Deeg, Waltraud
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Medien

Schockierte Deeg

Vize-Landeshauptfrau Waltraud Deeg fühlt sich bemüßigt, in ihrer Haushaltsrede eine Medienschelte zu betreiben. Die Gretchenfrage ist aber, was sie damit sagen will.
Kolumne von
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Christoph Franceschini16.12.2022
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Waltraud Deeg hat am Donnerstagnachmittag im Südtiroler Landtag eine engagierte Rede zum Haushalt gehalten. Dass ausgerechnet Landeshauptmann Arno Kompatscher den Sitzungssaal verlassen hat, während seine Stellvertreterin das Wort ergriffen hat, wurde nicht nur in den Reihen der Opposition als klares Signal gewertet.
Waltraud Deegs Haushaltrede war in weiten Teilen eine Verteidigungsrede. Die Landesrätin ist dabei recht emotional geworden. Mehrmals hat die Soziallandesrätin sehr energisch die Stimme erhoben, um sich gleichzeitig für diese Heftigkeit zu entschuldigen. Das Ganze mutete irgendwie einstudiert an.
Ich lasse mir nicht Konzeptlosigkeit vorwerfen“ echauffiert sich die Soziallandesrätin. Deeg bemüht in ihrer Rede dabei immer wieder das Überirdische. Ihre Lieblingsworte: „Herrgott nochmal!“. Diese Wortkombination gebraucht die Landesrätin an diesem Tag  gut ein Dutzendmal.
Einen direkten Angriff lancierte die Soziallandesrätin gegen den PD-Abgeordneten Sandro Repetto und dessen Partei. Sauer aufgestoßen ist Deeg die Kritik am sozialen Wohnbau. „Ich darf schon sagen“, erklärt Deeg, „sie haben 30 Jahre lang dieses Ressort gehabt und wenn sie jetzt hier aufzählen, was hier alles nicht läuft, dann darf ich sagen, räumen wir gerade das auf“. Und weiter: „Was haben sie 30 Jahre lang getan, wenn es so schlecht ist?“ Jetzt habe sie, Deeg, den Mut, endlich einmal etwas zu tun.
Deeg bemüht in ihrer Rede dabei immer wieder das Überirdische. Ihre Lieblingswörter: „Herrgott nochmal!“
Waltraud Deeg fühlt sich an diesem Nachmittag auch bemüßigt, über die Südtiroler Medien zu sprechen.
 
Deeg, Waltraud
Waltraud Deeg bei ihrer Haushaltsrede: "Ich lasse mir nicht Konzeptlosigkeit vorwerfen
 
 
Dabei gibt die SVP-Politikerin auch ihr politisches Credo zum Besten: „Ich bin die Erste, die aufsteht und sagt, ich will eine Demokratie, die pluralistisch ist, die streitet. Die aber auch auf unabhängige Medien zurückgreifen kann“. Deeg weiter: „Denn was ich in diesem Jahr gesehen habe, muss ich ehrlich sagen, hat mich zutiefst schockiert, zutiefst schockiert, schockiert mich immer noch, jeden Tag und wenn ich sage, eines der wichtigen funktionierenden Systeme in einer Demokratie ist, dass die Exekutive und die Legislative funktionieren, dass die Gerichte funktionieren, dass wir unabhängige, wirklich unabhängige Medien haben, die dann die Dinge auch gut anschauen, das ist ganz ganz wichtig.“
„Denn was ich in diesem Jahr gesehen habe, muss ich ehrlich sagen, hat mich zutiefst schockiert, zutiefst schockiert, schockiert mich immer noch, jeden Tag.“
Waltraud Deeg
Später kommt Waltraud Deeg in ihrer 40-minütigen Haushaltsrede nochmals auf dieses Thema zurück. „Eine Bitte an die Medien: Bitte schreiben Sie nicht über uns, sondern reden Sie mit uns. Gell. Und dann wehren wir uns auch einmal vielleicht, wenn wir falsch dargestellt werden. Aber das ist unsere Erwartungshaltung, dass dann auch recherchiert wird, dass korrekt berichtet wird. Ich sage nochmals, die Wichtigkeit dieser unabhängigen medialen Berichtserstattung in einer Demokratie“.
Was aber meint Waltraud Deeg damit? Und wen meint sie damit?
Etwa die Tageszeitung Dolomiten? Bekanntlich hat Chefredakteur Toni Ebner ausgerechnet Waltraud Deeg vor einem halben Jahr als Kronzeugin dafür aufgeboten, dass Karl Zeller die SVP zerstören will. Waltraud Deegs Aussage war damals, sie habe gehört, was Zeller bzw. sein Umfeld gesagt haben soll.
Ist das die unabhängige mediale Berichterstattung, von der Frau Deeg träumt?
 
