Medusa-Perseus im Vatikan-Museum
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Neue Vatikan-Affäre

La dama del cardinale

Die Verhaftung einer engen Vertrauten des abgesetzten Kardinals Becciu wirft neue Schatten auf den Vatikan.
Kolumne von
Bild des Benutzers Gerhard Mumelter
Gerhard Mumelter15.10.2020
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War die Entlassung des einflussreichen Kardinals Angelo Becciu nur der Auftakt zu einer Art Grossreinemachen im Vatikan? Fast scheint es so, als habe man damit nur eine Büchse der Pandora geöffnet, aus der nun viel Übelriechendes ans Tageslicht tritt. Eine der Schlüsselfiguren vatikanischer Intrigen ist nun eine Frau, die im Kirchenstaat als dama del cardinale bekannt war. Die 39-jährige Cecilia Marogna galt als Vertrauensperson des abgesetzten Kardinals, dem sie sich als Vermittlerin in Krisengebieten angeboten hatte.  Die ihr vom abgesetzten Purpurträger ausgehändigte  Summe von einer halben Million Euro sollte zur Freilassung von Geiseln in Krisengebieten, für humanitäre Missionen und  Friedensstiftung an Konfliktherden dienen. Marogna wurde nun nach einem internationalen Haftbefehl der vatikanischen Justiz von der italienischen Finanzpolizei in Mailand verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Sie soll nun von der italienischen Justiz an an den Kirchenstaat ausgeliefert werden – eine vermutlich langwierige Prozedur, die sich auch über einige Monate hinziehen könnte. 

Mittlerweile brodelt die Gerüchteküche. Denn die halbe Million Euro, die ihr der Kardinal anvertraut hat, liegen auf dem Konto ihres angeblichen Unternehmens in Sloweniens Hauptstadt Lubljana.

Cecilia Marogna
Cecilia Marogna: fast die Hälfte der halben Million Euro, die ihr Kardinal Angelo Becciu anvertraut hat, ist verschwunden

Einen Teil hat die 39-Jährige aus der sardischen Hauptstadt Cagliari bereits ausgegeben: 2200 für eine Prada-Handtasche, 1400 für ein Paar Tod's-Schuhe, 8000 in einer Boutique von Chanel – fast die Hälfte des Geldes ist verschwunden. Unauffindbar ist auch die angebliche Adresse ihres Unternehmens in Lubljana. Die Beziehungen zwischen der Hochstaplerin mit dem erfundenen Doktortitel  reichen in die Jahre zurück, als Becciu für die affari generali im Kirchenstaat verantwortlich war.  Doch nach jüngsten Ermittlungen sollen weitere 500.000 Euro an Vatikan-Geldern auf Marogna-Konten in Deutschland und England liegen. Bischof Nunzio Galantino, Präsident der vatikanischen Vermögensverwaltung APSA, verspricht Besserung: "Premesso che non possiamo cancellare il peccato originale, faremo tutto il possibile perchè cose del genere non si ripetano."

Eine der Schlüsselfiguren vatikanischer Intrigen ist nun eine Frau, die im Kirchenstaat als dama del cardinale bekannt war.

In einem Interview mit dem Corriere della Sera erklärte Marogna: "Sono usata come un pacco bomba, sono al centro di uno scontro di potere." Sie habe ein wichtiges Beziehungsnetz zwischen Afrika und Nahem Osten zum Schutz der päpstlichen Nuntiaturen und Missionen geschaffen. Die Verhaftung Marognas ist nicht freilich nicht der einzige schwere Schlag für den noch bis vor kurzem allmächtigen Kardinal Becciu.  

Auch der Besuch seines Erzfeindes George Pell im Vatikan sowie dessen Privataudienz beim Papst kündeten vom Ende einer Ära. Pell war am Montagabend beim Papst, nachdem ihn das australische Höchstgericht von der Anklage sexuellen Missbrauchs freigesprochen hatte. In Australien hatte er über ein Jahr in Haft verbracht. Der 79-Jährige erklärte, der Gerechtigkeit sei nun Genüge getan. Er hege keinen Groll. Becciu wird beschuldigt, hohe Summen nach Australien überwiesen zu haben, um vermeintliche Zeugen gegen den Kardinal zu bestechen.

Am Dienstag hat hingegen im kleinen Gerichtssaal des Vatikans der Prozess gegen zwei einflussreiche Geistliche begonnen, denen sexuelle Übergriffe im päpstlichen Priesterseminar San Pio X zur Last gelegt werden.  Es ist der erste – vom Papst ausdrücklich befürwortete – derartige Prozess im Kirchenstaat. Den Weg dazu hatte Franziskus durch eine von ihm angeordnete Änderung des rigiden vatikanischen Regelwerks freigemacht.

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Kommentare

Bild des Benutzers Walter Landi
Walter Landi 15.10.2020, 12:09

Theodora, Marozia und nun Cecilia. Gewisse Mätressenherrschaft scheint diesselbe metahistorische Dimension zu teilen, die sonst nur jener tausendjährigen Institution gehören würde, die sich gleichzeitig als Opfer und Förderer dieses Phänomens entlarvt. Simul stabunt vel simul cadent?

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