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20 Jahre Wikipedia

Alles Gute zum Geburtstag, Wikipedia!

Unter einem Jubiläum (lateinisch annus jubilaeus „Jubeljahr“) versteht man eine Erinnerungsfeier bei der Wiederkehr eines besonderen Datums, belehrt Wikipedia.
Community-Beitrag von Thomas Benedikter15.01.2021
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Genau ein solches feiert die online-Enzyklopädie heute, 15.1.2021. An diesem Tag vor 20 Jahren genau starteten Larry Sanger und Jimmy Wales in San Diego dieses Projekt, nachdem der Vorgänger Nupedia mit klassischer Enzyklopädie-Methode gescheitert war. Die geniale Idee: ein online-Nachschlagwerk als open-source-database zu bearbeiten mit der wiki-software, an der Wissen bottom-up zusammengetragen wird. Im ersten Jahr hatte Wikipedia erst 20.000 Artikel in 18 Sprachen gesammelt. Doch schon 2006 verzeichnete die englische Wikipedia eine Million Einträge. Inzwischen ist sie ein riesiges Wissenslager geworden und vermutlich die meistbesuchte Webseite überhaupt. WIKIPEDIA hat die anderen online-Enzyklopädien weit abgehängt, natürlich auch die „Mutter der Enzyklopädie“ im angelsächsischen Sprachraum, die seit 1768 existierende Britannica.

Nicht mehr ein erlauchter Zirkel von Wissenschaftlern war jetzt zuständig, sondern hunderttausende Menschen konnten ihr Wissen selbst täglich einbringen. Gab es in der Entwicklungsphase viel hämische Kommentare zur mangelhaften Qualität vieler Einträge, Kritik an willkürlicher Zensur von freien Beiträgen, Editierschlachten um politisch umstrittene Themen und zum Grundprinzip einer von unten getragenen Enzyklopädie, hat sich dieser Vorbehalt heute verflüchtigt. Durfte man vor 10-15 Jahren im Wissenschaftsbereich Quellen aus WIKIPEDIA gar nicht mal nennen, sind heute wohl die meisten Wissenschaftler froh, dass es ein solch demokratisch gespeistes Wissenslager gibt.

Das entbindet die nicht gewinnorientierte Trägerorganisation, die Stiftung WIKIMEDIA, nicht von der tagtäglichen Kleinarbeit, permanent den Editierungsprozess zu überprüfen und anhand einer wachsenden Liste von Qualitätskriterien einzugreifen. Das Prinzip hat sich jedenfalls bewährt, kann man nach 20 Jahren behaupten. Sogar finanziell war die Idee von Sanger und Wales ein Erfolg, denn Wikipedia trägt sich finanziell dank Spenden der Nutzer selbst.

Wikipedia hat auch die Sprachenvielfalt gefördert. Der Eintrag „Jubiläum“ ist einer von 2,522.000 Einträgen in der deutschen Version der weltweit größten Enzyklopädie. Damit liegt die deutschsprachige WIKIPEDIA zwar weit hinter der Englischsprachigen mit 6,226.000 Einträgen, aber immerhin vor allen anderen Weltsprachen wie Französisch und Spanisch. Auch die größte Sprache der Welt, das Chinesische, bringt es nur auf 1,247.000 Einträge, doch das hat politische Hintergründe. Für kleine Sprachen und nicht offizielle Minderheitensprachen ist Wikipedia ein Segen. Wo anders könnte jedermensch, der in der Schule Latein gebüffelt hat, in dieser altehrwürdigen Sprache (Amtssprache nur im Vatikan) über aktuelles Tagesgeschehen lesen. Kostprobe von heute: „Numerus morbo COVID-19 probatorum infectorum 50.000.000 superavit. 1,250.000 eo morbo mortui sunt.“ (VICIPAEDIA). Lebende Minderheitensprachen profitieren genauso stark und nutzen diese Möglichkeit immer mehr. So scheinen z.B. heute in der baskischen WIKIPEDIA nicht weniger als 369.099 Einträge auf, mehr als in manchen offiziellen Amtssprachen der EU. Man findet dort auch die sardische, friaulische und die ladinische Version, die es bisher auf immerhin 1.273 Einträge bringt.

Wer’s noch nicht weiß: WIKIPEDIA gibt’s auch in deutschen Dialekten, wie etwa Plattdüütsch, Letzeburgisch und Alemannisch. Auf immerhin 31.507 Artikel bringt es die Boarische Wikipedia (Servus in da Bayrisch-Östareichischn Wikipedia). Wer zünftig Bayrisch lernen will, ist da gut aufgehoben. Damit können wir Tiroler uns trösten, falls wir uns zu dieser Dialektfamilie zählen, denn unseren Dialekt gibt’s als Wikipedia-Sprachversion anscheinend noch nicht. Dessen ungeachtet: ad multos annos, Wikipedia!

 

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Kommentare

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Georg Lechner 15.01.2021, 17:23

Editierschlachten gab es vor allem um die Rolle mancher Firmen und Institutionen während des NS-Regimes

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Martin Senoner 15.01.2021, 17:49

Auch die Ereignisse des serbisch-kroatischen Krieges wurden sehr kontrovers diskutiert!

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Georg Lechner 16.01.2021, 11:35

Was soweit kein Wunder ist, weil die Historie (etwa die letzte Zeugenaussage am 1.3.2006 vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag durch die frühere Labour-Abgeordnete Alice Mahon) ein deutlich anderes Bild von den Balkan-Kriegen der 90er offenbart als die gängige Propaganda: https://www.icty.org/x/cases/slobodan_milosevic/trans/en/060301IT.htm

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Martin Senoner 15.01.2021, 17:48

Südtirol-Artikel werden in der Bairischen Wikipedia in der Südtiroler Variante der Bairischen Dialaektfamilie geschrieben! Dafür gibt es jetzt auch eine ladinische Wikipedia in der alle drei Dialekte der Dolomitenladiner (Badiot, grödnerisch und Fodom) Platz haben.

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