Deeg
Waltraud Deeg und der Weiherhof in Niederdorf: „Wirklich unabhängige Medien, die dann die Dinge auch gut anschauen, das ist ganz ganz wichtig.“
 
 
Eine Kostprobe der Deegschen Medienauffassung durfte der Schreiber dieser Zeilen bereits erleben. Nach der Geschichte über die „Papierbäuerin“ und den Weiherhof in Niederdorf haben die Landesrätin und ihr Ehemann Strafanzeigen gegen Salto.bz wegen Rufschädigung erstattet. Ich hatte damals vor Erscheinen des Artikels mit der Landesrätin durchaus geredet. Ihre Antwort: Der Hof gehöre ihrem Mann und sie hätte damit nichts zu tun.
Die Staatsanwaltschaft ermittelte ein Jahr lang und beantragte dann die Archivierung. Dagegen legte das Ehepaar Deeg/Taschler Berufung ein. Ende Mai 2021 hat Vorermittlungsrichter Peter Michaeler die Strafanzeige gegen Salto.bz und den Autor archiviert. Mit einer eindeutigen Begründung: „Der wahre Kern ist vorhanden.
Deshalb Frau Deeg, schockiert bin ich schon lange nicht mehr. Sondern ich wundere mich. Tag für Tag.
Über die Selbstverständlichkeit und Scheinheiligkeit, mit der manche Politiker und Politikerinnen als moralische Instanz auftreten. 

 

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Kommentare

Bild des Benutzers Paolo Ghezzi
Paolo Ghezzi 16.12.2022, 18:16

Direi che da Roma fin quassù in Bozen, la schiera dei politici che spiegano ai media come dovrebbero spiegare la politica è folta. E non solo perché di ex giornalisti è piena la politica. Oh Signore! (per dirla alla Deeg...) dai politici maestrini ci salvi Domineddio...

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Dietmar Nußbaumer 16.12.2022, 19:56

Fakten und Hintergründe bringen gehört zum seriösen Journalismus, Gerüchte köcheln ist vielleicht auch noch verzeihlich, Gerüchte überkochen nicht mehr so (gilt für alles, wo nicht Bild drauf steht).

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Wolfgang Moser 16.12.2022, 22:37

Herr Nussbaumer, mein Gedanke ist sicher hier fehl am Platz, aber er wäre es genauso an allen anderen Stellen, an denen Sie letzthin breit und federleicht Meinung anbringen. Also eben hier, statt anderswo ... mein Gedanke ist: werde ich den Namen dieses Manns im kommenden Herbst auf einer gewissen Liste finden oder spitzt der Schelm eher darauf, das rechte untere Eck der Titelseite unseres Tagblatts zu erobern?

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Hartmuth Staffler 16.12.2022, 21:04

Und wenn man mit der Deeg noch so viel und so lange reden würde, die Geschichte mit dem Hof ihres Mannes ändert sich dadurch nicht.

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Josef Fulterer 16.12.2022, 21:26

Warum ist die Weiherhof-Bäuerin so dünnhäutig, schließlich hat sie noch gutes Stück Weg zurück zu legen um die Spur ihrer Mutter zu kommen.

Bild des Benutzers Josef Fulterer
Josef Fulterer 17.12.2022, 05:17

Und noch Eines drauf ...
Rechtsanwälte sind als Politiker mehr darauf fixiert überall Gegner zu orten, die man mit den fiesesten Rechtsanwalts-Tricks in Schach halten muss, statt die anfallenden Probleme zu lösen.

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Ceterum Censeo 17.12.2022, 09:14

ich wusste nicht, dass der Landtag Kompetenzen hat in Sachen PresseUnfreiheit.

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Stefan S 17.12.2022, 10:41

"Über die Selbstverständlichkeit und Scheinheiligkeit, mit der manche Politiker und Politikerinnen als moralische Instanz auftreten." Ist wohl "Selbstherrlichkeit und Scheinheiligkeit" gemeint.
Wo bleibt eigentlich die Aufklärung des Fall Vallazza Frau Deeg?

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Dietmar Nußbaumer 17.12.2022, 17:05

Keine Angst Herr Moser, weder noch, zudem weder lechts noch rinks.

Bild des Benutzers Dietmar Nußbaumer
Dietmar Nußbaumer 17.12.2022, 17:31

Ich bin nicht Journalist, meine Meinung ist also nicht mehr oder weniger Wert wie andere Meinungen hier und sind bestenfalls Diskussionssplitter; ich bilde mir auch nie ein, dass ich das warme Wasser erfunden habe, außer vielleicht bei Themen, wo ich mir denke, dass ich über diese gut Bescheid weiß. .

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