu haben.
Aber etwas wundert mich schon: Wenn die Mitgliederzahlen schon so geheim sind, wie hier geschrieben steht, frage ich mich schon woher diese Zahlen dann stammen! ...wer da mal wieder geplaudert hat...

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Harald Pichler 14.01.2022, 13:11

Das frag ich mich auch... und ganz zufällig kommen die Zahlen just am selben Tag wie das Tageszeitung-Interview - scheint ja ein merkwürdiger Zufall zu sein!?!
Durnwalder scheint schon Recht zu haben: Ein starkes Pustertal passt da wirklich jemandem nicht... und Salto bietet brav die Bühne!

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M A 14.01.2022, 12:58

Früher hat wohl in sehr vielen Fällen Vati für die unwissenden Kinder den Mitgliedsbeitrag mitgezahlt...

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Blaas Walter 14.01.2022, 18:09

Laut Transparenzbestimmungen ist jede Parte verpflichtet, jährlich die Bilanz zu veröffentlichen. Darin sind die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen getrennt aufgelistet. Von daher kein großes Problem die Mitgliederzahl ziemlich genau zu errechnen, da ja evtl. Spenden gesondert angeführt werden müssen. Einen Vergleich mit anderen Parteien ist nicht möglich, da beispielsweise die STF keinen Mitgliedsbeitrag einfordert und sogar Mitgliedschaften bei anderen Parteien nicht kategorisch unterbindet. Freiheitliche haben keine Parteibüros oder keine Bezirksstrukturen um "Kartln" an den Mann zu bringen und Mitgliederaktionen zu starten. Von daher sind 24.600
zahlende Mitglieder immer noch eine respektable Anzahl.

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campum nostrum 14.01.2022, 21:45

Die Pandemie wird die Stimmen noch weiter sinken lassen. Da wird sich sowohl Obmann als Vize ziemlich oft Richtung Kirche und Beichtstuhl bewegen müssen.
Die SVP Oberen im Pusterer SAD Zuhause wird ob des erwähnten Aufklärungwillens von Kompatscher ziemlich an Subtanz und Mitgliedern kosten.

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Günther Alois Raffeiner 15.01.2022, 08:14

Und die SVP wird hoffentlich bei den nächsten Landtagswahlen die Mehrheit verlieren,was sehr wahrscheinlich passieren wird bei diesem Sumpf,internen Intrigen und Skandalen. Ich hoffe auf die Jugend,die ist kritischer wie die alten Memmen der SVP!!!

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Manfred Klotz 15.01.2022, 08:25

Einbußen ja, Mehrheit verlieren glaube ich kaum. Selbst einige der Menschen, die jetzt laut aufschreien, werden, wenn es soweit ist, den Taschenrechner hervorziehen um zu berechnen wo der Vorteil für sie liegt. Ist immer schon so gewesen in Südtirol.

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Michael Thalmann 15.01.2022, 09:39

Als Resultat des Verhaltens der Regierungspartei werden bei der nächsten Landtagswahl mit Sicherheit wieder weniger Leute zur Wahl gehen.

△rtim ୍℘୍stロ 15.01.2022, 12:05

Und viel (mehr) zahlende Mitglieder (d.w.m.) haben die anderen denn zum Vergleich dazu?
Wieso die SVP z.B. nicht zumindest auch jenen eine Mitgliedschaft gewährt, die in der Partei mitmachen (wollen) oder ihren finanziellen Beitrag in der Form von 0,2% mittels IRPF-Steuerzuwendung erbringen, wäre auch mal interessant zu erfahren. Denn demokratiepolitisch sind/wären eigentlich doch alle Listen gefordert, die Teilhabe an den demokratischen Prozessen möglichst zu fördern und zu stärken, insbesondere, wenn man die schwindende Wahlbeteiligung der letzten Jahre selbst auf der kommunalen Ebene hierzulande betrachtet.

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