Die Tappeinerpromenade beginnt
Oswald Stimpfl
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Ausflug der Woche

Auf dem Tappeinerweg nach Dorf Tirol

Wir kombinieren Merans berühmteste Promenade mit einer kleinen Wanderung nach Dorf Tirol zu einem erlebnisreichen Rundweg.
Kolumne von
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Oswald Stimpfl15.02.2020
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Der Tappeinerweg ist ohne Zweifel der berühmteste Spazierweg Merans, einer der schönsten weit und breit und deshalb auch kein Geheimtipp. „Über den Dächern“ der Altstadt führt er in einer langen Hangquerung am Küchelberg entlang und bietet herrliche Ausblicke auf die Stadt, das Etschtal und zu den umliegenden Bergen. Wir kombinieren diese Promenade mit einer kleinen Wanderung nach Dorf Tirol zu einem erlebnisreichen Rundweg.

Ausflug Dorf Tirol

 

Wir versetzen uns in die alte Zeit zurück und beginnen die Wanderung auf der Passerpromenade, vor dem Kurhaus der Stadt. Wir flanieren die Promenade flussaufwärts, queren die Straße bei der Postbrücke, einem Jugendstiljuwel, und gehen an der Wandelhalle vorüber zur nächsten Passerbrücke, dem Steinernen Steg. Wegweiser leiten uns und geben die Gehzeit bis zum Beginn der eigentlichen Tappeinerpromenade am Pulverturm an. Die Böschungen neben der Promenade sind mit üppig wachsenden, zum Teil immergrünen Bäumen und Sträuchern wie Palmen, Lorbeer, Korkeichen, Ölbäumen, Eukalyptus, Bambusarten und Magnolien, Agaven, Aloen, Feigenkakteen, Zedern und Mittelmeereichen bepflanzt. Beim Pulverturm – der Rest einer alten Burgfestung, er kann bestiegen werden – haben wir knapp 100 Höhenmeter überwunden, jetzt geht es zehn Minuten lang mit herrlichem Stadtblick bis zum Restaurant Saxifraga, hier verlassen wir die Promenade und folgen den Schildern Panoramaweg und Tirolersteig in sanfter Steigung nach Dorf Tirol. Das letzte Wegstück in den lebhaften Tourismusort geht es zwischen Hotels und Pensionen am Gehsteig der Hauptstraße auf das Zentrum zu. Bis hierher 1 h 10 Minuten. Gegenüber vom Tourismusbüro beginnt die Falknerpromenade, wir folgen ihr kurz, bis zur Linken ein gekiester Feldweg abbiegt. Wir gehen jetzt bergab, den Schildern Gnaidweg und Weinweg nach, durch eine herrliche Reblandschaft. Stationen erzählen Wissenswertes über Weinbau, Rebsorten und die Arbeit im Weinberg. Wir schlagen anschließend den asphaltierten Gnaidweg ein und entfernen uns von Meran, der Blick geht zu Brunnenburg, Schloss Tirol und der Burg Thurnstein, im Tal liegt das Dorf Algund, im Hintergrund die Berge des Vinschgaues. Bei einem Torbogen in der Laurinstraße in Gratsch beginnt der Tappeinerweg, er schlängelt sich in ebener Hangquerung, gesäumt von mediterraner Pflanzenpracht, in Richtung Meran. Immer wieder laden Sitzbänke oder auch Caféhäuser und Restaurants zum Rasten, Einkehren und Schauen ein. Wieder beim Restaurant Saxifraga angelangt, gehen wir rechts einen steiler Stufenweg mit Handlauf direkt in die Altstadt zur Stadtpfarrkirche St. Nikolaus hinab, deren mächtiger Kirchturm schon eine ganze Weile im Blickfeld lag und der die Dächer der Altstadt überragt. Vom Pfarrplatz gehen wir zum Boznertor aus der Altstadt auf die Passerpromenade hinaus und sind bald wieder am Kurhaus, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung, angelangt

 

Der Tappeinerweg 

In der Glanzzeit des Kurtourismus von Meran wurde der Tappeinerweg als Flanierweg für die sonnenhungrigen Gäste angelegt, damals besuchten sie die Stadt hauptsächlich im Winter, um der Kälte und Nässe nördlich der Alpen zu entfliehen. Er trägt den Namen des damals berühmten und als Kurarzt der Schickeria reich gewordenen Dr. Franz Tappeiner, der seinerzeit den Bau aus seiner Privatschatulle finanzierte. Dieser kam 1816 in Laas als Bauernsohn zur Welt, studierte in Padua, Prag und Wien Medizin und ließ sich 1846 als Kurarzt in Meran nieder, wo er 1902 verstarb. 

 

Einkehrtipps 

Im Sommer haben wir die Qual der Wahl, sowohl am Tappeinerweg als in Dorf Tirol und in Meran lockt ein breites Angebot von Restaurants und Cafés. Im Winter sind die Einkehrmöglichkeiten dünn gesät: 

Gasthof Café Patriarch, Familie Kofler. Im Ortszentrum, gegenüber vom Tourismusbüro. Terrasse, pfiffige Speisekarte von Knödel zu Pasta. Ganzjährig geöffnet. Hauptstraße 32, Tel 0473 923 616. www.patriarch.it, Sa Ruhetag. 

Bar Café Sunshine im Dorfzentrum von Dorf Tirol. Kuchen, Jausen und warme Snacks wie Toast, Bruschette und Piadine. Hauptstraße 23c, Mobil: 348 092 8757, ganzjährig ohne Ruhetag geöffnet

 

  • [Charakteristik] Der Klassiker unter den Spazierwegen Merans, viele Einkehr- und Rastmöglichkeiten. 
  • [Start] Meran, Zentrum, am Kurhaus, 315 m 
  • [Schwierigkeit] leicht
  • [Gehzeit insgesamt] 3 h 
  • [Höhenleistung] 260 
  • [Länge der Wanderung] 8,6 km
  • [Beste Zeit] Das ganze Jahr möglich, im Sommer Mittagszeit vermeiden. 
  • [Anfahrt + Parkplatz] Meran Stadtmitte. Gebührenpflichtige Parkplätze im Zentrum, mehrere gebührenpflichtige Parkgaragen.
  • [etwaige Zusatzinfos] Auch im Winter sehr sonnige und wegen der niederen Lage schneefreie Wanderung der Spitzenklasse

Gekürzte Fassung. Den kompletten Text und viele weitere Tipps finden Sie im Buch des Folioverlages: Unterwegs in Südtirols Wintersonne, von Oswald Stimpfl

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